Sie leiden an ganzjährigem, allergischem Schnupfen, weil Sie gleich von mehreren Allergenen geplagt werden. Wie organisieren Sie Ihren Alltag?

So normal wie möglich. Berufliche Reisen führen allerdings immer wieder zu Komplikationen. Im fremden Hotelbett zu übernachten, regt meine Milbenallergie an. Da kann es vorkommen, dass ich nachts keine Luft bekomme, morgens mit geschwollenen Augen und völlig ermüdet aufstehe.

Ich nehme darum eigene Bettwäsche mit. Bin ich eingeladen, erkundige ich mich, ob der Gastgeber Haustiere hat. Dann kann ich vorher noch Antihistaminika einnehmen. Denn sonst würde ich die Symptome sehr schnell zu spüren bekommen: die Nase läuft, die Augen brennen, ein Erschöpfungszustand folgt.

Weil das Immunsystem dann so hochgefahren wird, fühlt sich das körperlich an wie eine leichte Grippe.

Wann wurde diagnostiziert, dass Sie auf Allergene reagieren?

Als ich einjährig war. Mit drei Jahren war ich für längere Zeit im Spital, weil man die Allergien nicht genau bestimmen konnte. Als Kind litt ich dann vor allem unter Asthma. In den Sommerferien mit meinem Vater auf die Alp war der Horror. Erst nach zwei Wochen klangen die Allergien gegen Kuhhaare und Pollen ab.

Mussten Sie als Kind auf viel verzichten?

Da gab es einiges. Es war schwierig, meine Grosseltern auf dem Bauernhof zu besuchen, ich konnte das Haus nur kurz betreten. Weil ich mich weder mit dem Staub in Turnhallen noch mit den Gräsern auf Sportplätzen anfreunden konnte, ging ich ins Hallenbad. Schwimmen ist eine der wenigen Sportarten ohne Allergierisiko.

Ich begann mit vier Jahren. Zwischen zwölf und siebzehn trainierte ich oft sogar zweimal täglich. Noch heute schwimme ich fast täglich. Für Asthmatiker ein ausgezeichnetes Atemtraining.

Sie unterziehen sich am Immunologiezentrum Zürich einer Therapie der Hyposensibilisierung, auch Allergieimpfung oder Spezifische Immuntherapie genannt. Warum haben Sie diese ins Auge gefasst?

Ich hatte gelernt, mit Medikamenten die Allergien recht gut in Schach zu halten. Doch vor fünf Jahren erlebte ich eine Phase andauernder Müdigkeit. Im Unispital Zürich, wo ich schon als Kind zur Behandlung war, stellte man sehr hohe Entzündungswerte fest.

Da entschied ich mich für die Allergen-Immuntherapie. Monatlich werden Spritzen mit Allergenextrakten injiziert, wie eben zum Beispiel Tierhaare. In meinem Fall sind das sechs Allergenextrakte. Während drei Jahren wird die Dosis ständig erhöht, bis ein normales Level erreicht ist und das Immunsystem nicht mehr überreagiert.

Inwiefern hat sich Ihr Leben seit der Hyposensibilisierung geändert?

Die Therapie dauert noch zwei Jahre, insgesamt fünf. Sie ist gerade beim Reisen recht aufwendig, weil die Spritze dann vor Ort von einem Arzt gemacht werden muss – da die Gefahr eines anaphylaktischen Schocks besteht, kann ich sie nicht selbst injizieren, und zwei Tage danach bin ich nur reduziert leistungsfähig. Trotzdem erleichtert die Therapie mir schon jetzt den Alltag.

Noch kann ich nicht ganz auf die Medikamente verzichten. Ich komme nun in die Experimentierphase, wo ich es wage, zum Beispiel jemanden mit Haustieren zu besuchen, ohne vorher Antihistaminika einzunehmen.

 

* Name der Redaktion bekannt.