Die Familie A. M. weiss, was es heisst, wenn ein Kind sich ständig kratzt. Der kleine Alexander (alle Namen geändert) ist heute zehn Monate alt und leidet unter einer Neurodermitis, einem atopischen Ekzem. «Eine schubweise verlaufende, entzündliche Hauterkrankung aufgrund einer genetisch bedingten Fehlfunktion begleitet sein Leben», berichtet der Vater. Diese Form der Neurodermitis (atopische Dermatitis) tritt vor allem im Säuglingsalter auf. Bei 60 Prozent der betroffenen Kleinkinder beginnt die entzündliche, chronische Hauterkrankung im ersten Lebensjahr. Erwachsene sind fast immer schubfrei. Neurodermitis basiert auf einer erblichen Veranlagung.

Natürliche Verhornung gestört
Die Ursachen der Neurodermitis sind vielfältig. Eine genetische Komponente verursacht eine verminderte Hautbarriere; veränderte Immunantworten und Umweltfaktoren beeinflussen die Krankheit ebenfalls. Der Mangel an Eiweiss in der Haut, welches für die Barrierefunktion wichtig ist, spielt eine entscheidende Rolle bei der Entstehung der Erkrankung. Diese Eiweisse werden aufgrund eines Gendefekts vermindert oder überhaupt nicht gebildet. Dadurch ist die natürliche Verhornung gestört und die Barrierefunktion der Haut eingeschränkt. Allergene und Bakterien können so leichter in die Haut eindringen, was entzündliche Ekzeme auslösen oder verstärken kann. Bei Alexander zeigten sich die ersten Symptome ab dem zweiten Lebensmonat. «Zuerst hatte er Milchschorf, die Kopfhaut sah gelblich und klebrig aus», erinnert sich seine Mutter. Ab dem siebten Monat hört sie mit dem Stillen auf. Auch ein Milchersatz brachte keine Besserung. Der kleine Alexander musste sich immer wieder übergeben. Der Zustand der Haut verschlimmerte sich. Wegen des ständigen Juckreizes kratzte er sich am ganzen Gesicht und Körper. Die Haut rötete sich, und es kam stellenweise zu nässenden Hautausschlägen.

Heute schläft Alexander besser
Die Eltern haben alles Erdenkliche ausprobiert. Zum Einsatz kamen verschiedene Cremes und andere Mittel. «Wir waren zu diesem Zeitpunkt ziemlich erschöpft und hofften ungeduldig auf Besserung», blicken sie zurück. Schliesslich hat ihnen ihr Kinderarzt das Kinderspital Zürich empfahl. Für einen stationären Aufenthalt konnten sich die Eltern nicht entscheiden. Die behandelnden Ärzte suchten daraufhin nach einer Alternative, sodass die junge Familie ihr Kind zu Hause pflegen konnte. Sie erhielten von den Ärzten detaillierte Anweisungen.

Einsalben und Eincremen mit und ohne Kortison standen dabei an erster Stelle, und innert kurzer Zeit stellten sich erste Erfolge ein. Die Behandlung wird weiterhin fortgesetzt. «Heute geht es Alexander viel besser. Er ist lebendiger, fröhlicher und schläft besser», zeigen sich seine Eltern erleichtert. Der Kleine spielt mit Lego-Klötzen, zupft Fäden aus den Kissen. Er krabbelt munter herum und hält seine Mutter auf Trab. «Eigentlich lebt Alexander heute wie ein ganz normales Kind, ausser dass seine Haut zusätzlich juckt. Deshalb muss er weiterhin Medikamente nehmen und sein Körper muss regelmässig eingesalbt werden», erklärt die Mutter. Vorsicht ist geboten bei Eiern, Milch, Soja und allenfalls Weizen. Darauf ist Alexander allergisch. Hier muss Verzicht geübt werden. «Unser grosser Traum ist, dass unser Sohn in Zukunft seinen Alltag ohne Juckreiz und Kratzen bewältigen kann», sagen die Eltern. Die Chancen stehen ziemlich gut. «Wir werden sehen, wie sein Zustand ist, wenn er zwei Jahre alt wird.»

Tests in den ersten Lebensmonaten
Bei Kleinkindern wie Alexander hilft nur salben, salben und nochmals salben, haben seine Eltern gelernt. Die Haut muss regelmässig eingefettet werden. Oft finden Eltern selber heraus, was ihrem Kind am besten hilft. Nach dem Auftragen muss die Salbe oder Creme auf jeden Fall gut einmassiert werden. Ein Neurodermitisschub kann durch viele Faktoren ausgelöst werden. Neben Allergenen ist Stress ein wichtiger Auslöser: Entwicklungs-, Schul- oder Berufsstress sowie Spannungen und Probleme im sozialen Umfeld. Von Neurodermitis Betroffene leiden häufiger an einer Allergie als der Durchschnitt der Bevölkerung. Kommt es immer wieder zu Schüben oder heilen diese trotz Therapie nicht ab, sollte ein Allergietest gemacht werden. Fachärzte führen die Tests bereits in den ersten Lebensmonaten durch.

 

Info

Schuppenflechte früh entgegenwirken

Psoriasis, auf Deutsch Schuppenflechte genannt, ist eine entzündliche, wiederkehrende Erkrankung, die in der Regel Haut und Nägel und oft die Gelenke befällt. Unsere Körperabwehr zeigt dabei eine übermässige Aktivierung, so dass das Immunsystem sich mit Entzündung gegen normales Gewebe richtet.

Die Schuppenflechte ist oft verknüpft mit Erhöhung von Blutdruck, Blutzucker, Blutfetten und Körpergewicht, dem metabolischen Syndrom, und signalisiert ein erhöhtes Risiko für Herzkreislauferkrankungen. Bei der Abklärung sollten auslösende Medikamente erkannt und ersetzt oder abgesetzt werden und zugrundeliegende Infektionen behandelt werden.

Die Behandlung beginnt mit örtlichen Salben oder Crèmes und Lichtbehandlung. In zweiter Linie stehen Medikamenten in Form von Tabletten, Spritzen und Infusionen zur Verfügung. Betroffene lernen, früh selbst neu auftretende Herde von Psoriasis zu behandeln.

Bei Gelenksbefall oder hartnäckigem Verlauf kommen innerliche Medikamente, die neuerdings massgeschneidert in die Körperabwehr eingreifen, zum Einsatz und können langfristige Besserungen erreichen, erklärt PD Dr. Günther Hofbauer, Facharzt für Dermatologie, Allergologie und Immunologie am IZZ Immunologie-Zentrum Zürich. «Vor allem braucht es viel Geduld», sagt er.