Mein Wochenplan sieht jeden Tag anders aus. Drei Tage moderiere ich am Radio Energy. Gestern war ich für Dreharbeiten für eine TV-Sendung gebucht, anstrengende sechs Stunden. Und morgen drehe ich eine Video-Serie mit Dodo für die Swiss Music Awards. Nächste Woche hab ich einen Termin bei der Physio. Und einen Gross-Check, den ich alle drei Monate in der Klinik für Cystische Fibrose machen muss. Ach ja, und dann war da ja auch noch unser Interviewtermin.

Ich geh ja nicht damit hausieren und bin nicht der Posterboy der CF-Gesellschaft

Wenn Menschen sich hypothetisch damit befassen, wie sie ihr Leben gestalten würden, wenn sie wüssten, dass ihre Lebenszeit beschränkt ist, antworten die meisten: weniger arbeiten. Warum arbeitest du so viel?

Es klingt abgedroschen, aber für mich ist das eben nicht Arbeit. Das ist Fun. Mein Arzt sagt mir, dieses Pensum wäre nicht möglich, wenn ich es nicht so gern machen würde.

Spürst du auch, wenn du dich vor lauter Fun überarbeitest?

Ich kenne meinen Körper und weiss, wann ich auf die Bremse treten muss. Ich lege bewusst Pausen ein. Und nehme mir Zeit, genügend zu schlafen. Ich bin da auch nicht das Partyanimal, das bis um 4 Uhr morgens im Ausgang ist. Ich stresse meinen Körper nicht noch zusätzlich.

CF-Betroffene husten oft - ist das nicht gerade für einen Radio-Moderator und Bühnen-Comedian ein grosses Handicap?

Das gabs schon, dass ich mich räuspern musste, aber ein Hustenanfall ist mir bisher erspart geblieben. Vieles am Radio ist aufgezeichnet, so ein Huster kann also nachträglich rausgeschnitten werden. Und vor einer Live-Moderation kann ich mit meinem kleinen Inhalier-Apparat die Schleimhäute noch beruhigen. Damit inhaliere ich täglich je 30 Minuten Medikamente mit einem Vernebler.

Du hast deine Krankheit öffentlich gemacht – hast du dir gut überlegt, dass man dich dann nicht mehr nur als Comedian wahrnimmt?

Das war kein Karriere-Entscheid. Im Gegenteil, meine Karriere zwang mich dazu. Ich weiss ja, wie die Medien funktionieren. Auf verschiedenen Redaktionen war schon bekannt, dass ich CF habe. Und ist die Bekanntheit irgendwann gross genug, wird das zum Thema gemacht. Es war also besser, das selbst im richtigen Augenblick öffentlich zu machen - und zwar, als ich die Gelegenheit hatte, das mit dem Spitalprogramm «Au(r)a» gleich selbst zu tun.

Du forderst darin dein Publikum auf, über Krankheiten und Spitalaufenthalte zu lachen.  Kommts da auch zum  berühmten «Lachen,  das einem im Hals stecken bleibt»?

Wenn jemand nicht lacht, liegt das nicht unbedingt am Thema. Vielleicht war einfach die Pointe schlecht. Ich glaube nicht, dass ich das Publikum mit dem Thema überfordere. Aber natürlich sorgen Publikumsreaktionen dafür, dass ich gewisse Stellen noch anpasse. Das ist bei jedem Comedy-Programm so.

Sprechen dich Leute auf die Krankheit an?

Ich geh ja nicht damit hausieren, bin nicht der Posterboy der CF-Gesellschaft. Wenn aber jemand einen Spenderausweis ausfüllt, nachdem er mein Programm gesehen hat, freut mich das. Eltern schreiben mir auf Facebook. Ich sage dann immer: Geht es möglichst normal an, behandelt das Kind nicht, als sei es todkrank. Und wenn mich jemand mal ehrlich fragt, wie gehts dir so, dann freut mich das auch.

Du glaubst, Humor hilft im Krankheitsfall. Ist das eigentlich medizinisch messbar?

Leider nicht – aber vieles ist medizinisch nicht messbar. Sicher ist: Die Psyche ist stark beteiligt am Heilungsprozess.

Bruno Mülhauser
CFCH Präsident

50 Jahre Selbsthilfe bei Cystischer Fibrose

Trotz ihrer unheilbarer Krankheit setzen sich zahlreiche Betroffene von Cystischer Fibrose (CF) gemeinschaftlich dafür ein, dass es anderen besser geht; sie sammeln Mittel für die Forschung und machen die Krankheit in der Öffentlichkeit bekannt.

All diese Aktivitäten finden unter der Schirmherrschaft der Schweizerischen Gesellschaft für Cystische Fibrose (CFCH) statt. Die CFCH steht seit 50 Jahren im Dienst aller Menschen, die von CF betroffen sind.

Die Erbkrankheit CF wird in der Schweiz jährlich bei circa 40 Neugeborenen diagnostiziert und ist bisher noch nicht heilbar. In der Lunge bildet sich zäher Schleim, der zu Husten, Bakterienbesiedlung und Entzündungen führt. Durch CF wird die Lunge und auch andere Organe fortlaufend zerstört. Zudem leiden CF-Betroffene an Bauchschmerzen, Durchfall und geringer Gewichtszunahme.

Die Lebenserwartung bei CF beträgt weniger als 50 Jahre. Durch die Symptome und den täglichen intensiven Therapieaufwand von zwei bis drei Stunden bestimmt die Krankheit das Leben grundlegend. Und dennoch sieht man den Betroffenen die Krankheit «von aussen» oft kaum an.

Dabei ist es von besonderer Bedeutung, diese seltene und praktisch «unsichtbare» Krankheit in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Nur wenn diese auch von «Aussenstehenden» verstanden wird, können die rund 900 Betroffenen in der Schweiz auf Verständnis und Unterstützung in der Schule und am Arbeitsplatz zählen.

Auch darum sind wir unseren aktiven Mitgliedern wie Stefan Büsser dankbar, dass sie in der Öffentlichkeit ihren Umgang mit der Krankheit thematisieren und für andere damit verständlich machen.