Sie haben einen Knoten an Ihrer Brust entdeckt und waren sich sicher, dass es Krebs ist. Weshalb?
Ich hatte seit jeher eine sehr gute Intuition. Es war im Juni 2005, als ich mir wie zufällig unter die Achsel griff und einen riesigen Knoten spürte. Sofort schoss mir durch den Kopf: Das ist Krebs! Für mich bestand kein Zweifel. Doch die Ärzte behaupteten, es sei nichts Auffälliges festzustellen. Daraufhin verlangte ich einen Ultraschall und eine Biopsie. Kurz darauf kam der Anruf des Chefarztes. Ich hatte Recht.

Sie waren sich schon vor der Diagnose sicher – war die Bestätigung ihrer Vermutung überhaupt noch ein Schock?
Ich hatte keine Zeit schockiert zu sein, zu überlegen, was dies alles zu bedeuten hatte. Ich hätte eine Klasse auf eine Studienreise nach Assisi begleiten sollen und musste sofort einen Ersatz organisieren. Deshalb war ich gezwungen unmittelbar nach der Diagnose vor all meine Arbeitskollegen zu treten und sie über meine Krankheit aufzuklären. Meine Kollegen waren tief betroffen. Ihr Mitgefühl hat mir gut getan.

Gleich darauf begann die Behandlung. Die Ärzte wollte Ihnen sicherheitshalber die Brust abnehmen. Sie weigerten sich.
Das kam für mich nie in Frage. Ich war mir sicher, dass die Entfernung des Tumors ohne diesen folgenschweren Eingriff möglich wäre. Und tatsächlich: Nach vielen Untersuchungen wurde brusterhaltend operiert. Um Chemotherapie und Bestrahlung kam ich allerdings nicht herum.

Wie erlebten Sie diese?
Es war grauenhaft. Sie raubten mir meine Kräfte. Um den Haarausfall besser verkraften zu können, lies ich mir die Haare kurz schneiden. Als die Coiffeuse den Grund erfuhr, war sie schockiert, sagte mir dann aber: Gott gibt einen nur Aufgaben, die man bewältigen kann. Ich war gerührt, so tiefsinnige Worte von einem solch jungen Menschen zu hören.
    
Glauben Sie, Gott hat Ihnen diese Aufgabe gegeben?
Das denke ich, ja. Während der Zeit als ich in der Lukas Klinik, einer Spezialklinik für Tumorerkrankungen in Arlesheim, therapiert wurde, habe ich mir viele Gedanken über den Grund meiner Erkrankung gemacht. Ich kam zum Schluss, dass ich die Aufgabe erhalten habe, an dieser Krankheit zu wachsen, um später anderen Menschen helfen zu können.

Viele Menschen in ihrem Umfeld nahmen ihren Kampfgeist zum Vorbild.
In der Lukas Klinik haben sogar einige der anderen Patientinnen geglaubt, ich sei gesund, weil ich so viel Kraft ausstrahlte. Das obwohl mich der Krebs voll in die Mangel nahm. Aber ich liess mich nicht unterkriegen.

Dabei geholfen hat Ihnen auch die Misteltherapie. Was hat diese bewirkt?
Mein Zustand, vor allem die Nebenwirkungen, haben sich dank der Therapie drastisch verbessert. Die Misteltherapie ist eine komplementärmedizinische Behandlungsmethode. Mehrere Ärzte wollten mir diese ausreden. Solch eindimensionale Sicht hat mir sehr zu denken gegeben.

In Kürze jährt sich der Tag der Diagnose zum sechsten Mal. Wie geht es Ihnen heute?
Mir geht es gut. Ich habe mein Leben nicht umgekrempelt, wie mir prophezeit wurde. Vielmehr  habe ich tiefere Einsichten gewonnen. Mittlerweile bin ich soweit, dass ich für diese Erfahrung dankbar bin.

 

Facts

Jedes Jahr erhalten in der Schweiz rund 3500 Frauen die Diagnose Brustkrebs. Jährlich sterben etwa 1500 Frauen an dieser Krankheit. Die Heilungschancen hängen wesentlich davon ab, in welchem Stadium die Krankheit erkannt und behandelt wird. Die gängigste Methode zur Früherkennung ist die Mammografie. Selbstkontrolle ist wichtig. Das zunehmende Alter ist ein entscheidender Risikofaktor, denn bei zwei Dritteln der betroffenen Frauen tritt der Tumor nach dem 50. Altersjahr auf.

Weitere Risikofaktoren sind: Brustkrebserkrankung von nahen Verwandten, keine Kinder oder das erste Kind erst mit über 35 Jahren geboren, deutliches Übergewicht oder Beginn der Wechseljahre erst nach dem 52. Lebensjahr. Brustkrebs verursacht häufig keine Symptome, bis plötzlich ein Knoten in der Brust bemerkt wird.

In den meisten Fällen wird Brustkrebs durch die Patientinnen selbst entdeckt, weswegen monatliche Selbstkontrollen äusserst wichtig sind.