Nachdem die Grossmutter und die Mutter an Diabetes erkrankt sind, wurde auch bei ihm Diabetes diagnostiziert. Die Krankheit hat die Familie fest im Griff. Philipp K. erzählt von seinem Schicksal und warum sein Leben trozdem noch lebenswert ist.

Was haben Sie für Erinnerungen an Diabetes?
Meine Grossmutter hat sich immer erst kurz vor dem nächsten Arzttermin an dessen Anweisungen gehalten. Ansonsten konnte kein Essen fettig und süss genug sein.

In schlimmster Erinnerung sind mir ihre Erdbeertorten. Auf einem ultrasüssen Boden war eine dicke Schicht Buttercrème. Mindestens ein Zentimeter dick. Und dann kamen die Erdbeeren und der süsse Guss drauf. Ich habe schon immer gern Erdbeeren gegessen, aber die Torte habe ich mir nicht angetan. Und eben: Spritzen kamen für sie eigentlich nie in Frage.

Über einige Ecken hörte ich dann mal von einer Verwandten, der aufgrund ihres Diabetes nach und nach beide Beine amputiert wurden. Für ein Kind von gerademal neun Jahren ist das sehr eindrucksvoll!
 

 

Wie ging es weiter?
Vor einigen Jahren wurde dann bei meiner Mutter Diabetes festgestellt, das allerdings mit Tabletten ganz gut kontrollierbar war. Sie hat sich daran gehalten und war auch mit einigen Nahrungsmitteln etwas zurückhaltender. Als sie anfangs Mai vergangenen Jahres wegen einer anderen Sache im Krankenhaus war, wurde ihr gesagt, dass sie auf Insulin eingestellt werden müsse, weil es so doch nicht mehr so optimal war. Da wurde die ganze Sache für mich greifbarer. Wie viele andere dachte auch ich: Ein Diabetiker, der spritzt, ist wirklich krank!
 

«Wie viele dachte auch ich, ein
Diabetiker, der spritzt ist wirklich krank!»
 

Wie erfuhren Sie von Ihrem Diabetes?
Ich machte mir einige Gedanken über die nächste Zukunft und was auf uns wohl noch alles zukommt. Aber richtig heftig kam es ein paar Tage später: Nachdem mir schon einige Zeit häufig schwindlig war, klappte ich zusammen und bin mit meinen letzten Kräften zu meiner Hausärztin gegangen. Diese nahm mir Blut zur Untersuchung ab und entliess mich ins Wochenende mit einem Arztzeugnis für ein paar Tage zur Erholung.

Am darauffolgenden  Montag kam der Anruf aus der Praxis: Sofort hinkommen, denn es wurde ein Blutzucker von 19,8 mmol / l (360 mg/dl) ermittelt. Ein normaler Blutzuckerwert liegt zwischen 6 und 8 mmol /l.

Nach drei Tagen mit Tablettenbehandlung tat sich nicht viel, sodass ich erst mal im Krankenhaus landete. In der Sprechstundenhilfe erfuhr ich, dass ich ab sofort auch selbst spritzen muss. Das hat mir erst mal gehörig den Boden unter den Füssen weggezogen! Bisher war ich noch bei den meisten Blutentnahmen mit einem blauen Auge davongekommen. Und jetzt? Da sagt mir so eine dusselige Krankepflegerin so einen Blödsinn und ich hatte noch gar keine Ahnung, was mir alles noch bevorstand! Der Tag war gelaufen und ich stinksauer. Heulend. Fertig mit der Welt! Und dann haben die mir doch wirklich so eine Spritze in die Hand gedrückt!

 

Wie handhaben Sie Ihre Erkrankung heute?
Heute, zirka 17 Monate danach, weiss ich, dass nicht die Krankenpflegerin der Dussel war, sondern ich. Nach allem, was ich inzwischen über Diabetes gelesen und gehört habe, bin ich froh, dass die Ärzte damals so reagiert und nicht mit Tabletten herumprobiert haben. Ich kann meine Krankheit meinem Lebensrhythmus anpassen und komme prima zurecht.

 

Facts
Diabetes und Füsse
 
Diabetes kann zu einer Schädigung der Füsse führen und ist die häufigste Ursache einer Amputation in der westlichen Welt.Zeichen einer Gefährdung des Fusses: Trockene Haut mit Rissen, Schmerzen beim Gehen, Druckstellen, Schwielen und Hühneraugen, nächtliche Ruheschmerzen. Haut- und Nagelveränderungen, Verletzungen, die nicht wahrgenommen werden. Gehen Sie bei Auftreten derartiger Veränderungen sofort zum Arzt! Mehr Informationen finden Sie in der Broschüre «Diabetes und Füsse» der Schweizerischen Diabetes-Gesellschaft oder bei Ihrer Diabetes-Fachperson
 
 
Ursachen und Auswirkungen: Nervenschädigungen führen zu einer Verminderung des Schmerzempfindens, Verletzungen, Druckstellen, Fussdeformationen, denn sie werden ungenügend wahrgenommen, zudem kommt es infolge einer Störung des Muskelgleichgewichts zur Fehlbelastung Schwielen, Krallenzehen.
 
 
Arterien Schädigungen; können Durchblutungsstörungen verursachen und eine schlechte Wundheilung und Infektionen begünstigen.