Sie haben eine Krankheit, die nachts beim Schlafen eintritt. Wie haben Sie es bemerkt?

Gar nicht. Da meine Frau einen leichten Schlaf hat, fiel ihr auf, dass ich stark schnarche und oft aufhöre zu atmen – bis zu einer halben Minute.

Hatten Sie deswegen tagsüber Symptome wie starke Müdigkeit oder Kopfschmerzen?

Ich hatte eigentlich gar nicht das Gefühl, dass ich schlecht schlafe. Unter Kopfschmerzen oder einer depressiven Verstimmung litt ich auch nicht. Aber ja, ich bemerkte, dass ich im Büro oder unterwegs oft müde war. Oder abends nach der Arbeit konnte es passieren, dass ich im Zug einschlief.

Auch beim Autofahren?

Nein, aber irgendwann mal am Steuer hatte ich das Gefühl, dass ich gleich einnicke. Das war ein Alarmzeichen. 

Sie haben sich dann entschieden, zum Hausarzt zu gehen.

Meine Frau bewog mich dazu, da ihr meine Atemaussetzer in der Nacht Angst machten. Mein Arzt verwies mich für Abklärungen an das Universitätsspital Zürich. Dort vermuteten sie, dass es mit meinem Schlaf zu tun hat. Ich wurde ins Schlaflabor zitiert.

 

 

Dort übernachteten Sie?

Genau, eine Nacht lang, verkabelt und überwacht von einer Kamera. Das war ein seltsames Gefühl. Aber die Diagnose am nächsten Tag war eindeutig: massive Schlafapnoe.
 

Ich hatte über hundert nächtliche Atemaussetzer. Ich wurde weiteren Tests unterzogen.
 

Welchen?

Sie setzten mich etwa in einen abgedunkelten Raum. Wenn ein Lämpchen anging, musste ich auf einen Knopf drücken. So wollten sie sehen, ob ich wach bleibe. Mit diesem Test kann man beispielsweise feststellen, ob man beim Autofahren Gefahr läuft, einzunicken. Oder während der Sitzung, wenn der Chef redet (lacht). Nun, ich schlief bei diesem Test bereits nach zehn Minuten ein.

Hauptursache der Aussetzer ist das Erschlaffen der Rachenmuskulatur. Das drückt auf die Atemwege. Was erhielten Sie verschrieben?

Die Ärzte überreichten mir das sogenannte CPAP-Gerät mit Atemmaske. Diese setze ich seither nahezu jede Nacht auf. Mit Druck wird mir durch die Atemmaske Luft in die Nase geblasen. Dadurch wird verhindert, dass die Rachenmuskulatur erschlafft. Die Luftwege bleiben frei.

Welche Veränderungen bemerkten Sie?

Meine Frau stellte fest, dass ich besser schlafe, überhaupt nicht mehr schnarche, kaum noch Aussetzer habe. Was natürlich für einen Partner sehr angenehm ist. Ich bemerkte, dass die Müdigkeit tagsüber wegging. Und mittlerweile halte ich sogar den Lämpchen-Test die gesamten zwanzig Minuten durch.

Heute sind Sie pensioniert. Als Sie vor 13 Jahren die Diagnose erhielten, waren Sie als Risikoüberwacher für die UBS viel auf Reisen. Wie war das mit der Maske?

Kein Problem. Eine Steckdose findet man immer. Ich habe mich ohnehin rasch an das Gerät gewöhnt. Seit der Diagnose kommt es überall hin mit. Es gehört in den Koffer wie die Zahnbürste und die Brille.

Wie reagieren die Leute darauf?

In der Regel sieht mich ausser meine Frau niemand mit der Maske schlafen (lacht). Aber ja, wenn ich an den Flughäfen durch den Zoll gehe, da sind die Sicherheitsleute immer erst ein bisschen verunsichert, was ich da mittrage. Sie kennen es nicht. Aber mit den nötigen Erklärungen geht das dann.

Ohne Maske, können Sie sich das noch vorstellen?

Heute kann ich am Abend die Tagesschau wieder sehen, ohne einzunicken. Damit ich gut schlafe und tagsüber fit bin, werde ich sie bis ans Lebensende tragen.