«Ich hatte immer verschiedene Optionen zur Auswahl. Heute habe ich keine mehr. Das ist zum Verrückt werden», erklärt Erwin Fuchs. Vergangenen Sommer ging er wegen Atemnot, übermässiger Müdigkeit und einem starken Reizhusten zum Arzt. Dieser diagnostizierte Asthma. Eine Fehldiagnose, wie sich wenig später herausstellte. Schon im Herbst musste Fuchs notfallmässig ins Spital, weil er mehrere lebensgefährdende Lungenembolien und Infekte sowie sehr tiefe Blutwerte hatte. Erst da fand man heraus, unter was der ehemalige Swiss-Air-Pilotenausbildner wirklich leidet. «

Die Bezeichnung myelodysplastisches Syndrom kannte ich nicht und ich war damals auch ausser Stande Fragen zu stellen», erinnert sich Fuchs. Erst eine Selbsthilfegruppe sowie der Besuch einer Spezialklinik in München lieferten ihm die Antworten, nach denen er so dringend suchte. «Es war beruhigend zu wissen, dass es da auch noch andere gibt, die unter derselben Krankheit leiden wie ich», erzählt Fuchs.

Bewusster und intensiver ­leben

Das Leben des 68-Jährigen hat sich seit der Diagnose stark verändert. Er konnte nur knapp dem Tod entrinnen, musste Chemotherapien und Bluttransfusionen über sich ergehen lassen und verbrachte Wochen im Spital. Heute geht es Fuchs verhältnismässig gut. Seine Blutwerte sind beinahe wieder normal, so dass der begeisterte Berggänger die Natur in vollen Zügen geniessen kann. Doch die Ungewissheit bleibt sein stetiger Begleiter: «Mir ist klar, dass sich meine gesundheitliche Situation jederzeit verschlechtern kann.» Deshalb versucht er noch intensiver und noch bewusster zu leben.

Dazu gehört es auch, sich ein wenig mehr zu leisten als früher. Der Konzert- und Theaterbegeisterte sitzt heute auf den teuren Plätzen und gönnt sich im Zug ein 1.-Klasse-Ticket. «Ich werde die Hoffnung auf Heilung nie aufgeben. Ich rede meinem Knochenmark täglich gut zu und sage ihm, dass es sich noch auf 20 Jahre harte Arbeit einstellen soll. Denn ich will leben.»