Silber im 800-Meter-Rennen sowie im Marathon, zwei vierte Plätze über 1500 und 5000 Meter und ein Fünfter auf der 400-Meter-Distanz. Herr Hug, wie fällt Ihre persönliche Bilanz zu Ihren Leistungen an den Paralympics aus?
Ich bin sehr zufrieden. Vor allem die beiden Silbermedaillen bereiten mir grosse Freude. Über die zwei vierten Plätze war ich ehrlich gesagt anfangs sehr enttäuscht. Aber die im Anschluss gewonnenen Medaillen liessen dieses Gefühl schnell verblassen.

Welches nächste Ziel haben Sie sich gesteckt?
Diese Saison stehen noch 3 Rollstuhl-Marathons bevor, die ich gewinnen möchte. Einer in Berlin, einer in Oita in Japan und zum Abschluss der Marathon in New York. Nächstes Jahr sind dann bereits die Weltmeisterschaften. Konkrete Ziele und die genauere Planung im Hinblick auf diese WM definiere ich zu einem späteren Zeitpunkt. Jetzt geniesse ich erst einmal die zwei Wochen Trainingspause.

Wie und wann hat Sie die Leidenschaft für die Rollstuhl-Leichtathletik gepackt?
Vor 16 Jahren nahm ich an einem Lager teil, wo wir Anwesenden den Umgang mit dem Rollstuhl im Alltag lernten. Über eine Lager-Freundschaft kam ich zum Rollstuhlclub. Die Sportleiterin des Clubs brachte eines Tages einen alten Rennrollstuhl mit, den ich dann auch ausprobieren wollte. Kurze Zeit später meldete sie mich zu meinem ersten Schülerrennen innerhalb des Schenkon-Marathons an. Die vielen Eindrücke an diesem Event waren für mich faszinierend und ich wusste sofort, dass ich an diesem Sport dran bleiben möchte.

Was braucht es, um an der internationalen Spitze des Behinderten-Profisports mitkämpfen zu können?
Verschiedene Faktoren sind hier ausschlaggebend: Die körperlichen Voraussetzungen, der Wille und die Motivation, aber auch das persönliche Umfeld und die infrastrukturelle Möglichkeit, um überhaupt trainieren zu können. Die gleichen Parameter gelten sowohl für den Behinderten- als auch für den Nicht-Behindertensport.

Welche Person hat Sie leistungsmässig an den Paralympics am meisten beeindruckt?
Die Person ist zugleich mein grösster Konkurrent: der Brite David Weir. Nicht nur seine vier Goldmedaillen, sondern auch seine Persönlichkeit hat mich zutiefst beeindruckt. Ich kenne und schätze ihn schon länger. Er ist ein sehr sympathischer und fairer Sportler.

Wie denken Sie über die Teilnahme des beinamputierten Leichtathleten aus Südafrika, Oscar Pistorius, an den Olympischen Spielen in London über 400 Meter?
Ich habe mich sehr darüber gefreut. Seine Teilnahme an den Olympischen Spielen in London war eine gute Gelegenheit, um den Bekanntheitsgrad des Behindertensports sowie der im Anschluss stattfindenden Paralympics zu steigern.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Behindertensports?
Die Richtung, die der Behindertensport in den letzten Jahren eingeschlagen hat, ist bereits sehr gut. Wenn ich an andere Leichtathletik-Grossanlässe denke, hoffe ich für die Paralympics 2016 in Rio de Janeiro auf eine ähnliche Medien- und Zuschauerpräsenz wie in London.

Und was wünschen Sie generell für Menschen mit Behinderungen?
In erster Linie Respekt und Akzeptanz. Ich als Sportler zum Beispiel möchte Anerkennung für die erzielte Leistung. Die Behinderung eines Menschen sollte grundsätzlich nicht im Vordergrund stehen.

Werden Personen mit Behinderungen Ihrer Erfahrung nach im heutigen Berufsleben in der Schweiz gut integriert?
Ich weiss von Personen, die Mühe hatten, eine Stelle zu finden, und von anderen wiederum, die den angestrebten Job ohne Probleme erhielten. Im Berufsleben sowie im Sport sollten die gleichen Massstäbe für alle gelten. Es sollten nicht persönlich erschwerende Umstände als Vorwand gelten, sondern Persönlichkeit und Fähigkeit zählen.