Wann und wie, Frau Aschwanden, wurde bei Ihnen die Diagnose gestellt?
Die Diagnose erhielt ich im Juli 2013 in einem Kompetenzzentrum für Schilddrüsenerkrankungen. Seit vielen Jahren waren bei mir bestimmte Blutwerte erhöht, ohne dass es dafür eine Erklärung gab. Bei einer meiner unzähligen Recherchen kam ich auf Hashimoto Thyreoiditis. Ich bat daraufhin meinen behandelnden Arzt, spezielle Blutwerte zu kontrollieren. Es fand sich dabei ein möglicher Hinweis auf Hashimoto. Im Anschluss folgte die Diagnose durch das Kompetenzzentrum.

Wie machen sich bei Ihnen die Symptome der Erkrankung und die damit verbundenen Beschwerden bemerkbar?
Ich habe abwechselnd Muskelschmerzen und Verspannungen im Nacken und Rücken, eine unerklärliche Müdigkeit trotz genügend Schlaf, Konzentrationsschwierigkeiten, Schwitzen in der Nacht und Übelkeit. Hinzu kommen Haarausfall, Frösteln, Heisshunger, diverse Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Schmerzen in den Beinen, Herzstolpern und Schwindelgefühle.

Wie gehen Sie mit Ihrer Erkrankung um?
Grundsätzlich bin ich froh, dass ich die Symptome einer Krankheit zuordnen kann. Ich beschäftige mich ausführlich mit Fachliteratur, um möglichst viel über die Krankheit zu erfahren. Zudem habe ich eine Fortbildung als Vitalstoffberaterin abgeschlossen. Ich weiss gut Bescheid, wie ich mein Immunsystem mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen unterstützen kann.

Weiter verwende ich Körperpflegeprodukte ohne schädliche Inhaltsstoffe, achte sehr auf eine naturbelassene Ernährung ohne Gluten, bewege mich regelmässig und sorge für ausreichend Entspannung. Stress versuche ich so gut es eben geht zu vermeiden.

Wie wirkt sich die Krankheit auf Ihr Berufs- und Privatleben aus?
Ich arbeite seit vielen Jahren in einem Teilzeitpensum. Hätte ich eine Vollzeitbeschäftigung, bliebe für das Privatleben kaum noch Energie. Zudem habe ich gelernt, Prioritäten zu setzen, und kenne meine Grenzen inzwischen recht gut.

Bedingt durch die nötigen und langen Erholungsphasen fehlt mir oft die Energie, all das zu unternehmen, was ich gerne möchte. Emotional schwierig wird es auch, wenn aus dem Nichts ein Krankheitsschub auftritt und mich lahmlegt. Solche Situationen machen mir schon zu schaffen und wecken auch existenzielle Zukunftsängste.

Bei der Therapie werden in erster Linie die Symptome bekämpft. Wie sieht das bei Ihnen aus?
Hashimoto ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem das körpereigene Schilddrüsengewebe nach und nach zerstört. Bei mir ist die Schilddrüse bis jetzt noch in der Lage, die notwendigen Hormone zu produzieren. Im Grossen und Ganzen geht es mir gut und ich bin zuversichtlich. Klar gibt es immer wieder mal schwierige Phasen.

Was meine Prognose betrifft, weiss ich aufgrund des ärztlichen Berichts, dass bei Abgleiten in eine hypothyreote Stoffwechsellage eine Hormonsubsitutionstherapie eingeleitet werden muss. Ich bin mir bewusst, dass die Krankheit nicht heilbar ist. Gerade deshalb wünschte ich mir, dass über die Ursachen dieser Krankheit mehr fundiertes Wissen vorhanden wäre. Der Fokus bei der Behandlung sollte meiner Meinung nach vermehrt auch auf das Immunsystem gerichtet werden.
Sie sind Vorstandsmitglied der Schilddrüsengruppe Schweiz.

Was wollen Sie hier bewirken?
Betroffenen Mut und Schilddrüsenerkrankungen bekannter machen, bei Ärzten und Patienten. Unter Betroffenen möchte ich den Austausch ermöglichen. Zudem geht es mir um neue Erkenntnisse in Forschung, Prävention und Therapie.