Geteiltes Leid ist bekanntlich halbes Leid: Das mag die Cousinen Gina (10) und Ayana (9) hie und da trösten. Bei beiden wurde vor rund zwei Jahren festgestellt, dass sie an Zöliakie erkrankt sind.

Mutter Chantal bemerkte bei ihrer Tochter Gina, dass die Kleine sich oft über Bauchweh beschwerte und stark an Gewicht verlor. In etwas abgeschwächter Form zeigten sich bei Ayana ähnliche Symptome.

Seit der gesicherten Diagnose Zöliakie gehört ein strenger Menüplan für die Kinder zum Alltag. «Ich finde es manchmal echt nicht so cool», beschreibt Gina ihr Gefühl, wenn sie mit Freundinnen zusammensitzt und weiss, dass sie im Gegensatz zu diesen nicht einfach alles essen darf.

«Kein Weltuntergang, aber eben blöd», lautet ein etwas weniger schlimmes Urteil von Ayana. Wenn eine Geburtstagsparty steigt, bringen die beiden das vorbereitete Essen von zu Hause meistens mit. So kann wenigstens nichts schiefgehen.

Bei stärker betroffenen Kindern wie Gina reichen schon Spuren von Gluten aus, um innerhalb von Minuten ein heftiges Bauchweh zu erzeugen

Immerhin: In Zürich, wo die beiden Cousinen zu Hause sind, stehen sie nicht alternativlos da. Ayana, die Hörnli mit Gehacktem als ihr Lieblingsmenü bezeichnet, muss darauf zwar verzichten.

«Aber es gibt zum Glück auch glutenfreie Hörnli in den Läden.» Noch einfacher hat es Gina. «Mein Lieblingsessen, Bohnen mit Cipollata, ist zum Glück glutenfrei.» Schokolade dürfen sie auch essen, weil sie nicht gleichzeitig unter einer Laktose-Empfindlichkeit leiden, die mit einer Zöliakie oft einhergeht.

Selbst auf Pizzas müssen die beiden nicht verzichten, weil es in Zürich einen Lieferanten gebe, der glutenfreie Pizzas anbiete. Und sogar Fondue kommt zu Hause manchmal auf den Tisch, natürlich nicht mit glutenfreiem Brot, weil das leicht zerbröseln würde. «Aber dann gibt es halt Fondue mit Kartoffeln.» Soll auch ganz gut schmecken.

«Gerste, Roggen, Hafer, Weizeneiweiss, Dinkel, Einkorn»: Im Schnellzugstempo zählen die beiden ein paar Produkte auf, die auf der Verbotsliste bei ihren Einkäufen stehen. «Wir wissen das auswendig.»

Sie kennen auch die Regale in einem nahe gelegenen Laden, wo die glutenfreien Lebensmittel konzentriert sind. Wenn es durchgestrichene Ähren hat, dürfen sie zugreifen.

Der Hinweis «kann Spuren von Gluten enthalten» braucht sie nicht zu beunruhigen, wie sie von den Eltern gelernt haben. Solche Hinweise machten die Produzenten vor allem, um sich abzusichern.

Vorsicht ist aber in Restaurants angesagt: Denn als glutenfrei angeschriebene Lebensmittel könnten sich dennoch als Problem erweisen, etwa, wenn ein Löffel verunreinigt ist. Bei stärker betroffenen Kindern wie Gina reichen schon Spuren von Gluten aus, um innerhalb von Minuten ein heftiges Bauchweh zu erzeugen.

Solche «Unfälle» – wie sie familienintern genannt werden – kommen aber zum Glück nur noch selten vor. Das liegt auch daran, dass die beiden Mädchen inzwischen bestens aufgeklärt sind.

Gina hat sogar einen eigenen Blog mit vielen Informationen, zum Beispiel über die richtigen Verhaltensweisen und Gefahrenherde, aber auch Hinweise auf Örtlichkeiten, wo man Glutenfreies erhält.

Bei allen Problemen, die sich im Alltag stellen: Die Mütter legen grossen Wert darauf, ihre Kinder möglichst normal aufwachsen zu lassen. Und die Kinder relativieren ihr gesundheitliches Handicap. Wie gesagt: «Kein Weltuntergang, aber eben blöd.»