Frau Born, welche Patientengeschichte verbirgt sich hinter Ihren Schmerzen?

Mit zwei Jahren traten bei mir die ersten Beinschmerzen auf. Auslöser dafür war meine starke X-Bein-Stellung, wie Ärzte herausfanden. Als ich zehn Jahre alt war, ging meine rechte Kniescheibe durch einen Skiunfall kaputt.

Fünf Jahre später wurde bei mir eine Arthrose diagnostiziert – für mein junges Alter war das schon sehr ungewöhnlich. Anfangs litt ich vor allem an Belastungsschmerzen. Seit 27 Jahren sind die Schmerzen jedoch chronisch, das heisst 24 Stunden am Tag.

Wie vielen Operationen mussten Sie sich schon unterziehen?

Mein rechtes Knie wurde insgesamt achtzehnmal operiert. Zur Schmerzbekämpfung liess ich mir zudem eine Medikamentenpumpe einbauen.

« Ich muss dauernd vorausplanen, gerade weil Entlastungspausen für mich sehr wichtig sind»

Ich hatte auch Eingriffe am Rücken.

Einer davon ging schief und beschädigte einen Nerv, weshalb ich seit circa siebzehn Jahren an neuropathischen Schmerzen beziehungsweise Phantomschmerzen leide. Dazu kommen chronifizierte Kopfschmerzen aufgrund von Verspannungen durch die Schmerzen.

Welche Medikamente müssen Sie einnehmen?

Seit 1998 verwende ich Morphin in Pflasterform. 2011 verschlechterte sich mein Zustand erneut, weshalb das Morphin nicht mehr wirkte. Letztes Jahr im Oktober bekam ich Cannabis verschrieben, das sehr effektiv war.

Es wirkt entzündungshemmend und hat viel weniger Nebenwirkungen als Morphin. Leider ist es kein Pflichtmedikament und meine Krankenkasse wollte nicht länger für die hohen Kosten aufkommen.

Welchen Einfluss haben die chronischen Schmerzen auf Ihr soziales Leben und Ihren Alltag?

Ich bin seit 1998 vollinvalide. In diesem Zeitraum habe ich meine Kinder alleine grossgezogen. Die ganzen Lebensumstände liessen meine Spontanität abhandenkommen.

Ich muss dauernd vorausplanen, gerade weil Entlastungspausen für mich sehr wichtig sind. Durch die chronischen Schmerzen geht bei mir viel Energie verloren, worunter letztlich auch mein soziales Leben leidet. Mein Schlaf ist gestört, der Appetit ist weg – das alles ist sehr kraftaufreibend.

Sind Sie aktuell in Therapie?

Ich bin seit Jahren in physiotherapeutischer Behandlung und gehe zu einem Schmerzspezialisten in Luzern. 2008 habe ich, angespornt von meiner tollen Physiotherapeutin, eine Schmerzhilfegruppe für Menschen mit chronischen Schmerzen aufgebaut.

Kann man sich an Schmerzen gewöhnen?

Bis zu einem gewissen Mass ja. Auf einer Schmerzskala von null bis zehn lagen meine Schmerzen lange zwischen fünf und sechs, womit ich relativ gut leben konnte.

Seit 2011 bin ich jedoch bei acht bis zehn angelangt, was nur schwer zu ertragen ist. Meine Familie und Freunde sind meine grosse Stütze. Ohne meine Kinder hätte ich schon lange aufgegeben.

Welchen Rat können Sie anderen Betroffenen geben?

Auf das Leben neugierig bleiben, Abwechslung in den Alltag bringen und gleich gesinnte Menschen suchen, mit denen man sich austauschen kann – wie etwa in einer Selbsthilfegruppe.

Ablenkung durch Dinge, die man gerne tut, ist die beste Medizin gegen chronische Schmerzen. Denn das seelische Wohlbefinden oder eben auch das Negativempfinden wirken sich direkt auf den Schmerz aus.