Ich bin seit meiner Geburt HIV-positiv, allerdings weiss ich davon erst seit meinem zwölften Lebensjahr. Meine Mutter starb an Aids, als ich drei Jahre alt war, und mein Vater hat mich alleine grossgezogen. Die Erkrankung  und die Todesursache meiner Mutter wurden totgeschwiegen. Während meiner Kindheit war ich in Behandlung  bei einem  Homöopathen und habe keine chemischen Medikamente genommen.

Ich lebe ein vollkommen normales Leben und habe keine Einschränkungen durch die Krankheit.

Dementsprechend war mein Immunsystem sehr anfällig und ich hatte in meiner Kindheit viele Infekte. Der Schock, als ich erfahren habe, an was meine Mutter gestorben ist und dass auch ich das Virus in mir trage, war anfänglich gross. Allerdings wusste ich im ersten Moment gar nicht richtig damit umzugehen und hatte ein sehr distanziertes Bild zu meiner Krankheit. Mit fehlte der Bezug dazu, denn ich habe mich ja nicht krank gefühlt.   Der grössere Schock war für mich vielmehr, dass man mir die Krankheit so lange verheimlicht hatte. HIV als Krankheit ist deshalb weniger im Mittelpunkt gestanden; vielmehr der Konflikt drumherum. Ein Thema wurde HIV erst beim Outing bei Freunden.

Ich hatte es nach und nach, auf jeweils unterschiedliche Weise meinen Freunden erzählt. Meiner besten Freundin hatte ich einen Brief geschrieben und ihr überreicht. Es war für mich damals sehr schwierig, ihr das direkt zu sagen. Viele Freunde haben nicht so recht gewusst, wie sie damit umgehen sollen, und es wurde viel hinter meinem Rücken getratscht. Ich habe sie über die Krankheit aufgeklärt, auch darüber, dass man sich nicht anstecken kann, wenn man etwa aus dem gleichen Glas trinkt.

Nach und nach wurde das Outing einfacher für mich. Ich bin mehrheitlich auf positive Reaktionen gestossen und habe nie Diskriminierung erfahren. Schwierig wurde es erst, als ich meinen ersten Freund kennenlernte. Es war nicht einfach für mich, eine Beziehung zu einem Mann aufzubauen, da ich Angst vor seiner Reaktion hatte, wenn ich ihm von meiner Erkrankung erzähle. Meinem ersten Freund hatte ich deshalb erst drei Monate nach unserem Kennenlernen davon berichtet.

Er war logischerweise entsprechend sauer, dass ich mich ihm nicht früher anvertraut hatte. Dennoch wurden wir ein Paar. Während der Beziehung wusste er jedoch oft nicht richtig, wie er mit meiner Erkrankung umgehen soll, und hatte Angst sich anzustecken. Ein zukünftiger Partner sollte deshalb idealerweise auch positiv sein oder mehr Initiative zeigen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Wie sich HIV auf mein heutiges Leben auswirkt?

Ich lebe ein vollkommen normales Leben und habe keine Einschränkungen durch die Krankheit. Dank den Medikamenten, die ich täglich nehme, bin ich heute nicht mehr ansteckend. Die Medikamente vertrage ich glücklicherweise sehr gut und habe keine Nebenwirkungen. Für die Zukunft wünsche ich mir, dass HIV auch für andere Menschen kein Thema mehr ist.  Nicht weil es sie nicht interessiert, sondern weil sie aufgeklärt sind, sich regelmässig testen lassen und deshalb keine Angst vor dem Virus haben müssen.