Seit Ihrem vierten Lebensjahr leiden Sie an Diabetes mellitus Typ 1. Wie wurde die Diagnose gestellt?

Ich hatte die typischen Symptome eines Diabetes  – viel Durst, häufiger Harndrang, leichte Grippesymptome und Gewichtsverlust. Meine Tante, die Krankenschwester ist, hatte meine Eltern damals darauf aufmerksam gemacht, dass hinter meinen Symptomen ein Diabetes stecken könnte. Nach einem Urin,- und Bluttest beim Kinderarzt war schnell klar: Ich habe Jugenddiabetes.

Wie haben Sie die darauffolgende Zeit erlebt?

Es war natürlich eine grosse Umstellung und ein gewaltiger Lernprozess, plötzlich Insulin spritzen zu müssen, ständig den Blutzucker zu messen  und auf Kohlenhydrate zu achten. Einfach ein Stück Kuchen essen, lag nicht mehr drin; ab sofort musste ich zuerst den Blutzucker messen, die Kohlenhydrate berechnen und dann entsprechend Insulin spritzen. Ziemlich viel für ein vierjähriges Kind. Auch für meine Eltern war es eine grosse Herausforderung, denn es braucht viel Zeit, Geduld und Disziplin, wenn man ein Kind mit Diabetes hat.

Nach einem Urin-, und Bluttest beim Kinderarzt war schnell klar: Ich habe Jugenddiabetes

Ich habe meine Kindheit, trotz meiner Krankheit, in sehr schöner Erinnerung und kann mich heute fast nur an Erlebnisse zurückerinnern, die nichts mit Diabetes zu tun haben. Ich deute dies als ein gutes Zeichen! Ich kann dem Diabetes sogar Positives abgewinnen: Ich habe sehr früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen, auf meinen Körper zu hören und diszipliniert zu leben. Diese Eigenschaften kommen mir heute auch im Sport zugute. Zudem war ich in der Schule immer spitze im Kopfrechnen. (Lacht)

Haben Sie jemals Einschränkungen durch den Diabetes erfahren?

Ich habe mich nie eingeschränkt gefühlt – auch nicht bei meiner Ernährung. Denn heute ist es ja so, dass man die Diabetestherapie der Ernährung anpasst, und nicht umgekehrt. Das heisst, dass man alles essen darf, jedoch entsprechend Insulin abgeben muss. Manchmal habe ich mir natürlich schon zweimal überlegt, ob ich das Stück Schoggi wirklich essen möchte; schliesslich bedeutet dies einen zusätzlichen «Pieks».

Ich habe aber auch früh gelernt, was ich alles essen darf, ohne einen «Pieks» zu machen: Würstli, Nüsse, Käse, Gemüse ... Die Liste an Lebensmitteln, die keine oder kaum Kohlenhydrate enthalten, ist lang. Heute achte ich auf eine ausgewogene Ernährung.

Vom anfänglichen Spritzen mit dem Pen sind Sie später auf  eine Insulinpumpe umgestiegen. Welche Vorteile hat die Pumpe für Sie?

Das Leben mit der Pumpe bedeutet ein Stück neugewonnene Freiheit und eine Verbesserung meiner Blutzuckerwerte. Die Pumpe gibt wie die Bauchspeicheldrüse rund um die Uhr kleine Mengen Insulin ab, um den Grundbedarf des Körpers zu decken. Das zu den Mahlzeiten zusätzlich benötigte Insulin kann ich einfach per Knopfdruck auslösen. Über einen dünnen Schlauch und eine Kanüle, die im Unterhautfettgewebe liegt, gelangt es in den Körper.

Diabetes und Leistungssport: Wie lässt sich das vereinbaren?

Das Wichtigste und gleichzeitig auch Schwierigste ist, dass ich während des Trainings und im Wettkampf gute Blutzuckerwerte habe.  Dazu messe ich vor dem Spiel bis zu acht Mal meinen Blutzucker. Probleme hatte ich mit der Vereinbarkeit von Diabetes und Leistungssport nie.

Welche Tipps haben Sie für andere Diabetes-Betroffene?

Wichtig ist, dass man – egal wie alt man bei der Diagnose ist – versuchen sollte, sein Leben möglichst normal weiterzuleben und vor allem seine Träume weiterzuverfolgen. Es bringt nichts, Selbstmitleid zu haben und sich zu verstecken, denn das Leben geht weiter. Wichtig ist, dass man den Diabetes «ernst» nimmt, um Spätfolgen zu vermeiden.