Angefangen hatte alles im Frühling 2013. Ich hatte ständig grossen Durst, musste häufig auf die Toilette und hatte Heisshungerattacken. Wenn ich dann nicht sofort etwas zu essen bekam, wurde ich richtig hässig. Trotzdem bin ich in dieser Zeit nicht mehr richtig gewachsen und habe sogar an Gewicht verloren. Meine Mutter hatte schon bald den Verdacht, dass ich an Diabetes leiden könnte.

Natürlich hatte ich in der ersten Zeit mit dem Diabetes immer wieder das Gefühl, dass ich das einzige Kind mit dieser Krankheit bin. Zum Glück besuchte ich aber schon kurz nach meiner Diagnose eines der regelmässigen Treffen des Vereins «Swiss Diabetes Kids». Da habe ich gesehen, dass es ganz viele Kinder mit Diabetes gibt, die alle ein normales Leben führen. Das hat mich beruhigt.

Diabetesjahrestag wird gefeiert

Bald ging es mir wieder viel besser, ich hatte grossen Appetit und rasch wieder an Gewicht zugelegt. Meine Blutzuckerwerte normalisierten sich und wir lernten, mit dem Diabetes zu leben. Zusätzlich profitierte ich auch vom sogenannten Honeymoon-Effekt: Nach der Erstbehandlung eines Diabetes Typ 1 nimmt der Körper in einigen Fällen die Insulinproduktion in beschränktem Mass und für eine gewisse Zeit wieder auf.

Ich habe in dieser Zeit nur sehr wenig zusätzliches Insulin gebraucht und konnte vieles essen, ohne Insulin spritzen zu müssen. Dieser Effekt hielt bei mir fast eineinhalb Jahre an. Meinen ersten Diabetesgeburtstag, genau ein Jahr nach der Diagnose, haben wir richtig gefeiert und einen Ausflug gemacht. Seither unternehmen wir am Diabetesjahrestag immer etwas Besonderes. Dank dem Diabetes kann ich also zweimal im Jahr Geburtstag feiern. Der Diabetes schränkt mich praktisch nicht ein und ich habe eine ganz normale Kindheit. Ich mache viel Sport, denn dieser wirkt sich positiv auf meine Werte aus.

Dank dem Diabetes habe ich schon früh gelernt, diszipliniert zu leben und Verantwortung für mich und meine Gesundheit zu übernehmen. Zudem kenne ich meinen Körper schon sehr gut und merke früh, wenn ich eine Unterzuckerung habe. Ist dies der Fall, esse ich einen Traubenzucker oder ein Gummibärli.

Seit einem halben Jahr muss ich kein Insulin mehr spritzen, sondern trage eine kleine Pumpe, welche ich direkt auf den Bauch klebe. Sie gibt über eine Kanüle regelmässig Insulin ab und zusätzliche Einheiten vor dem Essen kann ich ganz einfach über eine kleine Fernbedienung auslösen. So ist es heute auch gar kein Problem mehr, wenn in der Schule ein Geburtstag gefeiert wird und es Kuchen gibt.

Alle drei Monate muss ich zu meinem Diabetologen, um meine Langzeitwerte zu kontrollieren. Er ist für mich eine wichtige Person geworden und ich freue mich inzwischen schon fast, wenn der Termin wieder ansteht. Der Diabetes ist für mich wie ein Freund geworden, manchmal streite ich mich mit ihm und finde ihn mühsam, die meiste Zeit vertragen wir uns aber gut. Und mein Berufswunsch steht auch schon fest: Diabetologin!