«Das Zusammenleben mit meinem suchtgeplagten Sohn wurde immer schwieriger», erzählt Simone M. Daher wandte sich die 51-jährige an eine Beratungsstelle und schloss sich nach einigen Gesprächen mit einem der dortigen Psychologen einer Angehörigengruppe von Drogenerkrankten an. «Allmählich lernte ich, zwischen seiner und meiner Person zu trennen, und machte mein Wohlbefinden nicht mehr nur von meinem Sohn abhängig. Auch die Selbstzweifel, ob ich eine schlechte Mutter bin und versagt habe, wurden geringer.» Dass sich Familienangehörige mit den Süchtigen identifizieren und sich fragen, was sie falsch gemacht haben, geht oft mit vielen anderen Ängsten und Nöten einher, die den Alltag zur Qual machen.

Wann wird der Genuss zur Sucht?

Die Grenzen zwischen Genuss und Sucht sind fliessend. Während der Konsum von Heroin in der Schweiz zurückgegangen ist, verbreiten sich illegale Designerdrogen wie Kokain, Speed und MDMA rasant. Eine eindeutige Drogenszene wie früher auf dem Platzspitz gibt es nicht mehr. Zunehmend werden Drogen an Wochenenden auf Partys konsumiert, während man montags ganz regulär seiner Arbeit nachgeht. Dies wirft die Frage auf, ob ein periodischer «Wochenend-Konsument» bereits ein Abhängiger ist. Grundsätzlich kann in diesem Fall (noch) nicht von einer Abhängigkeit gesprochen werden, jedoch besteht das Risiko der Entwicklung einer Suchterkrankung. Denn der regelmässige Konsum kann zu einem Missbrauch und schlussendlich zu einer Abhängigkeit führen. Konsumiert man beispielsweise MDMA ausschliesslich auf Partys, ist die eigentliche Substanz vergleichsweise wenig suchterzeugend. Doch die Gewöhnung und unmittelbare Dosissteigerung bei regelmässigem Konsum können erhebliche Hirnschäden verursachen.

Verbote bringen nichts

Der Gesetzgeber versucht den Drogenhandel durch Verbote und Aufklärung zu regulieren, weshalb Herstellung, Verkauf und Konsum unkontrollierbar im Untergrund geschehen. »Verbote bringen nichts. Nur wenn Substanzen kontrolliert abgegeben werden, kennt man den Markt und weiss, welche Ware im Umlauf ist» so das Zürcher Beratungszentrum ada-zh zur Drogenpolitik in der Schweiz. Daher setzt es sich für eine legale Drogenabgabe ein und plädiert für einen staatlich kontrollierten Anbau und Handel.

Wie gehe ich mit der Sucht eines anderen um?

Dass jemand aus dem Umfeld ein Drogenproblem hat, erfahren viele Angehörige, wenn dieses sich bereits zur Suchtkrankheit entwickelt hat. Ebenso wie die Suchtkranken leiden auch die Verwandten und Freunde unter der Krankheit oder wissen nicht, wie sie damit umgehen oder dem Betroffenen helfen sollen. Doch mittlerweile werden auch für sie persönliche Beratungen, angeleitete Gesprächs- und Selbsthilfegruppen angeboten. Die Beteiligten finden dort einen Rahmen, der ihnen erlaubt, die eigenen Umstände zu hinterfragen, neue Lösungen zu finden und vor allem Kraft für den Alltag zu tanken.