Was ging in Ihnen vor, als Sie die Diagnose erhielten?

Nach einem MRI prognostizierte mir der Arzt, ich hätte im besten Fall noch einige Monate zu leben. Mein erster Gedanke war: Ich muss nach Hause, um das Testament zu schreiben. Sechs Tage später stellte sich heraus, dass der Tumor nicht so aggressiv war, wie angenommen.

Wie wirkt sich die Krankheit auf Ihren Alltag aus?

Ich fragte den Arzt gleich zu Beginn, ob ich im Sommer Motorrad fahren gehen könne. Als er zustimmte, war für mich klar, dass ich nicht bettlägerig sein werde. Ich arbeitete erst 50 Prozent, inzwischen noch 25 Prozent. Eine Einschränkung erlebe ich durch die nachlassende Kondition und Konzentrationsfähigkeit. Zudem muss ich mir täglich Medikamente injizieren.

Oft dauert es lange, bis ein neuroendokriner Tumor entdeckt wird. Wie war das bei Ihnen?

Von den ersten Beschwerden bis zur ­Diagnose vergingen vier bis fünf Jahre. Ich hatte zu Beginn Rücken-, Brustschmerzen und Durchfall. Man ist sicher logisch vorgegangen, um der Ursache auf den Grund zu gehen. Einzig zu bemängeln ist, dass das MRI nicht früher durchgeführt wurde. Vielleicht kann aber durch meine Krankheitsgeschichte und dem damit verbundenen Austausch unter den Ärzten anderen Betroffenen geholfen werden.

Wie hat Ihr Umfeld auf die Krankheit reagiert?

Meine Frau und mein Sohn waren zuerst geschockt. Ich erlebe aber vom gesamten Umfeld sehr viel Unterstützung und Mitgefühl. Meine Arbeitskollegen anerbieten sich zum Beispiel, mich nach Hause zu fahren, wenn ich im Geschäft Schmerzen bekomme. Dadurch, dass meine Krankheit selten ist, sind die Leute auch neugieriger und fragen nach Befinden, Auswirkungen und Zukunft.

Wie gehen Sie selbst damit um?

Ich akzeptiere die Krankheit. Seit der ­Diagnose lebe ich viel bewusster, geniesse jeden Tag. Ich freue mich über vieles, was vorher selbstverständlich war. Wenn ich mit dem Schicksal hadern würde, ginge viel zu viel Energie verloren.