Die Movember Foundation fordert jedes Jahr Männer auf, sich im November (Movember) einen Schnurrbart (Mo) wachsen zu lassen, um eine Diskussion zur Männergesundheit anzuregen sowie Gelder für Forschungsprogramme zu sammeln. Wir trafen den Mitbegründer JC zum Interview.

Mediaplanet: JC, Sie kommen ursprünglich aus der Medienbranche. Wie kamen Sie auf die Idee, die Movember Foundation zu gründen?  

JC: Alles begann im Jahr 2003. Wir vier Gründer sassen zusammen in einer Bar in Melbourne und sprachen über wiederkehrende Modetrends. Wir fragten uns, wohin eigentlich ‹der Schnurrbart verschwunden› sei, und scherzten darüber, ihn zurückzubringen (lacht). Meine beiden Freunde schafften es dann auch tatsächlich, ihre Kumpels dazu zu überreden, sich einen Mo wachsen zu lassen, und eine Kampagne zu Männergesundheit und Prostatakrebs zu starten. Daraufhin entwarfen sie dann Regeln und Richtlinien für Movember (die immer noch gültig sind) und verschickten Mails mit dem Titel «Are you man enough to be my man?». Tatsächlich fanden sich daraufhin 30 Männer beziehungsweise Mo Bros*, die bereit waren, die Herausforderung anzunehmen. Dies taten sie mit solch einer Begeisterung, dass wir das Konzept noch etwas überarbeiteten, um im Folgejahr erneut durchzustarten.

Gab es auch Kritiker?

Ja – Jeder (lacht)! Bis 2003 war es Männern in den meisten Unternehmen nicht einmal erlaubt, sich Bärte wachsen zu lassen. Aber das ist zeitgleich auch eine der grössten Stärken der Movember-Kampagne: Das eigene Erscheinungsbild zu verändern und dadurch gesellschaftliche Debatten anzuregen. Selbst die australische Prostatakrebs-Stiftung hielt unsere Idee anfangs für nonkonformistisch. Das änderte sich jedoch schnell, als sie einen Spendencheck von uns in den Händen hielten, der zudem die grösste Einzelspende enthielt, die sie in der gesamten Unternehmensgeschichte erhalten haben (lacht).

Wann wurde Movember so erfolgreich?

Das war Ende 2006. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits mehr als 56 000 Mo Bros and Sistas (deutsch Brüder und Schwestern), die an der Movember-Kampagne teilnahmen und mehr als 9,3 Millionen Dollar (9,1 Millionen Schweizer Franken) sammelten. Schnell kam die Idee auf, das Projekt auch international bekannt zu machen, und es breitete sich infolgedessen auch in Europa, den USA und Kanada aus. 2008 wanderte ich dann nach Grossbritannien aus, um von dort aus für Movember zu arbeiten.

Was ist denn die Grundidee von Movember?

Es geht darum, den Schnurrbart zurückzubringen, Spass zu haben und Gutes zu tun, insbesondere um den Blick auf Männergesundheit, im Speziellen Prostatakrebs, Hodenkrebs und psychische Gesundheit, ins Alltagsbewusstsein zu bringen. Der Schnurrbart ist unser Zeichen – unser Hilfsmittel, um Gespräche anzuregen und das Bewusstsein für Gesundheitsthemen zu schärfen, damit Männer gesünder und glücklicher leben. Dafür melden Mo Bros sich einfach auf unserer Website movember.com an und lassen sich im Monat «Movember» einen Schnurrbart wachsen. In dieser Zeit, in der sich das Gesicht verändert, avanciert es zeitgleich zur Werbetafel für Männergesundheit. Mo Sistas hingegen unterstützen die Kampagne, indem sie, innerhalb der Gemeinschaft, das Bewusstsein für die Gesundheit von Männern steigern und Spenden sammeln.

Wieso fokussieren Sie sich speziell auf Männergesundheit?

Im Durchschnitt überleben Frauen die Männer um sechs Jahre. Das hat viele Gründe. Unter anderem liegt es an dem fehlenden Bewusstsein von Männern gegenüber ihrem physischen und psychischen Wohlbefinden. Auch die tradierte Definition des Begriffs «Männlichkeit» weicht leider vom öffentlichen Umgang mit Männergesundheit ab. Männer entwickeln also die Angst, ihre Offenheit könne als Schwäche wahrgenommen werden. Es geht also um die Neudefinierung des «modernen Mannes». Diese Denkart versuchen wir zu ändern, indem wir dieses ernste Thema auf eine unkonventionelle Weise angehen. Mit dem Schnurrbart – dem Mo – als Katalysator möchten wir Veränderungen bewirken und Männern die Möglichkeit und das Selbstbewusstsein geben, offener über ihre Gesundheit zu sprechen, sich zu informieren, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen und diesen Handlungsakt als «männlich» zu definieren. Langfristig gesehen ist daher unser grösstes Ziel, das Leben von Männern auf der ganzen Welt zu verbessern.

Wie viele Spenden konnten Sie bisher sammeln?

Seit Beginn der Movember-Kampagne 2003 mehr als 490 Millionen Schweizer Franken weltweit. Seit wir 2012 in der Schweiz begonnen haben, kamen etwa 1,6 Millionen Schweizer Franken zusammen.

Wohin fliessen die Spenden?

Movember hat bereits mehr als 1000 Projekte finanziell unterstützt, die sich vor allem auf Prostata- und Hodenkrebs sowie psychische Erkrankungen konzentrieren. Insbesondere unterstützen wir innovative Forschungsprojekte, wie zum Beispiel in der Schweiz. Dort unterstützen wir die Entwicklung neuer Tests, die die Diagnose von Prostatakrebs erleichtern und die Ausbreitung der Krankheit besser charakterisieren sollen, damit die Heilungschancen erhöht werden können.