Herr Fornasier, wie hat sich Ihr Leben durch die Hightech-Hand verändert?

Die Hand stellt für mich ein grosses Stück Freiheit dar. Regelmässig zweihändig unterwegs zu sein, empfinde ich als Privileg. Über Mikrochips Griffmuster via Bluetooth zu steuern, sprich alltägliche Bewegungen mit rechts auszuführen, ist zwar spannend.

Doch hat mir die Handprothese primär geholfen, mich zu öffnen – mein Handicap nicht mehr zu verstecken und entspannt auf Leute zuzugehen. Ich denke, dies ist der grösste Mehrwert der Prothese: ein neues Selbstbewusstsein und Lebensgefühl.

Können Sie etwas genauer erklären, wie Ihre bionische Hand funktioniert?

Mittels einer Smartphone-App kann ich die Hand programmieren und aus 25 verschiedenen Bewegungsmöglichkeiten auswählen. Jeder Finger wird durch einen eigenständigen Minimotor angetrieben.

Zwei auf dem Armstumpf liegende Elektroden messen die elektrische Spannung an der Hautoberfläche, welche von der Muskelanspannung abhängig ist. Dabei benutze ich die Muskeln, die das Handgelenk bewegen.

«Die Reaktionen meiner Mitmenschen sind sehr positiv»

Die Prothese registriert diesen Muskelimpuls und setzt sich in Bewegung.

Die ganzen Abläufe wie Öffnen, Schliessen, Drehen, Pinzettengriff etc. benötigen viel Training und eiserne Disziplin. Denn es sind nur feine Unterschiede in der Anspannung des Arms, welche die Bewegung der Roboterhand steuern.

Werden Sie oft auf Ihre bionische Hand angesprochen?

Beeindruckt von der Feinmotorik der bionischen Hand, habe ich mich für ein durchsichtiges Design entschieden. So fällt die Prothese in der Öffentlichkeit auf.

Die Reaktionen meiner Mitmenschen sind sehr positiv. Kinder sind der festen Überzeugung, ich hätte Superkräfte. 

Wie helfen Sie als Botschafter Menschen mit dem gleichen Handicap?

Es ist mir ein persönliches Anliegen, den Bekanntheitsgrad dieser neuartigen Hilfsmittel zu steigern, um so viele Menschen mit dem gleichen Handicap zu erreichen und ihr Leben zu erleichtern. Ich möchte Tabus brechen sowie eine Brücke zwischen Menschen mit und ohne Handicap bauen.

Einen intensiven Austausch pflege ich im Rahmen einer Selbsthilfegruppe. Ich versuche, den Betroffenen Mut zu machen und aufzuzeigen, was heute auf dem Gebiet der medizinischen Robotik möglich ist.