Frau Burri, Sie werden auch «Schlangenfrau» oder «Frau ohne Knochen» genannt, da Sie Ihren Körper extrem verbiegen können. Tut das weh, was Sie da machen?

Ohne richtiges Eintrainieren wäre das tatsächlich sehr schmerzhaft. Auch auf meinem Level braucht es dazu noch eine intensive Trainingsvorbereitung.

Kann jeder Mensch diese Form von Akrobatik erlernen oder braucht es eine gewisse körperliche Veranlagung dazu?

Nur ganz wenige Menschen werden so «biegbar» geboren. Andere, wie ich, besitzen eine gewisse Begabung, müssen aber hart dafür trainieren. Ich glaube jedoch, dass jeder, der früh damit anfängt und regelmässig intensiv trainiert, sehr beweglich werden kann.

Sie selbst haben relativ spät – mit 30 Jahren – angefangen, die Kunst der Kontorsion zu erlernen. Wie kam es dazu?

Gerade deswegen habe ich auch ein sehr inniges Verhältnis zum Schmerz und zu meinem Körper entwickelt.

Ich war über zehn Jahre lang Profitänzerin und liebte schon immer die Akrobatik. Meine Beweglichkeit begleitet mich sozusagen von klein auf. Irgendwann verspürte ich den Wunsch, dieses Talent weiterzuentwickeln und zu einer Solonummer auszubauen.

Mein Verlangen nach einer Neuorientierung brachte mich dann nach China, wo ich in einer internationalen Schule ein halbes Jahr lang die Techniken der Kontorsion – die eigentlich vielmehr Spitzensport als Kunst ist – von Grund auf erlernte. Mit 30 Jahren war ich mit Abstand die Älteste von allen, ein Hindernis war dies jedoch nicht.

Haben Sie durch Ihren speziellen Beruf ein anderes Verhältnis zu Schmerzen als «normale» Leute?

Auf jeden Fall. Eine Bühnenshow abzusagen, weil es gerade irgendwo zwickt, das gibt es bei mir nicht. Ich analysiere aber jeden Schmerz gründlich. Es gibt Schmerzen, über die ich hinwegsehen kann, und andere, die ich sehr ernst nehme.

Ich habe gelernt, meine körperlichen Grenzen wie kein anderer zu kennen. Gerade deswegen habe ich auch ein sehr inniges Verhältnis zum Schmerz und zu meinem Körper entwickelt.

Haben Sie sich während eines Auftritts schon einmal verletzt?

Nein. Wahrscheinlich deshalb, weil während der Show alle meine Bewegungen sehr kontrolliert ablaufen. Ich hatte einmal eine spontane Knieverletzung, weswegen ich fast nicht gehen konnte. Die Verletzung hatte aber komischerweise keinen Einfluss auf das Training oder auf meine Verrenkungen auf der Bühne.
Wie bereiten Sie sich jeweils auf eine Show vor?

Die Vorbereitung dauert mindestens zwei Stunden. Idealerweise fange ich bereits drei Stunden vorher mit einem einfachen Warm-up an und gehe dann zu intensiveren Elementen über. Die Verrenkungen gelingen mir nur, wenn ich komplett warm bin. Deshalb trainiere ich auch immer direkt vor der Show.

Wie halten Sie sich ausserhalb des Trainings fit und gesund?

Neben meinem täglichen Training achte ich darauf, dass ich immer viel Wasser trinke, damit mein Körpergewebe gut hydriert und flexibel bleibt. Darüber hinaus mache ich Krafttraining und achte auf eine ausgewogene Ernährung.

Welche Gesundheits-Tipps können Sie anderen Leuten geben?

Den eigenen Körper kennenzulernen. Mit Yoga geht das übrigens sehr gut.

Wie und wo werden Sie die Ostertage verbringen?

Mir steht eine OP bevor. Da ich so gerne Schokolade nasche und nach dem Routineeingriff drei Wochen lang auf mein Training verzichten muss, wird diese Zeit zur grossen Herausforderung für mich (lacht).