Simon Ammann
zweifacher Doppel-OlympiaSieger Im skispringen,Schweizer Sportler des Jahres 2010
 

Simon Ammann, in wenigen Wochen beginnt die Weltcupsaison. Sie reisen viel umher. Da ist das Risiko, krank zu werden, gross. Wie schützen Sie sich?
Tatsächlich, ich habe im Flugzeug immer wieder stundenlang kranke Leute, um mich herum. Auch die trockene Luft in der Höhe ist ein Problem und lange Wartezeiten bei den Springen auch. Dabei ist es wichtig, gleich nach dem Springen warme Schuhe anzuziehen. Sonst geht viel Energie verloren.
 

 

Sie haben im Winter immer wieder Menschen in Ihrer Nähe, die erkältet sind. Wie gehen Sie damit um?
Ich ernähre mich sehr gesund, nehme Multivitamine und Zink zu mir. Zudem denke ich, dass man im Kopf bereit sein muss, sich mit den Bedingungen abzufinden, sonst kommt es nicht gut raus.
 

 

Haben Sie Ihren eigenen Koch dabei?
Nein, zu Hause bekocht mich meine Frau Yana und das tut sie sehr gut und sinnvoll. Das ist wichtig, schliesslich muss man jedes Training gut verdauen. Unterwegs esse ich im Hotel, was es da eben gibt.
 

 

Gibt es ein Schlüsselerlebnis, seit dem Sie auf die Ernährung achten?
Ich hatte zu Beginn der Saison 2008/09 eine heftige Stirnhöhlenentzündung. Seither informiere ich mich sehr bewusst. Ich weiss: Ich habe ein gutes Immunsystem und wenn ich keine Fehler mache, werde ich nicht krank.
 

 

Haben Sie bei den Reisen immer einen Arzt dabei?
Nein, da helfen uns die grossen Teams aus.
 

 

Welchen Tipp haben Sie für Wintersportler, um die kalte Jahreszeit gesund zu überstehen?
Eben: Schaut auf die Ernährung, denkt bewusst an die Gesundheit. Trinkt nicht zu viel Kaffee und Cola und esst oft etwas Warmes.
 

 

Lassen Sie sich impfen?
Manchmal gegen Grippe, aber nicht oft.
 

 

Worauf sind Sie allergisch?
Auf Kühe.
 

 

Wie bitte?
(lacht) Ja, ich kann es selber kaum glauben. Ich bin doch ein Kuh-Bueb, ein Bauernsohn!
 

 

Wie äussert sich die Allergie?
Wenn ich Kühen zu nahe komme oder sie gar anfasse, dann reagieren Augen und Nase.
 

 

Dann hoffen wir mal, dass es an den Olympischen Spielen in Sotschi keine Kühe hat! Was darf man in diesem Winter von Ihnen erwarten?
Der Saisonbeginn sagt noch nicht so viel aus. Ich baue gezielt bis zu Olympia auf. Dort will ich nochmals um die Medaillen mitspringen, wenn alles gut geht. Ein Olympiasieg kann ein Leben verändern.
 

 

Sie haben vier olympische Goldmedaillen gewonnen, Sie müssen doch keinem mehr was beweisen. Warum hören Sie nicht auf?
Weil ich meinen Sport liebe. Und weil ich immer noch heiss bin. Ich investiere zu viel, um einfach nur mitzuspringen. Ich arbeite sehr hart. Die letzte Saison will ich nicht so auf mir beruhen lassen.
 

Ich habe ein gutes Immunsystem und wenn ich keine Fehler mache, werde ich nicht krank.
 

Die letzte Saison war Ihre schlechteste seit acht Jahren. Wie blicken Sie mit ein wenig Distanz auf den verpatzten Winter zurück?
Naja, gegenüber den Männern im Ski alpin war ich nicht mal so schlecht (lacht). Spass beiseite: Mir ist die Energie ausgegangen. Ich war leer. Nachträglich bin ich froh, die Saison frühzeitig abgebrochen zu haben, um so schon die neue Saison vorbereiten zu können.
 

 

In den letzten Wochen hatten Sie mit Rückenproblemen zu kämpfen. Wie gehts?
Viel besser, ich habe pausiert und das hat geholfen. Die Spannung nach den Krafttrainings war immens, aber ich muss in diesen Einheiten hundert Prozent geben. Jetzt muss ich halt die Schwierigkeit meistern, trotz dieses Handicaps gut zu sein.
 

 

Unterhalten Sie sich mit anderen Skispringern in Ihrem Alter über die körperlichen Probleme und über mögliche Lösungen?
Kaum. Die Beschwerden stammen immer vom Krafttraining. Und das ist eines der am besten gehüteten Geheimnisse der Teams im Weltcup.
 

 

Wann treten Sie zurück?
Diese Saison springe ich noch.
 

 

Und dann?
Das weiss ich noch nicht. Mal schauen, wie die Saison läuft.
 

 

Hören Sie eher auf, wenn die Saison richtig gut war, oder eher dann, wenn das Jahr ganz mies verläuft?
Hmm... Das kann ich so nicht sagen. Ich arbeite nun seit drei Jahren auf die olympischen Spiele von Sotschi hin. Das wird sicher mein letzter grosser Höhepunkt.
 

 

Sie haben jetzt also einfach noch keine Lust auszuformulieren, dass Ihre Karriere nach dieser Saison vorbei ist?
Aufhören ist ein Prozess. Von manchen Schanzen habe ich mich schon mehrfach verabschiedet. Aber ich bin ein Wettkampftyp. Wenn die Resultate kommen, ist der Sport das Schönste. Aber irgendwann ist die Zeit, in der es grossartig läuft, vorbei.
 

 

Wer entscheidet, wann genug ist? Besprechen Sie das mit Ihren Nächsten?
Das entscheide ich ganz alleine. Ich habe sehr viel in den Sport investiert. Nur ich selbst kann nachvollziehen, wie viel das war und wann sich der Aufwand nicht mehr lohnt. Ich hinterfrage mich oft und denke viel nach.
 

 

Viel Erfolg und einen gesunden Winter!
Danke.