Vor einigen Wochen kam Frau R. in meine Praxis. Nach einem erholsamen Wochenende mit ihrem Partner war sie grundlos plötzlich sehr traurig geworden und musste ungewohnt heftig weinen. Sie verstand sich selbst und die Welt nicht mehr. Trotzdem ging sie zur Arbeit.

Als die Kollegen sie auf ihre Befindlichkeit ansprachen, flossen erneut viele Tränen. Frau R. verspürte eine tiefe Hilflosigkeit und Wut in sich aufsteigen. An Weiterarbeiten war nicht zu denken. Ihr Hausarzt diagnostizierte einen Zusammenbruch infolge Erschöpfung und schrieb sie zu 100 Prozent arbeitsunfähig.

Anamnese, Ressourcen

In den ersten Sitzungen führten wir eine sorgfältige Anamnese durch. Frau R. litt unter Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche und sie erwähnte Mangel an Eigenliebe sowie verminderte Sorgfaltspflicht sich selbst gegenüber. Sie hatte sich nach einer «anfänglich verstärkten idealistischen Begeisterung» mit den Aufgaben bei der Arbeit und im Privatleben übernommen. Dieses «Alles-immer-besser-machen-Wollen» wurde ihr irgendwann einfach zu viel.

Wir erforschten dann gemeinsam, was Frau R. guttut (Ressourcen). Sie ging früher sehr gerne zum Schwimmen, liebte es, sich in der Natur zu bewegen, und dekorierte mit Freude ihre Wohnung. In einem einige Wochen dauernden Prozess begann sie sich dieser Ressourcen bewusst zu werden und baute sie allmählich wieder in den Alltag ein. In ihrem Tagebuch hielt sie den Verlauf ihrer Genesung fest.

Gespräch, Körper- und Wahrnehmungsübungen

Das Berichten über ihre Sorgen hatte Frau R. emotional und mental bereits sehr entlastet. Parallel arbeiteten wir an ihrer körperlichen Verfassung. Bei der Fussbehandlung stiessen wir auf Energieblockaden. Das Element Erde half, erneut Halt zu finden, und das Ätherelement schaffte Freiräume. Frau R. entdeckte während der Behandlung, wie sich ihre Beine plötzlich schwer anfühlten oder wie die Waden durchblutet wurden. Sie war überrascht, wie sie ihren Körper langsam wieder besser zu spüren begann. So nahmen wir Polarity-Körperübungen für den Alltag hinzu, einfache, aber wirksame Dehnungs- und andere Übungen in Kombination mit der Atmung. Wahrnehmungsübungen unterstützten sie bei ihrer Abgrenzung.

Wiedereinstieg

Frau R. konnte nach einer Auszeit von drei Monaten wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. In Absprache mit dem Hausarzt erfolgte der Einstieg in schrittweiser Teilzeit-Beschäftigung. Diesen Erfolg verdankte sie nicht zuletzt ihrer Bereitschaft, bei sich selber genau hinzuschauen und Dinge zu ändern. Heute hat Frau R. ihre Lebenskraft wiedergefunden und geht dank dieser Erfahrung bewusster mit sich und ihrem Umfeld um.