Als Einzelkind bin ich in einer wohlbehüteten, sauberen, jedoch nicht sterilen Umgebung aufgewachsen. Ich besuchte eine Bauernhofspielgruppe, später ging ich regelmässig zum Reiten, Ausflüge in der Natur waren an der Tagesordnung.

Ich hatte Haustiere und gegessen habe ich von frühester Kindheit an so ziemlich alles. Meine Eltern sind beide keine Allergiker. Die besten Voraussetzungen also für ein allergiefreies Leben. Meine erste allergische Reaktion machte sich beim Schwimmunterricht bemerkbar. Nach jeder Unterrichtsstunde im Hallenbad hatte ich geschwollene, rote Augen, Hautausschlag und Schnupfen. Der Hautarzt stellte die sehr seltene Diagnose Chlorallergie.

Da ich keine grosse Wasserratte bin, konnte ich gut damit leben, dass ich ab sofort Hallenbäder meiden musste und vom Schwimmunterricht freigestellt wurde. Im Verlauf meiner weiteren Kindheit gesellte sich eine Milbenallergie hinzu. Mit den nötigen Vorkehrungen wie milbendichten Überzügen konnten wir diese aber gut in den Griff bekommen.

Dramatisch wurde es einige Jahre später; ich war vielleicht 16 oder 17 Jahre alt. Ich wollte mich für eine Party fertigmachen und wurde von einer Biene gestochen. Da ich bis anhin nie besonders stark auf Bienen- oder Wespenstiche reagiert hatte, dachte ich mir nichts dabei und wollte los.

Wegen meiner Allergien beschäftige ich mich intensiv mit meiner Ernährung und mit möglichen allergieauslösenden Nahrungsmitteln.

Plötzlich überkam mich das Gefühl, als ob meine inneren Organe anschwellen, immer stärker, bis auch der Hals davon betroffen war und ich starke Atemnot bekam. Hinzukamen Herzrasen, Bewusstseinsstörungen und Übelkeit. Der Notarzt verabreichte mir sofort eine Infusion und es stellte sich bald Besserung ein. Noch Tage später fühlte ich mich jedoch erschöpft und müde. Seither trage ich immer ein Set mit Notfallmedikamenten bei mir.

Interessanterweise konnte ich ab einem gewissen Alter wieder beschwerdefrei schwimmen gehen; die Chlorallergie hatte sich tatsächlich «ausgewachsen». Auch meine Milbenallergie war deutlich besser und ich brauchte keine speziellen Vorkehrungen mehr. Dafür kam eine weitere Allergie hinzu. Als ehemals begeisterte Reiterin wollte ich nach einer längeren Pause wieder damit beginnen.

Schon nach wenigen Minuten im Stall fingen meine Augen, Ohren, Nase und Hals an zu jucken und begannen anzuschwellen. Hinzukam wieder eine starke Atemnot sowie Übelkeit. Trotz sofortiger Einnahme meiner Medikamente hielt der Zustand für mich eine Ewigkeit an. Weder eine Desensibilisierung noch die Behandlung mit alternativen Methoden zeigten Besserung.

Ich mache seither einen grossen Bogen um Stall und Pferde. Im weiteren Verlauf zeigte sich, dass ich nun auch auf Katzen- und Hundehaare stark allergisch reagiere. Ein Zustand, der unangenehm ist, wenn ich auf Besuch bei Katzen- oder Hundehaltern bin. Mit Antihistaminika bessert sich zwar mein Zustand, doch überfällt mich in der Folge eine extrem starke Müdigkeit.

Auslöser Schwangerschaft?

Interessanterweise wurden meine Allergien durch jede meiner drei Schwangerschaften verstärkt oder es kamen neue hinzu. Nach meiner ersten Schwangerschaft zeigte sich neben der Tierhaarallergie nun auch eine verstärkte Reaktion auf Pollen. Den Heuschnupfen konnte ich aber mit einer Desensibilisierung gut in den Griff bekommen.

Seit meiner dritten Schwangerschaft vertrage ich keine Milchprodukte mehr. Ich reagierte mit starken Magenkrämpfen und einer bleiernen Müdigkeit. Ein Atemtest bestätigte es: Laktoseintoleranz. Seither verzichte ich weitgehend auf Milchprodukte.

Wegen meiner Allergien beschäftige ich mich intensiv mit meiner Ernährung und mit möglichen allergieauslösenden Nahrungsmitteln. Inzwischen sind Unverträglichkeiten in aller Munde und es gibt eine Vielzahl an Koch- und Fachbüchern dazu. Bestellt man heute in einem Restaurant laktose- oder glutenfreie Gerichte, wird man nicht mehr schräg angeschaut.

Ob meine Schwangerschaften nun tatsächlich die Allergien mitausgelöst haben, ist umstritten. Denn inwieweit die biologischen Veränderungen während einer Schwangerschaft das Auftreten und den Verlauf von Allergien beeinflussen, ist wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt. Möglich wäre auch, dass meine Allergien durch Stress begünstigt wurden. Tatsächlich ist erwiesen, dass sich bestimmte Immunprozesse bei Stress verstärken, so dass das Abwehrsystem auch gegen eigentlich Harmloses zu kämpfen beginnt. Der Spekulationsspielraum bezüglich möglicher Allergieauslöser ist jedenfalls sehr gross ...

Eingeschränkt fühle ich mich durch meine Allergien nicht. Besonders was Nahrungsmittel anbelangt haben wir das Glück, dass jeder Supermarkt inzwischen ein spezielles Sortiment für Allergiker anbietet. Und was meine Tierhaarallergie anbelangt, so hat es mir schon öfters dabei geholfen, den Haustierwunsch meiner Töchter auf Fische zu reduzieren.