Vor etwa 20 Jahren fing alles an. Ich war Mitte 30 und plötzlich waren da diese unwillkürlichen Bewegungen und schmerzhaften Krämpfe in den Beinen, die ich einfach nicht kontrollieren konnte. Tagsüber traten sie selten auf, doch gegen Abend und in der Nacht stiegen die Symptome immer stärker an und nahmen gegen Morgen wieder ab. Anfangs glaubte ich irgendetwas würde nicht mit mir stimmen, versuchte verzweifelt, die Symptome zu unterdrücken und zu ignorieren – vergeblich. Mit Scham suchte ich irgendwann meinen Hausarzt auf, erzählte ihm von den Krämpfen und der Müdigkeit, die mich Tag für Tag heimsuchten und sich mittlerweile schon nachteilig auf mein Berufsleben auswirkte. Er gab mir den Ratschlag, mehr Sport zu treiben – scheint ja auch ein sinnvoller Rat zu sein, der Müdigkeit mit Bewegung und frischer Luft entgegenzuwirken. Doch die Symptome verschlechterten sich. Daraufhin entschied ich mich dazu, noch mehr joggen zu gehen, um die Symptome zu verringern. Ich liebte das Joggen sehr, doch es war ein Teufelskreis, denn je intensiver ich mich sportlich betätigte, desto mehr verschlechterte sich mein gesundheitlicher Zustand. Die ungewollten Bewegungen des Restless-Leg-Syndroms traten in verstärkter Form auf und meine Tagesmüdigkeit raubte mir den Verstand.

Chronische Tagesmüdigkeit

Über Jahre hinweg litt ich unter chronischer Tagesmüdigkeit und suchte mehrere Ärzte auf, die meine Symptome nicht ernst nahmen. Ihre Diagnosen stellten sie anhand eines kurzen Fragenkatalogs, dessen Ergebnis auf der Anzahl meiner mit «Ja» oder «Nein» beantworteten Fragen basierte, anstatt auf einer ärztlichen Untersuchung. Aufgrund fünf gestellter Fragen entschied zum Beispiel ein Arzt, dass ich „nichts“ hätte. Es war mühsam, die Ärzte von meinen Symptomen zu überzeugen, ohne sie richtig beschreiben zu können. Jahrelang wusste ich nicht, was mit mir los ist. Meine körperlichen Beschwerden wurden also noch um die psychische Belastung der Ungewissheit ergänzt. Es war ein langer Weg, bis ich endlich einen guten Arzt fand, der die richtige Diagnose stellte, auch wenn diese eher zufällig zu Tage kam:

Beiläufige Diagnose

Erst vor fünf Jahren der Erkrankung suchte ich einen Neurologen auf, der mich wegen einer Schlafapnoe (Atemstillstand) in einem Schlaflabor unterbrachte und dort nahezu beiläufig die Restless-Leg-Erkrankung diagnostizierte, die mich jahrelang davon abhielt, in die Tiefschlafphase zu gelangen, ohne dass es mir selbst bewusst war, dass sich meine Beine über Stunden bewegten. Seitdem nehme ich Medikamente, die die Symptome unterdrücken. Obwohl es keine komplette Heilungschance gibt, bleiben die ungewollten Krämpfe und Bewegungen seither weitestgehend aus. Mittlerweile treibe ich sogar wieder regelmässig Sport und gehe drei Mal in der Woche schwimmen, um mich fit zu halten. Der Vorteil des Schwimmsports liegt besonders darin, dass eher die Arme, statt die Beine belastet werden. Zwar hat auch dieser Sport zu Anfang die Symptome der Erkrankung verstärkt, aber mithilfe der richtigen Medikamente hat sich langfristig alles zum Guten entwickelt. Menschen mit ähnlichen Symptomen würde ich empfehlen, einen Neurologen aufzusuchen und auf dem Weg zur richtigen Diagnose nicht aufzugeben, denn mein Leben hat sich nach der richtigen Diagnose um ein Vielfaches verbessert.

Die Qualität ist wieder da

Endlich habe ich wieder einen guten Tagesrhythmus; kann abends einschlafen und morgens wieder früh aufstehen, leide kaum mehr unter chronischer Tagesmüdigkeit und kann sogar endlich wieder Sport treiben. Mein Leben hat also deutlich an Qualität gewonnen und das wünsche ich jedem anderen Betroffenen auch.