Vor 13 Jahren sind Sie an schweren Depressionen erkrankt. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Ich hatte jahrelang an einem Filmprojekt namens «Swiss Paradise» gearbeitet und viel Zeit und Nerven investiert. Der Film sollte in den USA spielen und eine Art Fortsetzung der «Schweizermacher» werden. Mit der Zeit hatte ich gemerkt, dass sich das Projekt so nicht realisieren lässt. Diese Erkenntnis war ein Schock und als sich das Projekt dann endgültig zerschlug, fiel ich in eine schwere Depression.

Wie zeigte sie sich hauptsächlich?

Plötzlich war da diese lähmende Entscheidungsunfähigkeit, die es für mich unmöglich machte, kleinste Entscheidungen zu treffen. Hinzu kamen Angst, Panik und Gedanken, die völlig ausser Kontrolle geraten waren. Eine Negativspirale mit unglaublicher Kraft zog mich immer weiter in den Abgrund. Ein absolut grauenhafter Zustand aus völliger Hilf-, und Hoffnungslosigkeit.

Wann haben Sie realisiert, dass Sie nicht einfach überarbeitet, sondern schwer krank sind?

Tatsächlich dachte ich anfänglich, dass ich einfach überarbeitet bin und etwas Ruhe brauche. Doch mein Zustand wurde immer schlimmer. Glücklicherweise hat ein guter Freund die Schwere meiner Erkrankung realisiert und mich zu einem Psychiater geschickt. Dieser konfrontierte mich dann mit der Diagnose: schwere Depression. Da wurde mir der Ernst der Lage bewusst – ich hatte nicht nur ein Problem – ich war krank.

Sie haben dann einige Zeit eine ambulante Therapie gemacht, bevor Sie sich selbst in die psychiatrische Universitätsklinik Zürich einweisen liessen…

Trotz Medikamenten und Therapie verschlechterte sich mein Zustand zusehends. Ich war nun an einem Punkt angekommen, an dem meine Hoffnungslosigkeit so gross war, dass Suizidgedanken zu meinem Alltag gehörten. Anfänglich habe ich mich noch gegen einen Klinikaufenthalt gewehrt – zu gross war die Angst vor Stigmatisierung.

Was konkret liess Sie Ihre Meinung ändern?

Irgendwann war mir bewusst, dass es nur diesen Weg gibt, um zu überleben. Mein behandelnder Arzt in der PUK sagte mir damals: Ich verspreche Ihnen, Ihre Depression wird vorübergehen, wir wissen nur nicht, wann dies sein wird. Ich dachte an einen Aufenthalt von zwei, drei Wochen – es wurden drei Monate daraus.

Wie haben Sie die Zeit in der Klinik erlebt?

Anfangs war es ein einziger Kampf gegen meine inneren Widerstände. Ich konnte nicht reden und habe mich sowohl gegen die Gesprächstherapien als auch gegen Medikamente gewehrt. Mit Psychopharmaka vollgepumpt zu werden, war mir eine grausige Vorstellung. Heute weiss ich, dass eine schwere Depression ohne Psychopharmaka nicht behandelt werden kann. Um das biochemische Ungleichgewicht im Gehirn zu stabilisieren, braucht es eine medikamentöse Behandlung. Zusätzlich zu den Medikamenten begann ich eine Lithiumtherapie. Und siehe da, etwa drei Wochen nach Beginn der Therapie, verspürte ich wieder so etwas wie Lebenslust. Daneben begann ich mit einer Verhaltenstherapie, um Antworten auf konkrete Fragen in der Gegenwart zu finden.

Ging es ab diesem Moment wieder bergauf?

Mit langsamen, kleinen Schritten ging ich wieder auf das Leben zu. Die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, kam langsam zurück und ich spürte eine wiedergewonnene Lebenskraft.  Schon bald begann ich mein Buch «Swiss Paradise» zu schreiben – nicht zu therapeutischen Zwecken, sondern um meinen Freunden zu erzählen, was mit mir passiert ist. Denn eine psychische Erkrankung zu verstehen, ist für Aussenstehende sehr schwer.

Inwieweit hat sich Ihr Leben seit der Depression verändert?

Meine Depression dauerte genau sechs Monate. Der Fall war tief und der Weg zurück ins Leben steinig. Doch er hat sich gelohnt – denn seit meiner Genesung erlebe ich eine innere Ruhe und Gelassenheit, wie ich sie noch nie in meinem Leben verspürt habe. Ich habe mein inneres Gleichgewicht gefunden und stehe mit beiden Beinen auf der Erde. Früher habe ich Entscheidungen gerne herausgeschoben. Heute lasse ich nichts mehr anstehen – privat wie beruflich. Ich lebe sehr bewusst in der Gegenwart und habe ein Sensorium entwickelt, das mir ermöglicht, mich, meinen Körper und meine Psyche besser wahrzunehmen. Dadurch hatte ich auch nie die Angst vor einem Rückfall.