«Ich habe immer gedacht, wenn man sich nur richtig zusammenreisst, geht alles gut», blickt Josuran zurück. Dann aber hat sein Körper nicht mehr mitgemacht. So oder ähnlich würden viele Burnout-Geschichten anfangen, sagt er – auch seine. Heute weiss Josuran: Es gibt tausende hoch motivierter Menschen, die einen solchen Crash erleben. Und er weiss auch, dass es insbesondere Frauen und Männer trifft, die aktiv, engagiert und einfühlsam an ihre Aufgaben herangehen.

Die richtigen Impulse und Signale

Ruedi Josuran arbeitet heute beim BGM Forum Schweiz, das sich für das betriebliche Gesundheitsmanagement für Unternehmen und für Einzelpersonen engagiert. Dabei kann er als einst direkt Betroffener seine Erfahrungen und Kenntnisse gezielt einfliessen lassen. «Wir beschäftigen uns stets mit der Frage, was uns gesund hält, und zielen darauf ab, Menschen zu ressourcen- und lösungsorientierten Schritten zu bewegen, mit den richtigen Impulsen und Signalen zum richtigen Zeitpunkt», hält er fest. Es gebe viele Faktoren, die den Arbeitsplatz zur «toxischen Falle» machen können, betont Josuran: Eine zu grosse Arbeitsmenge, zu komplexe Aufgaben, nicht klar definierte Verantwortungsbereiche, wenig Handlungsspielraum, Angst vor Arbeitsplatzverlust, Konkurrenzdruck und keine, beziehungsweise negative Rückmeldungen zur erbrachten Leistung im Job.

Wende zu mehr Sinn

Josuran hat einen langen Weg aus der Krise zurückgelegt – und es geschafft. Bei einem Burnout würden Menschen die Fähigkeit verlieren, Aufgaben koordiniert zu planen und stufenweise anzugehen, sagt er. «Sie können nicht mehr abschalten und müssen auch in der Freizeit oder in schlaflosen Nächten ständig an den Beruf denken.» Am Ende steht dann oft blanke Hoffnungslosigkeit. Gerade deswegen will er Menschen Mut machen. «Eine Krise während eines Burnouts kann auch eine Chance sein», weiss Josuran unterdessen. Bei ihm hat sie zu einem Neuanfang geführt und seinem Leben eine Wende zu mehr Sinn gegeben.