Welches sind die grössten Herausforderungen, mit denen die medizintechnische Forschung und Entwicklung aktuell konfrontiert ist?
Am meisten beschäftigt uns derzeit die Frage, wie Innovationen überhaupt aufrecht erhalten werden können. Echte Innovationen brauchen Zeit, aber im Fokus stehen leider immer häufiger kurzfristige Aktivitäten und Einsparpotenziale. Wenn beispielsweise Assistenzärzte heute nur noch 50 Stunden pro Woche arbeiten dürfen, werden Forschungsprojekte, die bis anhin in Universitätskliniken angesiedelt waren, vermehrt ausgelagert an technische Universitäten oder Fachhochschulen. Das bewährte Dreieck «Klinik–Forschung–Industrie» bricht auseinander und damit auch der direkte Kontakt zum Patienten. Erschwerend kommt hinzu: die Einführung von Innovationen muss geschult werden. Diese Weiterbildung wurde lange Zeit massgeblich von der Industrie mitfinanziert. Strengere Compliance-Vorschriften führen dazu, dass diese Mittel spärlicher fliessen und die Lehraufträge der Universitätskliniken gefährden, die so international weniger konkurrenzfähig werden. Eine Entwicklung zum Nachteil der Patienten.

Die Politik neigt dazu, der Forschung immer mehr Regulierungen aufzubürden. Inwiefern erschwert dies Ihre Arbeit?
Die Entwicklung, Herstellung und Anwendung von medizintechnischen Produkten unterliegt strengen Regulierungen und Vorschriften. Das ist auch gut so, denn die Sicherheit und der Schutz von Patienten müssen immer im Vordergrund stehen. Wenig hilfreich finde ich die Ausgliederung der Verantwortung hin zu Vorschriften, Kontrollen und Prozesse die – wenn überhaupt – nur noch von Anwälten verstanden werden. Es ist fraglich, ob dadurch ein Produkt sicherer wird. Risiken zu erkennen und Lösungen dafür zu finden, darum geht es doch. Daher plädiere ich für mehr Miteinander statt Gegeneinander: Angesprochen sind Kliniken, Forschende, Ethik-Kommissionen und zuständige Behörden.

Forschung kostet Geld und im Gesundheitswesen wird immer mehr gespart. Wie attraktiv ist die Schweiz noch in diesem Zusammenhang?
Ist Gesundheit noch finanzierbar Ohne Innovation? Ein Beispiel: In Europa erleiden jährlich 790 000 Patienten eine Oberschenkelfraktur. Im Jahr 1950 lag ein Patient bei einer konservativen Behandlung 120 Tage im Spital. Die Teil-Invaliditätsrate lag bei 60 Prozent. Ohne medizinischen Fortschritt entständen in Europa, bei einer durchschnittlichen Spital-Tagespauschale von CHF 1000 jährliche Kosten von CHF 95 Milliarden. Heute liegen diese Patienten noch 10 bis 15 Tage im Spital. Es werden also – nur für diese Therapie – pro Tag europaweit CHF 790 Millionen eingespart! Zusammengefasst: Die Menschen werden also nicht älter, sondern sie bleiben dank innovativer Medizintechnik länger jung und mobil.