Brustkrebs ist für Frauen in der westlichen Welt die häufigste und tödlichste Krebsform. Um effizient dagegen vorzugehen, ist vor allem der Zeitfaktor wichtig. Je schneller der Brustkrebs erkannt und als gut- oder bösartig eingestuft wird, desto rascher und gezielter kann er mit Operationen und Therapien bekämpft werden.

Frau PD Dr. med. Zsuzsanna Varga ist Pathologin und Oberärztin Institut für Klinische Pathologie am Universitätsspitals Zürich. Sie kommt dann zum Einsatz, wenn ein Befund eine histopathologische Analyse des Gewebes nötig macht. Und dann drängt die Zeit. «Wenn einer Patientin am Vormittag Gewebe entnommen wird, können wir den behandelnden Ärzten innerhalb von fünf bis sechs Stunden eine erste Diagnose übermitteln», erklärt Zsuzsanna Varga. «Die Patientin kann daher über ihren Brustbefund noch am gleichen Abend informiert werden. Wurde Brustkrebs oder eine Vorstufe erkannt, lassen sich Zusatzparameter wie die Hormonrezeptoren und der Her2-Status nachträglich bestimmen. Diese liegen nach spätestens zwei Tagen vor und daraus können gezielte Massnahmen abgeleitet werden.»

Vor und nach der Operation

Bereits vor der operativen Entfernung
eines Brustkrebses lassen sich viele Informationen zusammentragen. «Entscheidend sind rasche Erkenntnisse über die Gut- oder Bösartigkeit oder über allfällige Vorstufen des Brustkrebses», erklärt Zsuzsanna Varga. Diese Befunde der pathologischen Diagnose müssen absolut zuverlässig sein. «Nicht nur die Operation, auch die anschliessenden Bestrahlungen, Chemotherapie oder andere Behandlungen basieren auf unseren Befunden.» Gemäss der Oberärztin arbeitet die präoperative Diagnostik schon heute sehr speditiv. «Allerdings machen das nicht alle Pathologen», betont Frau Varga. «Brustpathologie braucht sehr viel Erfahrung und Weiterbildung.»

Sobald die Patientin operiert wurde, analysiert die Pathologin das entnommene Präparat. Die Diagnose am Operationspräparat soll gemäss den Richtlinien der Brustzentren innerhalb von fünf Arbeitstagen vorliegen. In diesem Zeitraum müssen die teils mehrere Zentimeter grossen Stücke minutiös untersucht werden. «Diese Diagnose ist wiederum entscheidend für eine exakte Planung des weiteren Vorgehens», sagt Zsuzsanna Varga. «Zudem können wir bei dieser Gelegenheit weitere Faktoren prüfen, welche unmittelbaren Einfluss auf die postoperative Therapie haben.»

Die Zukunft

Alle Verbesserungen in der Brustkrebsdiagnostik sollen schnelleres genauere Resultate liefern und gezieltere Behandlungen ermöglichen. Dazu muss Brustpathologie den international standardisierten und anerkannten Kriterien entsprechen, wie es in der Schweiz schon seit vielen Jahren der Fall ist.

Die Informationen aus entnommenem Brustgewebe werden in Forschungsprojekten analysiert und tragen so dazu bei, neue Faktoren für die Prognose zu identifizieren. «Auch deshalb arbeiten Pathologen heute intensiv mit Gynäkologen und Onkologen zusammen. Da gibt es viele Synergien zu nutzen, in der Diagnose wie auch in der Forschung. Schliesslich behandeln wir alle dieselbe Patientin. Und genau dieser Patientin dient eine hochstehende Diagnostik enorm», sagt Dr. Zsuzsanna Varga.