Um was handelt es sich genau beim EPDG und welche Ziele verfolgt es?

Ärzte, Spitäler oder Apotheken sollten wichtige Patienteninformationen in Zukunft nicht mehr per Fax oder Post austauschen, sondern elektronisch auf einer sicheren Plattform hinterlegen.

Die medizinischen Daten können so von den Patienten und ihren Behandelnden eingesehen werden, wobei die Patienten entscheiden, wer darauf Zugriff hat. Ziel ist es, die Kommunikation und die Behandlungsabläufe im Gesundheitswesen zu verbessern, um die Patientensicherheit und die Versorgungsqualität zu erhöhen.

Das Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier legt die rechtlichen Voraussetzungen fest, unter denen die im elektronischen Patientendossier enthaltenen medizinischen Daten bearbeitet werden können.

Welche Akteure sind an der Einführung des elektronischen Patientendossiers beteiligt?

Im Zentrum steht der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses zwischen den Patienten beziehungsweise der Bevölkerung und den behandelnden medizinischen Fachpersonen.

Die Schweizer Spitäler sind verpflichtet, nach einer Übergangsfrist von drei Jahren an der Vernetzung teilzunehmen, die Pflegeheime nach fünf Jahren. Für alle ambulanten Leistungserbringer bleibt die Teilnahme freiwillig. Neben diesen Hauptbeteiligten und ihren technischen Anbietern gibt es noch die politische Seite: Der Bund ist dabei, das Bundesgesetz zu finalisieren, das nächsten Frühling in Kraft treten soll.

Die Kantone als Zuständige für die Gesundheitsversorgung kümmern sich um die dezentrale Umsetzung des elektronischen Patientendossiers in ihren Versorgungsregionen.

Wo stehen die einzelnen Kantone aktuell bei der Umsetzung?

Genf ist einer der Kantone, die schon länger an der Umsetzung arbeiten. Mit seinem Projekt «Mon dossier médical» befindet sich der Kanton eigentlich bereits in der Implementationsphase. Mit Ausnahme von einigen kleineren Kantonen machen sich alle Gedanken über die Umsetzung.

Es wird einerseits kantonsinterne sogenannte «Gemeinschaften» geben, in denen sich Gesundheitspersonen zu einer Einheit zusammenschliessen und gemeinsam das Patientendossier für ihre Region machen. In der Romandie oder der Zentralschweiz sind zudem kantonsübergreifende «Gemeinschaften» denkbar. Und grössere Regionen wie Zürich geben Signale, dass sich andere Kantone ihnen anschliessen können.

Welches sind die grössten Herausforderungen bei der Umsetzung des EPDG? 

Die dezentrale Umsetzung ist eine Chance, weil nicht alle Versorgungsregionen gleich schnell vorankommen müssen. Da es sich nicht um ein simultanes nationales Grossprojekt handelt, kann man sehr flexibel und modular damit umgehen.

Dieser Vorteil ist aber auch eine grosse Herausforderung, da die dezentrale Umsetzung eine gute nationale Koordination verlangt. Weitere Herausforderungen sind die technische Integration in die vorhandenen Systeme oder die Finanzierung der «Gemeinschaften», die noch nicht in allen Regionen vollends geklärt ist.

Auch die Information und Vorbereitung der Bevölkerung ist eine grosse Aufgabe. Die Bürgerinnen und Bürger sollen sich ein Bild über den Mehrwert des elektronischen Patientendossiers machen können und letztlich selbst entscheiden, ob sie eines eröffnen wollen.