Thomas Bachofner, CEO von Swisscom Health, über Herausforderungen und Nutzen dieses Wandels.   

Thomas Bachofner, wo steht die Schweiz im Bereich E-Health?

Im internationalen Vergleich sind wir im Mittelfeld platziert, was die Digitalisierung des Gesundheitswesens betrifft. Das föderalistische System der Schweiz macht eine rasche Verbreitung von E-Health schwieriger als in eher zentralistisch organisierten Staaten wie etwa Estland, das oft als E-Health-Pionier beschrieben wird. Doch auch hierzulande wird E-Health zunehmend als Mehrwert gesehen. Die vom Bund beschlossene Einführung des elektronischen Patientendossiers wirkt dabei als Katalysator.

Wo sehen Sie die grössten Chancen der Digitalisierung im Gesundheitswesen?

Auf den vier Ebenen Effizienz, Kosten, Qualität und Transparenz. Prozesse bei den Leistungserbringern und zwischen diesen werden durch die Digitalisierung vereinfacht und damit effizienter. Das ermöglicht es, Kosten zu senken und Erträge zu steigern. Gleichzeitig wird die Behandlungsqualität erhöht, weil relevante Informationen zur rechten Zeit an entscheidender Stelle verfügbar sind. Und schliesslich erhöht sich die Transparenz zu medizinischen und administrativen Abläufen – und zwar erstmals auch für den Patienten.

 

Wo liegen Herausforderungen und Risiken?

In Arztpraxen, Spitälern und Heimen steht heute eine Vielzahl von Systemen im Einsatz. Diese heterogene Landschaft zu einem Ökosystem zusammenzuschliessen, in dem sich Daten einfach austauschen lassen, ist die eine grosse Herausforderung. Da sind eine gewisse Standardisierung und ein Denken in grossflächigen Versorgungsregionen gefragt. Die zweite grosse Herausforderung ist der Datenschutz. Dieser muss jederzeit gemäss den gesetzlichen Bestimmungen gewährleistet sein. Zusätzliche Restriktionen könnten jedoch zu Barrieren für eine breite Adaption von E-Health werden.

 

Was sagen Sie zur Einführung des elektronischen Patientendossiers?

Sie ist ein wichtiger Schritt, der die Dynamik in der Digitalisierung des Gesundheitswesens bedeutend steigert. Die gesetzlich verankerte doppelte Freiwilligkeit ist aber eine Herausforderung für den Erfolg des EPD. Ambulante Leistungserbringer wie Hausärzte und Therapeuten sind ja von der Pflicht ausgenommen, ein EPD anbieten zu müssen. Daher ist es entscheidend, dass die verschiedenen Anbieter rund um die Umsetzung des EPD an einem Strick ziehen und die Attraktivität sowohl für ambulante Leistungserbringer wie für die Schweizer Bevölkerung maximieren.

 

Wie wird sich das Gesundheitssystem Ihrer Meinung nach in den nächsten Jahren verändern?

Die Kosten für unsere Gesundheitsversorgung dürften weiter steigen. Das wird den Druck erhöhen, Anpassungen im System vorzunehmen und nicht zuletzt die Effizienz zu erhöhen – unter anderem mit E-Health. In der Prävention tut sich da einiges, zum Beispiel im betrieblichen Gesundheitsmanagement oder mit Fitness-Apps. Und auch bei der Behandlung chronisch kranker Menschen sehen wir heute schon vielversprechende Ansätze, die in den kommenden Jahren weiter verbessert werden. Das Ziel muss dabei mehr Lebensqualität für die Betroffenen bei tieferen Kosten für die Allgemeinheit sein.

Welche Rolle wird der Patient längerfristig übernehmen müssen?

Der Patient wird auch in der Medizin noch stärker ins Zentrum aller Bemühungen rücken und mehr Verantwortung übernehmen können. Mit dem EPD wird er Herr über seine Gesundheitsdaten. Die Digitalisierung ermöglicht es ihm darüber hinaus, seine Gesundheit, aber auch seine Therapie und Genesung aktiv mitzugestalten. Er erhält damit die Möglichkeit, die von ihm verursachten Gesundheitskosten selber zu beeinflussen.

 

Worauf sollte ich als Patient schon heute besonders achten?

Entscheidend scheint mir, dass ich mich als Bürger und Patient verantwortungsvoll verhalte. Das fängt bei mir und meinem Körper an, für dessen Gesundheit ich Verantwortung trage. Das betrifft aber auch meine Haltung, wenn ich medizinische Leistungen in Anspruch nehme. Fordere ich dabei von den Fachleuten Effizienz und Transparenz ein, kann ich einen Beitrag zu einem besseren und günstigeren Gesundheitswesen leisten.