«Die Digitalisierung wird das Gesundheitssystem stark verändern und E-Health wird sich im Gesundheitswesen flächendeckend durchsetzen», ist Urs Stromer, Präsident der Interessengemeinschaft E-Health überzeugt.

E-Health ist schon heute in aller Munde und wird in Zukunft eine grosse Rolle für die Patienten und das Gesundheitssystem spielen. Dabei bezeichnet E-Health die elektronische Unterstützung der Behandlungsprozesse und der Informationsverarbeitung in der medizinischen Versorgung.

Schon heute nutzen immer mehr Menschen ihre Smartphones und Tablets auch für Fitness- oder Gesundheitsanwendungen. Mit sogenannten Wearables in Form von Fitnessarmbändern kann man sich stets über relevante Parameter der Fitness informieren. Auch Waagen, digitale Blutdruck- und Blutzuckermessgeräte speisen heute schon Daten, welche die Gesundheit betreffen, automatisch in Dossiers ein.

«Die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung wird dadurch in Zukunft weiter steigen. Wir stehen hier erst am Anfang», so Stromer. Der E-Health-Markt wird sich in nächster Zeit also stark weiterentwickeln und neue integrierte Lösungen werden dazu beitragen, dass wir für bestimmte Untersuchungen in Zukunft keinen Arzt mehr aufsuchen müssen.

«Die mobilen Anwendungen versprechen einerseits eine qualitative Verbesserung der Information zur optimalen medizinischen Versorgung, andererseits bieten Plattformen die Daten zum Patienten gesammelt an einem Ort an, was Kosten verringern wird», betont Stromer.

So kann etwa ein Diagnosebild oder ein kürzlich erhaltener Untersuchungsbericht schon heute mit dem Patientendossier weiteren Behandelnden zugänglich gemacht werden oder ein Bild mit dem Smartphone, das von einem Arzt über Distanz befundet wird, einen Arztbesuch einsparen.
 

Elektronisches Patientendossier: Daten jederzeit verfügbar

Ein Bereich von E-Health ist das elektronische Patientendossier, dem sich aufgrund des neuen Gesetzes Spitäler bis 2020 anschliessen müssen. «Das elektronische Patientendossier enthält behandlungsrelevante Informationen wie etwa den Austrittsbericht des Spitals, Röntgenbilder, die aktuelle Medikation, Impfungen und Laborwerte», erklärt Urs Stromer.

Gleichzeitig können die Patienten auch eigene Gesundheitsinformationen wie ihre Blutdruckwerte oder eine Patientenverfügung in das elektronische Patientendossier speichern. Die Vorteile des elektronischen Patientendossiers liegen auf der Hand: alle Behandelnden können auf aktuelle 
Daten von Spitälern und Kollegen zugreifen und alle können mit denselben Daten arbeiten.

«Wenn relevante Daten jederzeit zur Verfügung stehen, steigen die Patientensicherheit und die Behandlungsqualität», so Stromer. Damit sollten etwa teure Mehrfachuntersuchungen, die es aufgrund mangelnder Kommunikation zwischen Behandelnden geben kann, der Vergangenheit angehören.
 

Und wie steht es um die Datensicherheit?  

«Dank der Datenhoheit verfügt der Patient über alle seine Gesundheitsdaten und bestimmt, wer ein Zugriffsrecht erhält.»

Obschon die Chancen, die das elektronische Patientendossier mit sich bringt, überwiegen, ergeben sich auch Herausforderungen. Dazu Urs Stromer: «Ich sehe eine Herausforderung in der entstehenden Informationsflut und der mangelnden Standardisierung der Begriffe.

Mit dem Dossier stehen viel mehr Informationen zur Verfügung, was zwar positiv ist, jedoch auch zu einer Überinformation führen kann. Viele Berichte sind heute nicht strukturiert und lassen sich so auch nicht automatisiert zusammenfassen.

Die Begrifflichkeiten müssen für alle die gleiche Bedeutung haben, um Fehlinterpretationen zu verhindern.» Zudem wird die Integration in die proprietären Informatiksysteme eine grosse Aufgabe darstellen. Dennoch ist Urs Stromer überzeugt: «In ein paar Jahren können wir uns nicht mehr vorstellen, wie es ohne elektronisches Patientendossier war.»