Beispielsweise ist die aktuelle Bedeutung von Telemedizin nicht vergleichbar mit den sogenannten disruptiven Auswirkungen, die in andern Wirtschaftszweigen beobachtet werden, wie etwa das Auftreten von Uber im Taxibereich.

Begonnen hat der Einsatz von Informatik in den Spitälern vor mehr als drei Jahrzehnten im administrativen Bereich, in der biomedizinischen Technik, den Forschungsabteilungen und den klinischen Laboratorien.

«Telemedizin und -monitoring gewinnen etwas an Bedeutung»

In den 90er Jahren begannen die grösseren Spitäler mit dem Aufbau von Klinikinformationssystemen, um damit die Dokumentation zu unterstützen. Laborbefunde, Überweisungsberichte oder Röntgenbilder sollten nicht mehr als Unikate in Papierform in einer Mappe geführt werden, sondern auf vernetzten Computern verfügbar sein, für jede berechtigte Person, jederzeit und an jedem Arbeitsplatz.

Die zuverlässige Verfügbarkeit der digitalen Patientenakten verbesserte die Effizienz und Qualität der Behandlung. Situationen mit unauffindbaren Laborresultaten oder verlegten Röntgenbildern waren nun nicht mehr alltägliche Ärgernisse.

Zunehmend wurden spitalintern auch Kommunikationsprozesse digitalisiert. Aufträge für Labor- oder Radiologieuntersuchungen, Termine, Medikation und weitere pflegerische Massnahmen oder Berichte von Spezialabklärungen werden dabei elektronisch kommuniziert. An Bedeutung gewinnen Funktionen zur klinischen Entscheidungsunterstützung und Auswertungssysteme zur Qualitätssicherung oder Prozesssteuerung und Planung.

Weniger weit fortgeschritten als in der stationären Patientenbetreuung ist der Einsatz von Informatikmitteln im ambulanten Bereich. Patientendossiers werden insbesondere bei Gruppenpraxen vermehrt digital geführt, aber heute dominiert in den Arztpraxen noch die Papierakte.

Beim zwischenbetrieblichen Informationsaustausch hat sich die strukturierte digitale Kommunikation zwischen Gesundheitsinstitutionen und Krankenversicherungen etabliert. Dagegen werden Rezepte für Apotheken weiterhin auf Papier ausgestellt und bei der Patientenzuweisung von Arztpraxen an Spitäler und der Überweisung zwischen Spitälern haben Faxgeräte noch lange nicht ausgedient.

Telemedizin und -monitoring gewinnen etwas an Bedeutung. Versicherungsmodelle unterstützen telefonische oder Online-Erstkontakte zur Beurteilung und Triage vor einem direkten Arzt- oder Spitalbesuch. Noch nicht gelöst sind Entschädigungsmodelle für neue Möglichkeiten der Fernüberwachung, zum Beispiel beim Monitoring von Herzschrittmachern.

Juristisch ist der Patient zwar Besitzer seiner Daten, aber faktisch verfügt er nicht über eine vollständige, integrierte Datensammlung. Er ist heute nicht ein autonomer Kunde, der jederzeit auf seine Daten zugreifen und diese an Betreuungspersonen weiterleiten kann. Seine Daten liegen verstreut in den Datensilos der einzelnen Institutionen, wo er abgeklärt und behandelt worden ist.

Es fehlen hierzulande Patientenportale oder Apps, welche den Zugriff auf seine eigenen Daten erlauben oder mit denen persönliche Hinweise und Empfehlungen vermittelt werden.

Das neue Gesetz für das elektronische Patientendossier wird in den nächsten Jahren nur partiell Verbesserungen bringen, unter anderem weil wenig strukturierter Datenaustausch definiert wurde und die Mitwirkung im ambulanten Bereich freiwillig bleibt.

Eine betriebsübergreifende systematische Datensammlung der Gesundheitsdaten einer Person aufzubauen, zum Beispiel von sich selbst, ist schwierig. Bestenfalls können Berichte in Freitext zusammengetragen werden, jedoch keine Übertragung der Informationen mit maschineninterpretierbarer Bedeutung.

Selbst für Forschungsprojekte sind lückenlos digitale Langzeitdokumentationen in der Schweiz ausser Reichweite, während in anderen Ländern teilweise Patientendaten von der Wiege bis zur Bahre strukturiert abgelegt werden.

Der ausgeprägte Föderalismus, der insgesamt zu Stabilität und Wohlstand in der Schweiz beigetragen hat, erweist sich beim Aufbau einer effizienten eHealth-Infrastruktur als Handicap. Erstmalig ist nun im Rahmen der Initiative Swiss Personalized Health Network für die Jahre 2017 bis 2020 eine Forschungsförderung beschlossen worden, die auch Mittel zur Standardisierung von einzelnen Erbgutinformationen und klinischen Daten beinhaltet.