Sie sind ein ambitionierter Spitzenschwimmer, mehrfacher EM-Finalist, WM-Halbfinalist und zweifacher Olympiateilnehmer. Als Schweizer Rekordhalter über 100 Meter und 200 Meter Brust und mehrfacher Schweizer Meister zählen Sie zu den Erfolgsgaranten des Schweizer Schwimmsports.
Worauf führen Sie diesen Erfolg zurück?

Einerseits führe ich den Erfolg natürlich auf jahrelange intensive Trainingsstunden im Becken und an Land zurück. Anderseits haben mich der Spass am Schwimmsport und das entsprechende Umfeld in guten wie auch in schlechten Zeiten motiviert, stets noch härter an mir zu arbeiten.
 

Ich glaube, Erfolg ist nur selten oder nur bedingt auf Talent zurückzuführen, sondern er resultiert aus den Leistungen, die aus einem zielorientierten und ehrgeizigen Training hervorgehen.
 

Wie gestalten Sie Ihr Training, beziehungsweise wie ist es aufgebaut?

In einer normalen Trainingswoche trainiere ich neun bis zehn Mal zwei Stunden im Wasser. Hinzu kommen weitere Trainingseinheiten an Land wie Krafttraining, Athletik und Rumpfübungen.

Im Normalfall ist ein Training zwischen sechs und sieben Kilometer lang. Ich lege besonders viel Wert auf die Technik, insbesondere auf den Beinschlag, und probiere stets, über kontrollierte Zuglänge sehr bewusst zu schwimmen, ohne unnötig Widerstand zu produzieren oder Kräfte zu verschleissen.

Sie möchten Ihre Karriere in zwei Jahren an den Olympischen Spielen in Tokio mit einer Bestleistung krönen. Was liegt für Sie realistischerweise drin?

In zwei Jahren kann sehr viel passieren. Ich bin nach einer hartnäckigen Verletzung über die letzten drei Jahre hinweg endlich fast beschwerdefrei unterwegs und kann das Training besser gestalten, ohne Rücksicht auf Schmerzen nehmen zu müssen.

Deshalb erhoffe ich mir nochmals eine deutliche Steigerung mit dem Fokus ausschliesslich auf dem Schwimmen. Wenn ich am Tag X ein perfektes Rennen habe, kann ich sicherlich im Finale um eine Topplatzierung mitschwimmen.

Ein olympisches Diplom ist das angestrebte Ziel, an welchem ich die nächsten zwei Jahre arbeiten werde.

Anfang August haben Sie an den Schwimm-Europameisterschaften in Glasgow teilgenommen. Wie haben Sie sich darauf vorbereitet?

Die Vorbereitung verlief durchzogen. Nach auskurierter Verletzung in der Leiste hatte ich die letzten Wochen vermehrt mit Asthmabeschwerden zu kämpfen.

Das hat mir besonders in den Trainings mit sehr intensiven Belastungen zu schaffen gemacht. Umso mehr freue ich mich, dass ich zumindest in den Staffelrennen gute Leistungen gezeigt habe.

Auf welche Ihrer Erfolge sind Sie besonders stolz?

Als Kind habe ich immer davon geträumt, einmal an Olympischen Spielen teilzunehmen.

Deshalb ist für mich meine erste Olympiateilnahme in London 2012 das Highlight meiner bisherigen Laufbahn. Insbesondere, weil ich mich auf dem Weg dazu mit neuem Schweizer Rekord ins EM-Finale vorgekämpft habe.

Zentral beim Schwimmen ist eine gesunde Rückenmuskulatur. Wie trainieren und stärken Sie Ihre Rückenmuskeln?

Ich trainiere die Rückenmuskulatur sehr viel an Land mit diversen Übungen zur Stabilisation des Rumpfes und des Oberkörpers. Das beste Training für die Rückenmuskulatur ist jedoch das Schwimmen an sich.

Im Wasser ist es wichtig, eine stabile, möglichst widerstandsarme Wasserlage durch gute Körperspannung zu erlangen. Beim Schwimmen wie auch bei sämtlichen Übungen an Land ist es zentral, nicht ins Hohlkreuz zu fallen und die Wirbelsäule möglichst wenig zu verdrehen.

Es sollte eine gerade Linie von Fussspitze bis Kopf sein, mit der Rotation der Hüfte und Schultern um die eigene Körperachse, nicht aber zu vielen Bewegungen aus dem Rücken an sich.

Schwimmen gilt als ideale Sportart für den Rücken. Doch nur ein guter Schwimmstil ist dabei nützlich. Welche Tipps für eine gesunde Haltung im Wasser geben Sie Freizeitschwimmern?

Als Laie ist es oft schwierig, Tipps im Wasser umzusetzen. Es ist sicherlich von Vorteil, einige Lektionen bei einem Trainer oder Schwimmexperten zu nehmen, um sich zu vergewissern, dass die Bewegungen auch richtig sind.

Beim Brustschwimmen kann eine falsche Technik Rückenschmerzen auslösen. Welche Technik ist denn die richtige?

Im Wettkampfschwimmen haben Brustschwimmer auch auf höchstem Niveau unterschiedliche Techniken. Die Technik ist auch abhängig von den Stärken und den körperlichen Voraussetzungen.

Die häufigsten Fehler passieren bei einer schlechten Ausführung des Beinschlags. Ein weiterer Fehler ist eine zu angehobene Kopfposition. Der Kopf sollte stets eine Verlängerung der Wirbelsäule sein, mit Blick zum Boden gerichtet, nicht nach vorne.

Zudem ist das Timing von Armzug und Beinschlag sehr wichtig, um eine optimale Gleitphase zu haben und das Maximum aus jedem Zug herauszuholen.

Der ideale Schwimmstil für Rumpf und Rücken ist das Kraulen. Einverstanden?

Ja, Kraul und Rückenkraul sind definitiv am besten. Im Vergleich zu den anderen Lagen ist Kraul schonender für die Gelenke und auch über einen längeren Zeitraum ausführbar.

Empfohlen wird bei Rückenproblemen auch das Rückenschwimmen. Weshalb?

Beim Rückenschwimmen löst man in der Regel auch die oft verkrampfte Muskulatur im Nacken und trainiert die gesamte Muskulatur von Armen, Beinen und Rumpf. Zudem kann man ständig atmen.

Das erleichtert schon vieles, weil beispielsweise bei Kraul oftmals die Luft knapp wird.

Üben Sie neben dem Schwimmsport noch eine berufliche Tätigkeit aus?

Ja, ich arbeite mit einer Teilzeitanstellung in einer Beratungsfirma. Das mache ich in erster Linie, um nach meinem absolvierten Bachelorstudium Erfahrung in der Berufswelt sammeln zu können und neben dem Sport einen Ausgleich zu haben.

Wie verbringen Sie Ihre Freizeit?

Ich verbringe sehr gerne Zeit mit der Familie und Freunden, oftmals eher in gemütlichen Runden, da mir das Training viel abverlangt. Übers Wochenende bin ich auch gerne auf dem elterlichen Bauernhof und in der Natur.

Yannick Käser ist ein Schweizer Spitzenschwimmer. Seine Spezialdisziplin ist das 200-Meter-Brustschwimmen.