Das elektronische Patientendossier soll die Qualität der medizinischen Behandlung stärken, die Behandlungsprozesse verbessern, die Patientensicherheit erhöhen und die Effizienz des Gesundheitssystems steigern. Weiter soll die Gesundheitskompetenz der Patientinnen und Patienten gefördert werden.

Dies sind Ziele, die auch für H+, die Spitäler der Schweiz, wünschenswert sind. Daher hat sich der nationale Spitalverband stets für die Einführung der elektronischen Patientendossiers starkgemacht.

Nachdem das Parlament das Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier (EPDG) im Juni 2015 verabschiedet hat, soll es 2017 in Kraft treten. Die Spitäler und Kliniken der Akutsomatik müssen sich ab Inkrafttreten innert drei Jahren einer Stammgemeinschaft oder Gemeinschaft anschliessen.

Rehabilitationskliniken, Psychiatrien, Pflegeheimen und Geburtshäusern wird eine Frist von fünf Jahren gewährt. Für ambulant tätige Gesundheitsfachpersonen wie niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, Apotheken oder Spitex-Organisationen bleibt der Beitritt zu einer Gemeinschaft und damit das Führen von elektronischen Patientendossiers freiwillig.

Dies ist ein Punkt, den H+ schon beim Gesetzesentwurf bemängelt hat, da besonders die Schnittstellen zwischen Spital und den niedergelassenen Ärzten Potenzial für Effizienzsteigerung bieten.

Mit der Verpflichtung der Spitäler und Kliniken, einer Stammgemeinschaft beizutreten, stellt sich auch die Frage von deren Finanzierung. Der Bund hat die Möglichkeit, die Einführung des elektronischen Patientendossiers mit Finanzhilfen in der Höhe von rund 30 Millionen Franken für den Aufbau und die Zertifizierung von Gemeinschaften und Stammgemeinschaften zu unterstützen.

Doch diese Finanzhilfen werden nur gewährt, wenn sich die Kantone oder Dritte in mindestens gleicher Höhe beteiligen. Für die Spitäler und Kliniken bedeutet dies, dass sie sich an diesen Kosten beteiligen müssen.

Die finanziellen Mittel dafür müssten sie aus den laufenden Einnahmen generieren, was angesichts sinkender Tarife und steigendem Wettbewerbsdruck nur schwer möglich sein wird. Dies umso mehr, als die erhofften Optimierungen bei den Behandlungsprozessen ohne Teilnahme der ambulanten Leistungserbringer nicht möglich sind.