Was für viele Branchen gilt, sollte auch im Gesundheitswesen möglich sein: Wir brauchen die richtige Information zur richtigen Zeit am richtigen Ort – im Interesse der Patientensicherheit und der Versorgungsqualität. Deshalb arbeitet «eHealth Suisse» seit Jahren am elektronischen Patientendossier und erachtet es als fällige Lösung. Der Nutzen für den behandelnden Arzt und vor allem für die Patienten ist belegt.

Denn in dieser elektronischen Ablage stellen alle behandelnden Ärzte sowie Apotheker oder das Pflegepersonal die wichtigsten Dokumente an einem sicheren Ort anderen Gesundheitsfachpersonen zur Verfügung. Es geht dabei um alle relevanten Unterlagen, die für die Krankengeschichte oder für Überweisungen ohnehin erstellt werden müssen. Über den Zugriff auf das elektronische Patientendossier entscheidet der Patient immer selbst.

Kantonale Umsetzung ist eine grosse Herausforderung

Am 19. Juni 2015 hat das Bundesgesetz mit einem deutlichen Resultat das elektronischer Patientendossier verabschiedet

Das Parlament hat am 19. Juni 2015 mit einem sehr deutlichen Resultat das Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier verabschiedet. Dies ist ein wichtiger Meilenstein. Und  dennoch gibt dieser Entscheid zunächst nur die rechtliche Marschrichtung vor. Was nun ansteht, ist die kantonale Umsetzung. Hier sollten die Kantone die praktische Arbeit orchestrieren.

Dabei kann «eHealth Suisse» weiterhin die Koordination und Zusammenarbeit aller Akteure unterstützen. Spitäler, Heime, Ärzte, Apotheken oder Spitex-Dienste müssen sich in diese Diskussionen einbringen und sich auf die Vernetzung vorbereiten. Wenn das Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier 2017 in Kraft tritt, haben die Spitäler drei Jahre Zeit für die Vernetzung, die Heime fünf Jahre. Im ambulanten Bereich ist die Teilnahme freiwillig.

Kantone zeigen unterschiedliche Begeisterung

Bei der Umsetzung schlagen nicht alle Kantone ein gleiches Tempo an. In der Deutschschweiz war der Kanton St. Gallen von Anfang an dabei. Generell fällt auf, dass die Westschweizer Kantone und das Tessin das Thema früher und engagierter in die Hand genommen haben. Dort hat man früh erkannt, dass ein ePatientendossier im Interesse der Patienten ist und somit wurde schnell mit ersten Projekten begonnen.

Der Kanton Genf war  ebenfalls von Anfang an vorbildlich am Werk mit seinem Projekt «Mon dossier médical». Inzwischen ist das Projekt ausgesprochen gut akzeptiert. Über 8000 Patienten sind im kantonalen Patientendossier bereits erfasst – Tendenz steigend. Die Erwartung an die Behandelnden steigt, dass sie sich anschliessen. In Genf machen über 450 Ärzte und mehr als 500 andere Gesundheitsfachpersonen mit.

Die anfängliche Skepsis, Patienten würden die Freiheit über die Zugriffsrechte nicht optimal nutzen, konnte ebenfalls widerlegt werden. «Mon dossier médical» zeigt: Weniger als ein Prozent der Patienten verweigern den Zugriff auf relevante Informationen.

Private Unternehmen können sich engagieren

Eine der grossen Aufgaben für viele Kantone ist die Gründung von sogenannten «Stammgemeinschaften» für den Anschluss der Gesundheitsfachpersonen. Vor allem die Finanzierung steht im Raum. Der Bund hat eine Anschubfinanzierung in Höhe von insgesamt 30 Millionen Franken beschlossen. Zwar ist diese an die finanzielle Eigenleistung der Kantone oder von Privaten geknüpft, aber die Aussichten auf einen baldigen Fortschritt schweizweit sind gut. 

Dabei muss die Schweiz den Vergleich mit den europäischen Nachbarn nicht scheuen. Wir hatten am Start sicher etwas Rückstand. Doch jetzt sind wir wie fast alle Länder daran, das Thema koordiniert voranzubringen. Wichtig ist, dass Bewegung in der Sache bleibt. Auf dem Weg zum Ziel muss es gelingen, den Ärzten, Spitälern oder Apotheken ein Instrument zur Verfügung zu stellen, das sich einfach bedienen lässt und die heutigen Abläufe vereinfacht. In vielen Branchen ist dies dank der digitalen Vernetzung längst selbstverständlich. Und bestimmt wird uns das im Gesundheitswesen ebenfalls gelingen.