Das bedeutet Entdeckungslust bei Innovationen, Freude an praktischen Lösungen, aber manchmal auch Verunsicherung oder Überforderung. Vieles findet jedoch unbemerkt seinen Einzug in unseren Alltag: Wir kaufen Zugtickets per App, lesen Restaurantmenüs und Bewertungen online oder suchen unseren Weg mittels digitaler Karten.


Digitale Transformation im Gesundheitsbereich

Auch im Gesundheitsbereich hat sich viel getan. Es bietet sich uns ein täglich wachsendes Angebot an Anwendungen wie Schrittzählern, Zeckenwarnsystemen oder Pollen-Prognosen für Allergiker. Doch die Digitale Transformation geht viel weiter. Sie bedeutet koordinierten Datenaustausch und branchenübergreifende Kooperation. Solch tiefgreifende Änderungen geschehen nicht einfach von heute auf morgen.

Sie tauchen auch nicht wie von selbst im App Store auf. Das elektronische Patientendossier (EPD) als patientenbezogenes Datenregister ist zwar nur ein Einzelelement des digitalen Gesundheitswesens. Es gibt aber einen starken Anstoss zur Diskussion und zum Umdenken. Es ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg ins digitale Zeitalter.
 

Die Qualität steigt

Mit dem EPD lassen sich viele Chancen der Digitalisierung nutzen. Greifen alle Leistungserbringer, von den Spitälern über die Ärzte bis hin zu Apothekern und Therapeuten, auf das gleiche Dossier zu, erleichtert dies die integrierte Versorgung.

Für den Patienten werden die Übergänge zwischen den Versorgungsbereichen unkomplizierter. Auch die Qualität steigt: Doppeluntersuchungen werden vermieden, bei der Übermittlung von Daten gibt es weder Fehler noch können wichtige Informationen vergessen werden. Alle Daten sind sofort und einheitlich verfügbar.

Für die Leistungserbringer sorgt das EPD für höhere Effizienz, weniger Umstellungen zwischen verschiedenen Systemen und einfachere administrative Abläufe.

Doch am wichtigsten: mit dem EPD rückt der Patient wieder verstärkt ins Zentrum. Er hat die Hoheit über seine Daten. Das bedeutet, dass der Patient alleine bestimmt, wer Zugriff erhält. Das bedeutet aber auch, dass jeder Patient mit dem EPD Einblick und Überblick hat bei seinen Untersuchungen, Behandlungen oder Diagnosen. Er hat dadurch mehr Möglichkeiten zur Mitsprache, mehr Eigenverantwortung, mehr Kompetenzen.
 

Die richtige Vernetzung

Um dieses Potenzial zu nutzen, braucht es das Engagement aller Beteiligten, den Willen zur Kooperation, Vernetzung und Zusammenarbeit. Was nicht bedeutet, dass hier ein «Nein» möglich ist. Die Digitalisierung schreitet voran, daran können wir nichts ändern. Was wir entscheiden können, ist, in welcher Form wir damit umgehen.

Ob die Gewährleistungspflicht des Staates, die starke Regulierung der Leistungserbringung oder die besondere Bedeutung der Gesundheitsdaten für den Einzelnen angesprochen ist – das Gesundheitswesen weist Besonderheiten auf, die es zu berücksichtigen gilt.

Die Gestaltung der digitalen Versorgungslandschaft von morgen darf nicht ganz allein der Marktmacht überlassen werden, sondern soll auch vom Staat als Garant und Gewährleister aktiv, vorausschauend und vor allem gemeinsam gestaltet werden.

So kann Vertrauen entstehen und so kann garantiert werden, dass die Nutzer des EPD nicht auf Barrieren zwischen Anbietern stossen oder schon an einer Kantonsgrenze stranden.

Damit diese Vernetzung funktioniert, braucht es verlässliche Standards und Basisinfrastrukturen. Ansonsten drohen technologischer Wildwuchs, unnötige Kosten und frustrierte Nutzer. Bildlich gesprochen: Anstelle von zahlreichen Schienen mit unterschiedlichen Spurweiten braucht es ein einheitliches Schienennetz, auf dem sich alle Fahrzeuge ungehindert bewegen können.


Die Rolle des Staats

Der Staat ist Lenker und Denker für die Rahmenbedingungen. Treiber beim Aufbau der Basisinfrastruktur müssen die Leistungserbringer sein. Denn sie sind es, die im Alltag damit arbeiten werden. Ihren gegenwärtigen und zukünftigen Anforderungen muss entsprochen werden.

Dazu braucht es statt eines statischen Dienstleistungsangebotes eine zukunftstaugliche Plattform, welche die laufende Weiterentwicklung und Einbindung von benutzerorientierten Dienstleistungen ermöglicht.

Im Kanton Zürich ist zurzeit eine eHealth-Plattform im Aufbau, die diesen Anforderungen entspricht. Umgesetzt wird der Aufbau durch die axsana AG, eine nicht gewinnorientierte Betriebsgesellschaft, bei der alle Akteure, also Kanton, Leistungserbringerverbände und Patientenvertretung, miteingebunden sind.

Was wir in Zürich anstossen, ist nicht auf unseren Kanton beschränkt. Im Gegenteil: Eine überregionale Ausrichtung läge im Interesse aller Beteiligten. Denn die Patientenströme und Behandlungsketten machen nicht an Kantonsgrenzen halt, also darf es eine zukunftsgerechte digitale Lösung erst recht nicht tun.