E-Health Suisse, das Koordinationsorgan von Bund und Kantonen, das für die Umsetzung der E-Health-Strategie des Bundesrates verantwortlich zeichnet, fasst unter diesem Begriff sämtliche elektronischen Gesundheitsdienste zusammen. E-Health sei in diesem Sinne schlicht und einfach die Technologie des 21. Jahrhunderts, sagt Yvonne Gilli vom Zentralvorstand der FMH.

Dabei ist die Dynamik der aktuellen technologischen Entwicklung derart gross, dass wir einzig wissen, dass sie nicht nur, aber auch das Gesundheitswesen einem grundlegenden strukturellen Wandel unterzieht, den wir in der Dimension zum heutigen Zeitpunkt noch nicht wirklich erfassen können.» Einerseits eröffne E-Health bisher unvorstellbare neue Möglichkeiten, von der Haut aus dem 3D-Drucker bis zur robotergesteuerten Operation.

Anderseits, so Gilli, sei man mit neuen Gefahren wie Cyberkriminalität konfrontiert, welche ganze Informationssysteme von Spitälern lahmlegen oder elektronisch gesteuerte Medizingeräte falsch programmieren könne.
 

Bereitstellung von Medikamenten

Durch die Digitalisierung von Gesundheitsdaten können Informationen in einer umfassenden und schnellen Art gespeichert, vernetzt und verarbeitet werden. Dem Patienten und der Patientin erlauben elektronische Plattformen, sich breit über Gesundheitsfragen zu informieren.

«Informierte Patientinnen und Patienten sind kompetente Patienten», sagt Gilli. Gesundheitsfachleute können von administrativen Prozessen entlastet werden, etwa durch die vollelektronische Erfassung und automatisierte Bereitstellung von Medikamenten. «Optimierte und automatisierte Arbeitsschritte können helfen, Fehler zu vermeiden, zum Beispiel die Verabreichung eines falschen Medikamentes oder einer falschen Dosierung», betont Gilli.

Administrative Daten würden zunehmend praktisch überall elektronisch erfasst. Über klinikinterne Informationssysteme werden auch viele medizinische Daten – von Laborresultaten über Röntgenbilder bis zur Verlaufsdokumentation – bereits digital verarbeitet. Im ambulanten Bereich allerdings sei die Digitalisierung von Patientendaten noch weniger weit fortgeschritten, schränkt Gilli ein.
 

Anerkanntes Potenzial

Am meisten Fehler passieren gemäss Gilli an Schnittstellen, wo Patienteninformationen von einer Gesundheitsfachperson zur andern gelangen, und bei Routineabläufen, welche grosse Präzision verlangen wie etwa beim Richten und Verabreichen von Medikamenten.

«Sinnvoll umgesetzt, kann in solchen Bereichen die Digitalisierung zur Patientensicherheit beitragen. Wichtig ist aber, dass wir uns bewusst sind, dass die Digitalisierung nicht mehr und nicht weniger als ein Instrument ist, das Menschen sinnvoll nutzen können.» Im Bereich der Medikation ortet Gilli ein anerkanntes Potenzial.

«Es können Medikationsfehler wie zum Beispiel die falsche Medikamentenwahl oder Fehler bei der Dosierung vermieden werden, was die Sicherheit für den Patienten erhöht.»
 

Wichtiger Datenschutz

Gesundheitsdaten seien sensible Daten, gibt Gilli zu bedenken. «Es ist wichtig, dass auch im elektronischen Zeitalter diese Daten so verwendet werden, dass der Patient vor einer missbräuchlichen Nutzung geschützt ist und seine Privatsphäre respektiert wird.»

Das heisst zum Beispiel, dass Gesundheitsfachpersonen medizinische Daten nur verschlüsselt übermitteln und der Patient und die Patientin die Hoheit über die Daten behält. Um das zu gewährleisten, wurde das elektronische Patientendossier-Gesetz geschaffen. «Zudem ist das Datenschutzgesetz in Revision und es gilt, Rahmenbedingungen für die elektronische Identität zu schaffen», so Gilli.