Claire-Anne Siegrist hatte schon immer ein grosses Bedürfnis, sich für eine bessere Welt starkzumachen. Als sie ein kleines Mädchen war, wollte sie «Babys retten», wie sie selbst sagt. Man könnte behaupten, die Professorin für Impfstoffentwicklung und Pädiatrie interessierte sich schon damals für die Kinderheilkunde.

Ihr Wille, Menschen zu helfen, sie zu pflegen und zu schützen, treibt sie auch heute noch an.

Ihre Faszination für das Impfwesen entdeckte sie jedoch erst im Erwachsenenalter. 1983 promovierte sie an der Universität Genf, wo sie ihre klinische Ausbildung in Pädiatrie und Infektionskrankheiten absolvierte.

Ihr Wille, Menschen zu helfen, sie zu pflegen und zu schützen, treibt sie auch heute noch an. Seit Jahrzehnten setzt sich die in der Romandie als «Madame Vaccins» bekannte Ärztin mit grosser Hingabe für Impfanliegen ein. Infektionskrankheiten wie Masern, Mumps und Röteln, aber auch Epidemien wie Ebola beschäftigen sie Tag und Nacht.

Von den Anfängen bis heute

Claire-Anne Siegrist hat an zahlreichen wissenschaftlichen Originalpublikationen auf dem Gebiet der Impfstoff-Immunologie mitgewirkt. Dabei untersuchte sie unter anderem die Mechanismen, die Impfreaktionen in den frühen Lebensjahren prägen, wie gewisse gefährdete Bevölkerungsgruppen nicht optimal auf Immunisierung reagieren und wie die Wirksamkeit von Impfungen durch neuartige Impf- oder Hilfsstoffe verbessert werden könnte.

Mit ihrem weltweit anerkannten Forschungswirken und Engagement für die Förderung der evidenzbasierten Vakzinologie reiht sich Siegrist in die «Hall of Fame» der Ärztekoryphäen auf dem Gebiet der Vakzinologie ein.

Vor 300 Jahren war es ebenfalls eine Frau, die die Impfstoffentwicklung wesentlich beeinflusst hatte: In einigen Ländern Asiens war es damals üblich, gesunde Personen durch die Einimpfung des Pustelsekrets von Pockenpatienten zu infizieren, um sie gegen die Infektionskrankheit zu immunisieren.

Die britische Gesandtengattin Mary Wortley Montagu lernte dieses Verfahren 1718 in Konstantinopel kennen und brachte es nach England, wo es angewandt und verfeinert wurde.

Zu den wichtigsten Impf-Pionieren gehören unter anderen Edward Jenner (Pockenimpfung), Louis Pasteur (Tollwut), Robert Koch (Milzbrand, Tuberkulose), Paul Ehrlich, Emil von Behring und Shibasaburo Kitasato (Diphterie, Wundstarrkrampf). Mit der Standardisierung von Impfstoffen starteten Ende des 19. Jahrhunderts die ersten nationalen Impfprogramme.

Ab Mitte des 20. Jahrhunderts wurden systematisch viele weitere Impfstoffe gegen Infektionskrankheiten entwickelt, zum Beispiel gegen Kinderlähmung und Gelbfieber. Seit 1967 werden unter dem Patronat der WHO weltweite Impfprogramme erteilt.
 


Bescheidenheit
"Ich hatte das Glück, viele Leute auf meinem Weg zu treffen, die mir geholfen haben. Jede Arbeit war Teamwork.", sagt die Genfer Medizinerin (Bild: zVg)

Vielseitiges Engagement

Trotz ihrer Wirksamkeit sind Impfungen nicht allerseits anerkannt. Viele Menschen stellen sie in Frage, betrachten sie als gefährlich oder wirkungslos. In der Schweiz wird vergleichsweise umfangreich geimpft, und dies von klein auf.

Damit sich die Impfsituation und Lebenserwartung auch weltweit verbessern, engagiert sich Claire-Anne Siegrist an vielen Fronten: 1994 rief sie eine Forschungsgruppe für Vakzinologie und Neonatale Immunologie ins Leben, die seit 1996 als WHO-Kooperationszentrum anerkannt ist. Nach ihrem PD beteiligte sie sich zudem an der Gründung des ersten Europäischen Lehrstuhls für Vakzinologie.

2008 wurde sie Expertin des Gemeinsamen Ausschusses für Impfung und Immunisierung des Vereinigten Königreichs (JCVI) und 2010 wurde sie in die Strategische Expertenberatungsgruppe der WHO (SAGE) aufgenommen.

Auch in der Schweiz hat Prof. Siegrist viel bewirkt: Von 2004 bis 2014 war sie Präsidentin der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF) und seit 2015 ist sie im Stiftungsrat der Stiftung «meineimpfungen».

Sie gehört zu den Gründungsmitgliedern des Fortbildungsprogramms «Advanced Course of Vaccinology» und der Schweizer Informationsstelle für Impffragen (Infovac). Sie ist zudem Miterfinderin einer Software für die Verwaltung der Impfungen sowie des schweizerischen elektronischen Impfausweises.

Claire-Anne Siegrist legt Wert darauf zu betonen, dass sie auf ihrem Weg Glück hatte, die richtigen Leute zu treffen und dass jede ihrer Arbeiten auf Teamwork beruht. Und vor allem: Es gibt noch viel zu tun!