Gesundheitsdaten werden heute weltweit und milliardenfach gespeichert: in Arztpraxen, Spitälern und auf Smartphones. Mobile Technologien im Gesundheitswesen, kurz mHealth, bergen ein grosses Potenzial in der medizinischen Versorgung von Patientinnen und Patienten. Um all das zu nutzen, braucht es das elektronische Patientendossier, das der Bund im Rahmen seiner eHealth-Strategie einführen will. Es soll ermöglichen, orts- und zeitunabhängig auf medizinische Informationen zuzugreifen, sofern die Patienten damit einverstanden sind. Die Gesundheitsdaten sollen aber nicht zentral gespeichert werden, sondern dezentral in sogenannten «Gemeinschaften», zum Beispiel bei den Hausärzten, Spitälern und Apothekern. «Bildlich gesprochen heisst das, dass der Patient zwar als Eigentümer den Schlüsselbund zu seinen Daten erhält. Um diese Datenräume zu betreten, muss er vorderhand noch bei seinen Vormündern anklopfen», erklärt der Basler eHealth-Experte Martin Denz. Das sei aber ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zur informationellen Selbstbestimmung.

Mehr Selbstverantwortung

Denz sieht auch in der Schweiz ein grosses Potenzial für die neuen Technologien. Entscheidend für den Durchbruch seien Geschäftsmodelle, die auf den Schweizer Gesundheitsmarkt abgestimmt sind. Mobile Gesundheitslösungen bieten gemäss Denz für alle involvierten Parteien Vorteile: Für Spitäler zum Beispiel ein besseres Informationsmanagement und somit mehr Sicherheit für die Patienten. Diese wiederum dürften von einem einfacheren Zugang zu medizinischen Leistungen profitieren. Auch die Förderung der Gesundheitskompetenz dürfte sich vereinfachen. «Damit können Patientinnen und Patienten mehr Selbstverantwortung für die eigene Gesundheit übernehmen», so Denz. Alle hätten einen Vorteil, wenn die Medizin auf Gesundheitsdaten aus dem Lebensalltag statt nur aus dem Spital beruhte.

Kompatible Lösungen

Noch gibt es aber Hürden bei der Verbreitung von mobilen Gesundheitslösungen. Hinderlich sind etwa fehlende Anreize sowie die noch ungenügende Interoperabilität der Lösungen. Allein technische Standards helfen wenig, wenn die beteiligten Akteure nicht miteinander kooperieren wollen. «Die technischen Hilfsmittel gibt es längst, sie müssen aber integriert und gesamtgesellschaftlich verankert werden», sagt Martin Denz. Trotz mentaler Barrieren und struktureller Veränderungsresistenzen könnten wir auch im Schweizer Gesundheitswesen auf unsere Innovationskraft vertrauen. «Wenn wir die Gesundheitsakteure der Schweiz mit Unterstützung der Informations- und Kommunikationstechnologien dazu befähigen, ihre Verantwortung zu übernehmen, schaffen wir die Grundlage für ein zukunftstaugliches Schweizer Gesundheitswesen.»