Für viele Patientinnen und Patienten ist es ein grosses Anliegen, dass sie und ihre Ärztinnen und Ärzte einfacher auf die verschiedensten Dokumente aus ihrer Krankengeschichte, wie zum Beispiel Untersuchungsresultate, Röntgenbilder, Medikation, allfällige Allergien und Patientenverfügung, zugreifen können. Noch ist es nicht ganz so weit. Erst in drei Kantonen können medizinische Informationen über eine elektronische Plattform zugänglich gemacht werden. Ab 2016 soll es auch im Kanton Zürich möglich sein.

Was ist ein elektronisches Patientendossier?

Das elektronische Patientendossier ist eine Online-Plattform, die einen Überblick über die wichtigsten medizinischen Daten einer Person enthält. Das Dossier kann Operations- und Austrittsberichte, wichtige Laborbefunde sowie Röntgenbilder und digitale Daten anderer Untersuchungen enthalten. Der Patient oder die Patientin entscheidet selber, ob er oder sie ein Dossier eröffnen will.

Mehr Rechte, Selbstbestimmung und Sicherheit

Mit dem freiwilligen elektronischen Patientendossier entscheide ich als Patientin oder Patient, wem ich Zugang zu meinen medizinischen Daten gewähren und allenfalls wieder entziehen will, wer welche Daten einsehen oder bearbeiten darf. Ich habe die Kontrolle über meine «Geschichte» und bespreche mich zum Beispiel mit dem Arzt oder der Ärztin meines Vertrauens, welche Dokumente unter welcher Vertraulichkeitsstufe ins Dossier gestellt werden sollen. Diese Daten sind alle an einem Ort gespeichert und müssen nicht mehr an verschiedensten Orten wie Spital, Arzt, Apotheke, Pflegeheim, Spitex, Reha etc. zusammengesucht werden. Dadurch erhalte ich eine hohe Autonomie. So wie ich jederzeit Zugriff auf mein Bankkonto habe, kann ich mein «Gesundheitsdossier» auf der ganzen Welt einsehen und zur Verfügung stellen. Zudem kann ich über das elektronische Patientendossier meine eigenen medizinischen Daten konsultieren.

Es werden weniger Fehler passieren

Diese verschiedenen Datenquellen werden verknüpft; alle Akteure tragen einen Nutzen von einer offenen und transparenten Gesundheitsversorgung. Auch passieren weniger Fehler. In einer Studie mit 3800 Schweizer Spitalpatienten berichten 21 Prozent über relevante Fehler, zum Beispiel wegen schlecht lesbarer Medikation. Untersuchungen ergeben, dass sich jährlich 1200 bis 1500 fehlerbedingte Todesfälle ereignen. Das ist das Doppelte der Todesfälle infolge Grippe, AIDS und Verkehrsunfällen zusammen!

Chancen und Gefahren

Eine grosse Chance besteht in der Vernetzung und der Zusammenarbeit aller Beteiligten an einem Heilungsprozess. So können Doppelspurigkeiten in der Diagnostik vermieden werden. Dies führt zu einer Steigerung der Effizienz und schlussendlich auch zu Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen.
Und welches sind die Gefahren eines elektronischen Patientendossiers? Viele Patientinnen und Patienten haben Bedenken, dass ihre Daten in unbefugte Hände gelangen könnten. Im Gesetzesvorschlag des elektronischen Patientendossiers (EPDG) sind jedoch bereits viele Sicherheitsmassnahmen enthalten, um unrechtmässige Zugriffe auf diese sensiblen Daten zu eliminieren. Der Zugriff ist auch auf registrierte Gesundheitsfachleute beschränkt, Krankenkassen oder der Arbeitgeber haben keinen Zugang.

Keine copy-paste-Mentalität

Wichtig ist, dass bei den Leistungserbringern nicht eine «copy–paste»-Mentalität eingreift, sondern nach wie vor eine sorgfältige Patientenbefragung und –untersuchung durchgeführt wird.Das elektronische Patientendossier zum «Fliegen» bringenDurchgängige elektronische und vereinheitlichte Abläufe verbessern die Koordination und den raschenInformationsaustausch. Die richtige Information zur richtigen Zeit am richtigen Ort hilft mit, Fehler in der Diagnose und der Behandlung zu reduzieren sowie Leben zu retten. Mit einem besseren Wissensmanagement wird eine bessere medizinische Versorgung gewährleistet. Das ist der Nutzen, der Mehrwert, den ich als Patientin, als Patient mit dem elektronischen Patientendossier erhalte.
Gemäss einer Studie des gfs.Bern im Januar 2014 sind breite Kreise, sogar ältere Menschen, vom Nutzen überzeugt. Viele versprechen sich medizinische Fortschritte, insbesondere wenn sich Ärzte effizient und fehlerfrei computergestützt austauschen können.