Der Begriff Resilienz hat in den letzten Jahren Konjunktur erhalten. Darunter versteht man die Fähigkeit, aus widrigen Lebensumständen und Krisen gesund und im besten Fall sogar gestärkt herauszukommen.

«Die Forschung steht erst am Anfang, hat aber aus meiner Sicht ein enormes Potenzial, sowohl für die Prävention als auch die Behandlung von psychischen Erkrankungen.»

Bei einem Burn-out kommt die Balance zwischen den Ressourcen, das heisst der psychischen Widerstandsfähigkeit und den Anforderungen am Arbeitsplatz, aber auch in der Familie oder im sozialen Leben, aus dem Gleichgewicht. «Das System kippt.

Umgekehrt können Resilienzressourcen vor Depression oder Burn-out schützen. Interessanterweise unterscheiden sich Menschen individuell in ihrer Resilienz gegenüber Stress», betont der Facharzt Erich Seifritz.

«Das sogenannte Phasenmodell des Burn-out-Syndroms kann dies anschaulich erklären. Es geht von einem Entwicklungsprozess aus, das heisst von chronischem Stress über leichte depressive Symptome bis hin zur akuten Krise und schliesslich zur klinisch relevanten Erkrankung einer Depression, häufig auch mit Lebensüberdruss und der Gefahr von Suizidalität», erläutert Seifritz.

Anspruchsvolle Therapie

Die Erforschung von Resilienzfaktoren sei eine relativ junge Wissenschaft, sagt der Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie. «Die Forschung steht erst am Anfang, hat aber aus meiner Sicht ein enormes Potenzial, sowohl für die Prävention als auch die Behandlung von psychischen Erkrankungen.»

So gibt es für achtsamkeitsbasierte Psychotherapien gute Studienergebnisse, welche die klinische Wirksamkeit bei Angst und Depression aufzeigen. Die Behandlung von Burn-out beruht in der Regel auf einer individuell auf die betroffene Person angepassten Kombination aus psychologischen, biologischen und sozialen Therapieelementen.

So werden Achtsamkeit und kognitive sowie emotionale Trainingsmethoden von vielen Psychiatern und Psychologen in der Psychotherapie eingesetzt. Bei schwerwiegenderen Fällen werden Antidepressiva und allenfalls weitere Medikamente zur Angstreduktion oder Schlafförderung verordnet.

«Viele Patienten benötigen medikamentöse Unterstützung», sagt Seifritz. Dies helfe dann den Betroffenen, für Psychotherapie wieder empfänglich zu sein. «Man darf nicht vergessen, dass Psychotherapie ein aktiver Lernprozess und für die Patienten anspruchsvoll sein kann», so Seifritz.