Schon bald könnten die medizinischen Daten eines Patienten digital und zentral bereitgestellt werden. Vorausgesetzt, dass der Patient ausdrücklich zustimmt. Der Bundesrat hat hierzu bereits am 29. Mai 2013 einen entsprechenden Gesetzesentwurf verabschiedet und an das Parlament überwiesen. In einer entsprechenden Medienmitteilung heisst es: «Jede Person in der Schweiz soll in Zukunft die Möglichkeit erhalten, ihre medizinischen Daten über ein elektronisches Patientendossier (EPDG) medizinischen Fachpersonen zugänglich zu machen ...» Alle Behandelnden hätten so jederzeit an verschiedenen Orten Zugriff auf die relevanten Informationen und Unterlagen der Patienten. Zu diesen wichtigen Fakten, die für die Behandlung entscheidend sind, gehören u.a. Allergien, Vorerkrankungen, chronische Leiden sowie Medikamentenunverträglichkeiten. Doppeluntersuchungen könnten durch die Informatisierung im schweizerischen Gesundheitswesen vermieden werden und Diagnostiken sowie Therapien wären effizienter und kostengünstiger.

Gesundheit 2020

Das EPDG ist Teil der Strategie «Gesundheit 2020», die bereits im Januar 2013 vom Bundesrat verabschiedet wurde und zu der insgesamt 26 Einzelmassnahmen gehören, die alle das Ziel verfolgen, das Schweizer Gesundheitssystem auf die kommenden Herausforderungen vorzubereiten. Die Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit des Nationalrates hat sich laut einer Erklärung im November einstimmig dafür entschieden, über das EPDG zu beraten. In der entsprechenden Medienmitteilung heisst es weiter: Die Kommission hat mit der Detailberatung begonnen und wird diese im Januar 2015 fortsetzen.

EPDG hat gute Chancen, schon bald Realität zu werden

Einer der Experten in der Diskussion ist Prof. Dr. med. Christian Lovis. Der Direktor der Abteilung «Medical Information Sciences» an den Universitätsspitälern (HUG) in Genf ist der Überzeugung, dass das EPDG gute Chancen hat, schon bald realisiert zu werden. Dem Experten für medizinische Informatik ist es sehr wichtig, dass der Umgang mit persönlichen Daten genau geregelt wird. «Ich fordere die strenge Zugangskontrolle zu den sensiblen Informationen. Diese dürfen keinesfalls kommerzialisiert werden», betont Lovis und fügt hinzu: «Es ist wichtig, das Vertrauen der Patienten zu gewinnen.»

Kontrolle über die eigenen Daten

Zugriffsrechte müssen für Patienten leicht zu verwalten sein
Um die bessere Koordination zwischen Bund und Kantonen kümmert sich eHealth Suisse. Der Steuerungsausschuss dieses Gremiums, dem Prof. Lovis als fachlicher Berater angehört, empfiehlt notwendige Zulassungs- und Ausschlusskriterien, die für die Erteilung der Zugriffsrechte auf mehreren Stufen angewendet werden sollen. Oberstes Gebot ist immer, dass der Patient stets die Kontrolle über seine Daten behält und dass die Verwaltung der Zugriffsrechte für jeden Patienten einfach möglich bleibt.