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Was ist eHealth?

Unter dem Begriff eHealth werden alle Informations- und Kommunikationstechnologien im Gesundheitswesen zusammengefasst, um die Behandlung effizienter und kostengünstiger zu gestalten. Hierzu werden zertifizierte Behandelnde und Patienten elektronisch vernetzt.

Das Elektronische Patientendossier (ePD)

Das Elektronische Patienten-Dossier könnte man als virtuelle Patientenakte umschreiben. Aber: Beim ePD werden die einzelnen Informationen stets dezentral gespeichert. Die vollständige Krankenakte an einem Speicherort gibt es nie. Im Bedarfsfall müssen alle relevanten Fakten durch einen elektronischen Suchauftrag – unter Einhaltung aller Zugriffsrechte – zusammengetragen werden.

Die Stammgemeinschaft 

Es ist der obligatorische Zusammenschluss von Spitälern und Praxen zu einem Verbund, bei dem jeder Patient sein ePD eröffnet und seine Zugriffsrechte verwaltet. Laut EPDG sind die Kantone verpflichtet, innerhalb einer Frist eine Stammgemeinschaft zu gründen. Ein Beispiel für eine Stammgemeinschaft im Kanton Zürich ist der Verein ZAD.

ePatientdossier-Gesetz (EPDG)

Am 19. Juni 2015 verabschiedeten National- und Ständerat das Bundesgesetz über das elektronische Patientengesetz (EPDG). Hierin geregelt sind u.a. die Zugriffsrechte für die zertifizierten Stammgemeinschaften und für die Patienten. Darüber hinaus beschreibt es die Koordination, den Aufbau und die Weiterentwicklung von eHealth.

Der Datenschutz

Der Patient gibt immer seine schriftliche Einverständniserklärung darüber, ob er ein elektronisches Patientendossier eröffnen möchte, und er entscheidet mit seinen Zugriffsrechten, welche Inhalte zugänglich gemacht werden und wer hierauf zugreifen darf. Der Patient selbst hat immer das Recht, sein ePD einzusehen.

Was wurde bereits realisiert?

Das Elektronische Patientengesetz wurde am 19. Juni 2015 verabschiedet. Nun beginnt die Umsetzung in den Kantonen. Ein erfolgreiches Pilotprojekt läuft bereits im Kanton Genf, bei dem die spezifische Situation des Gesundheitswesens in der Schweiz und internationale Standards berücksichtigt werden.

Wir können heute davon ausgehen, dass die derzeitigen technischen Entwicklungen unser Leben in Zukunft noch stärker beeinflussen werden. Welche Auswirkungen die laufenden Trends auf das Gesundheitswesen nehmen könnten, analysiert die Studie Vision eHealth 2025. Das Inputpapier für eine neue eHealth-Strategie wurde von eHealth Suisse, dem Koordinationsorgan von Bund und Kantonen, an die ausgesuchten Experten der Schweizerischen Gesellschaft für Medizinische Informatik (SGMI) in Auftrag gegeben.

Zu diesem Gremium gehört unter anderem der erfahrene Mediziner und Informatiker Dr. med. Daniel Voellmy, der nach seiner langjährigen Spitalerfahrung das Projekt als selbstständiger Berater unterstützt. In einer Veranstaltung hatte er kürzlich erklärt: «Die Informationstechnologie revolutioniert die Medizin. Langfristig wird in unserem Gesundheitswesen kein Stein auf dem anderen bleiben.»

Die Zukunft biete viele Chancen für das Gesundheitswesen

Die Vision eHealth 2025 muss jedoch in Zukunft noch mit vielen Unsicherheiten rechnen: Niemand weiss heute, welche revolutionären Technologiesprünge noch auf uns zukommen werden. Immerhin: Die Zukunft hat längst begonnen. Das Smartphone mit Gesundheits-Apps und Wearables, Geräte als Fitnessoptimierer, sichern uns schon heute die ständige Kontrolle über unsere Vitalfunktionen.

Das elektronische Patientendossier soll mehr Effizienz und Kosteneinsparungen

Immer öfter präsentieren Patienten diese Daten dem behandelnden Arzt bereits als zusätzliche Entscheidungsgrundlage. Gleichzeitig liefert dieses gesammelte Zahlenmaterial auch dem Patienten einen tieferen Einblick über seine Gesundheit. Die neue Transparenz ermöglicht daher eine ganz wichtige Vision: das Patient empowerment, die Mündigkeit des Patienten.

Hinzu kommt: Die Informationstechnologie treibt auch den medizinischen Fortschritt an. Ein Beispiel: Schon heute werden genetische Daten zur Krebstherapie hinzugezogen. Wir sind auf dem Weg zu einer personalisierten Medizin, die ein heute kaum vorstellbares Mass an individuellen Daten berücksichtigt. Das Visionspapier blendet jedoch auch die Risiken nicht aus. Im Umgang mit den vielen Informationen braucht es neue Ansätze für das Consent management, für die gezielte Freigabe persönlicher Daten für Behandlungszwecke oder die Forschung.

Das elektronische Patientendossier ist ein wichtiger Meilenstein

Das elektronische Patientendossier (ePD), das am 19. Juni dieses Jahres verabschiedet wurde, gilt als Meilenstein im Bereich eHealth. Es soll mehr Effizienz und Kosteneinsparungen bringen und den Patienten unnötige Untersuchungen ersparen. Die Zusammenführung aller Informationen in einem einzigen Dossier hilft zum Beispiel, Doppelspurigkeiten bei der Medikamentenabgabe zu vermeiden. Wichtig: Der Patient entscheidet selbst über die Zugriffsrechte.

Damit die Patienten die neue Mündigkeit auch wirklich nutzen, braucht es eine benutzerfreundliche Technik und ein Minimum an Verständnis und Wissen. Die eHealth-Kompetenz muss auch für die Gesundheitsfachpersonen gestärkt werden. So sind in den nächsten Jahren erhebliche Bildungsanstrengungen erforderlich, damit bis 2025 aus Visionen auch tatsächlich greifbare Erfolge werden.