Das Exoskelett kommt in der Medizin schon seit Längerem zum Einsatz. Therapie-Instruktorin Ines Bersch-Porada arbeitet mit gelähmten Patienten. Der am Körper tragbare Roboter kommt allerdings als Therapiemittel zum Einsatz – nicht als Fortbewegungsmittel.

Das Gehen führt zu einer besseren Körperspannung und wirkt sich eventuell positiv auf Kreislauf- und Darm-Blasensystem aus. Doch ist das Tragen des «Skeletts» körperlich sehr anstrengend. Der Patient geht dabei an Stöcken, wird unterstützt von zwei Therapeuten.

Der menschliche Körper ist für den aufrechten Gang geschaffen. Schädigt ein Unfall, eine degenerative Wirbelsäulenerkrankung oder eine Durchblutungsstörung das Rückenmark und kann sich der Mensch nicht mehr aufrichten und aus eigener Kraft gehen, dann bauen sich Muskeln und Knochendichte ab. Patienten, die durch diese «Gehhilfe» ihre Bewegung zurückerlangen, verbessern also zudem ihre Gesundheit. 

Mechanik, Elektronik, Sensorik und Informatik gehören ebenso dazu wie Neurobiologie und Psychologie

Ob man zum Erlernen dieser Gehtechnik fünf Lektionen oder aber deren 20 benötigt, hängt von der Schwere der Lähmung und dem individuellen Geschick ab, führt Ines Bersch-Porada weiter aus.

Wer tiefer gelähmt ist, lernt in der Regel den Umgang schneller als jemand, der höher gelähmt ist. Das Gleichgewicht und die Koordination eines Querschnittgelähmten sind besonders gefordert. Frustriert seien die Patienten dennoch nicht. Sie unternehmen die Anstrengung gerne im Rahmen ihrer Therapie.

Doch auch die Betroffenen sehen im Exoskelett noch keine Ablösung ihres Rollstuhls. Zu stark würde die schwerfällige Stützstruktur sie vom sozialen Leben abhalten.

Wo ein Rollstuhl ein Hindernis wie einen Trottoirrand fast problemlos überwindet, kommt das Exoskelett nicht weiter. Und noch ist es nicht in der Lage, ein normales Schritttempo einzuhalten.

Zwar ist die Stützstruktur noch lange nicht alltagstauglich. Doch bewege sich in der Forschung momentan viel, weiss Ines Bersch-Porada. Schon in fünf Jahren könnte man einen entscheidenden Schritt weiter sein.

Dazu muss das Exoskelett vor allem leichter werden, um schnellere Schritte zu ermöglichen, was gleichzeitig die Muskeln stimuliert – Wissenschaftler aus unterschiedlichen Forschungsdisziplinen arbeiten weltweit an Exoskeletten. Mechanik, Elektronik, Sensorik und Informatik gehören ebenso dazu wie Neurobiologie und Psychologie.

Das dürfte den schätzungsweise 185 Millionen Menschen, die weltweit täglich einen Rollstuhl nutzen, eine Hoffnung sein. An der ETH Zürich wird der Prozess vorangetrieben, auch in Amerika ist man an der kommerziellen Vermarktung sehr interessiert.

In der Rehabilitationsrobotik werden klinische Studien zur Rehabilitation mithilfe von Exoskeletten bei Lähmungen durchgeführt. Seit geraumer Zeit wird auch an Maschinen geprobt, die die Bewegungen des Trägers durch Servomotoren verstärken.