Am Anfang jeder Reportage stehen für Autoren und Leser viele Fragen offen. Vielleicht stellen Sie sich als Leser und Leserin eben in diesem Moment die Frage, warum eine Reportage über Infektionskrankheiten wichtig ist, wenn doch Herz-Kreislauf-, Zucker-, Demenz- und Krebserkrankungen in unserem Alltag in der Schweiz viel präsenter sind?

Immer und überall konfrontiert

Infektionskrankheiten gehören zu den ältesten Krankheiten überhaupt und haben die Weltgeschichte und Gesellschaftsformen von je her geprägt. Sie betreffen alle Menschen und machen weder vor geographischen, politischen noch sozialen Grenzen und Systemen halt.

In jeder Phase unseres Lebens – vom ungeborenen Kind im Mutterleib bis hin ins hohe Alter – sind wir mit Infektionskrankheiten konfrontiert.

Für viele Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern sind auch im 21. Jahrhundert Infektionskrankheiten nach wie vor der Hauptgrund von grossem Leid und Sterben.

Krankheiten wie zum Beispiel Durchfallerkrankungen, HIV, Tuberkulose Malaria oder durch Impfungen vermeidbare Infektionen sind im Alltag dieser Menschen eine akute Bedrohung und bedeuten nebst dem körperlichen und emotionalen Leid auch oft existenzielle Notsituationen für ganze Familien und Gesellschaften.

Situation in der Schweiz

Obwohl wir in der Schweiz durch Wohlstand, hohe Hygiene und medizinische Versorgung mit Zugang zu neuen Therapieoption (wie z.B. bei der Hepatitis C), gute Ausbildung und klimatischen Voraussetzungen in einer weniger bedrohlichen Situation sind, so leben wir trotzdem nicht auf einer geschützten Insel, sondern sind Teil einer hochkomplexen und globalisierten Welt.

Deutlich wird dies anhand eindrücklicher Zahlen: Pro Jahr sind die Flughäfen Zürich Kloten und Genf Cointrin Drehscheibe für mehr als 44 Millionen Passagiere und mehr als 500‘000 Tonnen Fracht aus aller Herren Länder.

Jedes Jahr reisen über 1 Million in der Schweiz ansässige Personen ins Ausland und setzen sich einem erhöhten Risiko von Infektionskrankheiten aus.

Ein weiterer Aspekt unserer Globalisierung ist die Klimaveränderung, welche dazu führen kann, dass sich krankheitsübertragende Mücken, welche Dengue, Chikungunya oder Zika übertragen können, in neue Gebiete ausbreiten.

Auch unabhängig von Auslandsreisen ist die Schweiz lokal von Infektionskrankheiten betroffen. Die Influenza Epidemie trifft die Schweizer Bevölkerung jährlich in unterschiedlich starkem Ausmass, was wie im Jahr 2016/2017 zu einer erhöhten Sterblichkeit bei Mitbürgern über 65 Jahren geführt hat.

Wiederholt kommt es auch in der Schweiz zu lokalisierten Masern Epidemien. Obwohl Masern eine im frühen Kindesalter durch eine Impfung vermeidbare Erkrankung darstellt, wurden in den ersten vier Monaten des Jahres 2017 genauso viele Fälle gemeldet wie im ganzen Jahr 2016.

Zusätzlich waren 80% der Betroffenen nicht oder nur unzureichend geimpft. Fast 60% der Betroffenen waren älter als 20 Jahre, was mit einem erhöhten Risiko an Komplikationen und Langzeitschäden einhergeht.

Ein Risiko für alle

Neben den oben genannten Infektionen können wir uns auch in unserer Freizeit im Rahmen eines Zeckenbisses mit Borrelien oder einer Infektion mit dem Frühsommer-Meningoenzephalits (FSME) Virus infizieren.

Eben meldete das Bundesamt für Gesundheit (BAG), dass seit 10 Jahren nicht mehr so viele Fälle von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) wie in diesem Jahr in der Schweiz gemeldet wurden.

Viele Infektionskrankheiten sind nicht nur ein Risiko für den Patienten selber, sondern stellen ein Krankheits- und Sterberisiko für andere Mitmenschen und insbesondere Säuglinge, Kleinkinder, Menschen mit Immunschwäche und ältere Mitbürger dar.

Hinzu kommt, dass weltweit Bakterien vermehrt resistent gegenüber Antibiotika werden und sich zusehends in unserer globalisierten Welt verbreiten.

Wissenswerte Infos in der Kampagne "Infektionskrankheiten"

 

Jedes Jahr reisen über 1 Million in der Schweiz ansässige Personen ins Ausland und setzen sich einem erhöhten Risiko von Infek­tionskrankheiten aus.

Mit dieser Reportage wollen wir Ihnen als Leserschaft verständliche und ausgewogene Informationen zur Verfügung stellen.

Um als Gesellschaft Fortschritte im Bereich der Infektionskrankheiten zu erlangen, benötigen wir stete Forschung und Entwicklung von verbesserten diagnostischen Methoden, Medikamenten und Impfstoffen sowie gut ausgebildeten Ärzten und Pflegefachpersonen, welche durch den gezielten Einsatz von Impfungen und Antibiotika die medizinische Versorgung heute und in der Zukunft sicherstellen sowie die Entstehung und Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen minimieren.

Aber es braucht auch Sie als Leser: Ihr Wissen, Verhalten und ihre Solidarität mit Ihren Mitmenschen ist ein wichtiges Element, um Infektionskrankheiten eindämmen zu können und sich selber sowie die Schwächsten in unserer Gesellschaft zu schützen.