In der Schweiz sind, laut Bundesamt für Gesundheit, 40000 Menschen von einer chronischen, unbehandelten Hepatitis C betroffen. Schätzungen gehen jedoch davon aus, dass ein Drittel der Betroffenen nicht getestet ist.

Denn die Symptome sind oftmals unspezifisch und lassen nicht sofort auf eine Hepatitis-C-Erkrankung schliessen. «Mit Abstand das häufigste Symptom ist Müdigkeit, die in der Ausprägung mit zu Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit führen kann», erklärt Dr. med. Philip Bruggmann, Chefarzt Innere Medizin Arud Zentren für Suchtmedizin sowie Facharzt für Allgemeine Innere Medizin. 

Weitere Anzeichen können Gelenkschmerzen, Beschwerden im rechten Bauchbereich, Konzentrationsschwierigkeiten und Verdauungsbeschwerden sein.

Blut-zu-Blut-Übertragung

Mit einem einfachen Bluttest, der beim Hausarzt durchgeführt werden kann, lässt sich Hepatitis C diagnostizieren. «Wir empfehlen einen Test jedem, der irgendwann im Leben eine Risikosituation hatte.

Aus der Erkenntnis heraus, dass die Jahrgänge 1950 bis 1985 überproportional betroffen sind, ist bei Personen, die in diesen Jahren geboren sind, ein Test anlässlich einer sowieso stattfindenden Blutentnahme, zum Beispiel bei einem Check-up, angezeigt», betont Bruggmann.

Die Übertragung erfolgt von Blut zu Blut. Die häufigsten Übertragungswege sind Bluttransfusionen vor den Neunzigerjahren oder in Ländern mit eingeschränktem hygienischem Standard.

«Auch das Teilen von Materialien beim Drogenkonsum, Tattoos, Piercings sowie Pediküre unter ungenügend sterilen Bedingungen und wohl auch medizinische Eingriffe wie Kontrastmitteluntersuchungen und Ähnliches vor Entdeckung des Virus Anfang der Neunzigerjahre können zu einer Ansteckung führen», so der Facharzt.

Ohne Behandlung schwerwiegende Folgen

Die häufigste Folge ist eine Entzündung und Vernarbung der Leber, die bis zu einer Leberzirrhose (Narbenleber) und einem Leberkrebs führen kann. «Hepatitis C ist auch ein Risikofaktor für Zuckerkrankheit, Herzkreislauferkrankungen und verschiedene bösartige Tumoren.

Zudem kann die häufig ausgeprägte Müdigkeit soziale und berufliche Konsequenzen haben», weiss Philip Bruggmann. Mit einer möglichst frühzeitigen Diagnosestellung und Therapie können die Folgeschäden effizient verhindert werden.

Hohe Heilungsrate

«Seit zwei Jahren stehen uns dafür hochwirksame Medikamente zur Verfügung», sagt Dr. Bruggmann. Diese werden in Tablettenform über acht bis zwölf Wochen eingenommen und können bei über 90 Prozent der Betroffenen eine Heilung erzielen.

Zudem ist jede erfolgreich behandelte Person nicht mehr ansteckend. Die meisten Pharmafirmen, die zurzeit auf dem Markt sind, haben die anfänglich horrenden Preise nun merklich gesenkt, was eine Aufhebung der Rationierung nach sich zog.

Somit stehen heute zwei der vier erhältlichen Kombinationen uneingeschränkt zur Verfügung und werden von der Grundversicherung der Krankenkasse bezahlt.

Die Auswahl der richtigen Kombination und die Verträglichkeit mit allfälligen andern eingenommenen Medikamenten ist entscheidend. Hier ist der Beizug eines erfahrenen Arztes wichtig. Auf Seite des Patienten ist eine regelmässige Einnahme des Medikamentes über die ganze Behandlungsdauer von Bedeutung.

Über Hepatitis:

Hepatitis ist der Fachbegriff für Leberentzündung.

Es gibt zahlreiche Ursachen für eine Hepatitis. Nebst Viren sind vor allem Alkohol und Leberverfettung die häufigsten Auslöser, aber auch Medikamente oder zahlreiche seltenere Krankheiten können zu einer Leberentzündung führen.

Bei den durch Viren verursachten Hepatitis-Formen geht es nach dem ABC. Es gibt Hepatitis A bis E, wobei B und C wegen ihres chronischen und potenziell tödlichen Verlaufes am gravierendsten sind.

  • Betroffenenbericht
Andrea Rinderknecht
Ehemals Betroffene und Gründerin von «patientube»

Stille Krankheit

Jahrelang litt Andrea Rinderknecht immer wieder unter Oberbauchdruck, Übelkeit, Schwäche, Müdigkeit, Fieberschüben und Konzentrationsschwäche. „Ich war bei verschiedenen Ärzten und keiner wusste, woher meine Symptome kommen könnten“, so Rinderknecht.

Nicht umsonst wird Hepatitis C als stille Krankheit bezeichnet. In vielen Fällen sind die Symptome so unspezifisch, dass es oftmals lange Zeit dauert, bis die Diagnose gestellt wird.

Auch bei Andrea Rinderknecht war die Diagnose Hepatitis C schliesslich ein Zufallsbefund. „Ich hatte eine Bauchoperation und musste dafür eine Eigenblutspende machen.

Dabei wurde mein Blut auf Hepatitis untersucht und meine Hepatitis C Erkrankung entdeckt.“ In diesem Moment verstand sie endlich die Zusammenhänge ihres jahrelangen Leidens.

„Mir war sofort klar, dass ich mich durch eine verschmutzte Homöopathie-Spritze angesteckt hatte. Die Symptome hatten exakt danach angefangen“.

Therapien mit Nebenwirkungen

Auf die Diagnose folgten nun monatelange Therapien, die sie immer wieder abbrach, weil die Nebenwirkungen unerträglich wurden. „Ich litt unter Haarausfall, trockener Haut und innerer Unruhe,  fühlte mich fremd im eigenen Körper.“

Irgendwann beschloss sie, auf  weitere Therapien zu verzichten und stattdessen das Leben zu geniessen. „Exakt zu meinem 50. Geburtstag rief mein Arzt an und erzählt mir von einer neuen, hochwirksamen Therapie.“

Und tatsächlich hatte diese bei Andrea Rinderknecht einschlagenden Erfolg: nach einem halben Jahr kam die Bestätigung: Geheilt. „Ich war wahnsinnig glücklich darüber, gleichzeitig wusste ich, dass mein Leben nie mehr wird wie zuvor.

Die Krankheit hat mich verändert und ich musste mich nun im Leben neu orientieren“.  Heute engagiert sich Andrea Rinderknecht für andere Betroffene und hat dazu die online Plattform „Patien­tube“ ins Leben gerufen.

Die Idee dahinter: Frisch diagnostizierte Patienten sollen mit erfahrenen Betroffenen vernetzt werden. Zudem will die Plattform Spezialisten und Angehörigen eine Stimme und jeder Krankheit ein Gesicht geben. Rinderknechts Motto: „Wenn man sich austauscht, ist man stärker.“