«Geistig behindert, lernbehindert, verhaltensgestört, gehörlos, sehbehindert, körperbehindert, nicht-behindert» – Begriffe, die leicht zu verallgemeinernden Urteilen über Menschen führen können.
Wie nehmen wir unsere Mitmenschen wahr? Der Diagnose einer spezifischen Behinderung geht eine ausschliesslich defektorientierte Sichtweise voraus.
Statistiken zeigen auf, dass 7 bis 10 Prozent der Kinder und Jugendlichen in den öffentlichen Schulen einen hohen bis sehr hohen Förder­bedarf aufweisen und 25 Prozent zeitweise spezifische Therapiemassnahmen benötigen, weil sie die vom Curriculum vorgegebenen Lernziele nicht erreichen.

Die Persönlichkeit des Menschen wird auf einzelne Merkmale reduziert, die ein Defizit beschreiben. Doch welche Lebensbedingungen behindern z.B. die Lernprozesse der verhaltensauffälligen oder teilleistungsgestörten Kinder und Jugendlichen?
Es ist wichtig, die Persönlichkeit des Menschen als Ganzes wahrzunehmen.
Indem der Mensch mit seiner Umwelt in Kontakt tritt, lernt er. Durch sein Lernen entwickelt er seine Persönlichkeit.
Lernen ist daher lebensnotwendig und genau das, was der Mensch am besten kann. Durch Lernen entdecken wir Neues, erlangen neue Kompetenzen zur Gestaltung unseres Daseins.
Die Hirnforschung hat aufzeigen können, dass die emotionale Befindlichkeit die Basis allen Lernens darstellt.
Frustration, Angst, Druck, Stress blockieren die Lernaktivitäten im Gehirn: Lernprozesse werden verhindert oder bereits Gelerntes wird vernichtet.
Lernen ist ein individueller Vorgang, bedingt durch Anlage, Persönlichkeit und Umwelt. Wohlbefinden, Motivation und ein angenehmes Lernklima (etwa eine gute Beziehung zwischen Kind und Lehrperson) fördern den individuellen Lernprozess.
In den nächsten Jahrzehnten werden die Menschen Probleme lösen müssen, die wir uns heute noch nicht vorstellen können. Es wird dann nicht darauf ankommen was, sondern wie gelernt worden ist – ohne behindernde Bedingungen!