Michelle Zimmermanns Stimme klingt nach viel Lebensfreude, Temperament und ist voller Elan. Wer mit ihr spricht, wird von ihrer Begeisterungsfähigkeit angesteckt. Dass Michelle Zimmermann durch ihre Behinderung viele Schmerzen erleiden muss – darauf würde man nicht kommen.

Auf Hilfe angewiesen
Seit ihrer Geburt 1980 lebt sie mit einer für die Schulmedizin unheilbaren und sehr schmerzhaften Hautkrankheit – «Epidermolysis Bullosa» ist eine blasenförmige Hautablösung schwersten Grades. Tag für Tag hat sie mit ihrer Behinderung zu kämpfen. Sie braucht Stunden, um die immer wieder am ganzen Körper aufbrechenden Wunden zu verbinden, und ist deshalb regelmässig auf die Hilfe ihrer Mutter, ihrer Tante und vor allem auch der Spitex angewiesen. Dennoch verfolgt Michelle Zimmermann zielstrebig ihre Ziele und betont, dass Lebensfreude eines ihrer Lebenselixiere ist. «Trotz meiner schmerzhaften Einschränkungen lebe ich ein intensives Leben und setze meine Ideen um», erklärt ­Zimmermann. So arbeitet sie seit ihrer kaufmännischen Ausbildung und Human-Resource-Weiterbildung als Event-Managerin. In ihrer Freizeit ist sie leidenschaftliche Tänzerin und Reiterin.

Botschafter in eigener Sache
Eine der Ideen, die sie umgesetzt hat, war die Miss und erstmals Mister Handicap Wahl, welche am Samstag, 13. Oktober 2012 im KKL Luzern stattfindet. «Meine Erkrankung war mit ein Auslöser für die Idee zur Miss Handicap Wahl. Denn Information und Aufklärung sind extrem wichtig für das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung. Dazu möchte ich mit der Wahl beitragen.» Ihr oberstes Ziel ist es, die Integration voranzutreiben und den Austausch zwischen Menschen mit und ohne Behinderung zu fördern. Es ist denn eine Wahl, bei der ein körperlicher Makel ausdrücklich erlaubt ist – und eben nicht zählt. Nicht die Behinderung, sondern die Botschafterqualitäten der jungen Frauen und in diesem Jahr erstmals auch Männer stehen im Zentrum: «Ihre Lebensfreude. Ihr Strahlen. Ihre Intelligenz. Und ihre Schlagfertigkeit. Ohne dass man sich ablenken lässt von dem, was diesen Frauen und Männern sonst oft vieles im Leben verbaut – ihrer Behinderung.»

Berührungsängste abbauen
Zimmermann sieht die Miss Handicap Wahl denn nicht als Schönheitsshow, sondern als Projekt. Mit der Wahl zur Miss und zum Mister Handicap werden eine Botschafterin und ein Botschafter für die Anliegen der Menschen mit Behinderung in der Schweiz gewählt. Miss und Mister Handicap vertreten ein Jahr lang als Botschafter die rund 1,2 Millionen Menschen mit einer Behinderung in der Schweiz. Sie sollen bei den Mitmenschen, bei den Medien, in der Politik und der Wirtschaft Aufklärungsarbeit leisten und Berührungsängste abbauen. Denn Menschen mit einer Behinderung sind in der Gesellschaft nach wie vor eine Randgruppe. Es ist laut Zimmermann deshalb umso wichtiger zu zeigen, «He, da sind wir! Wir sind mit unserer Einschränkung kompetente und offene Menschen, die auf Mitleid verzichten, jedoch Mitgefühl gerne annehmen. »

Suche nach Kandidaten ist schwierig
Es sei jedoch nicht immer einfach, geeignete Kandidatinnen und Kandidaten zu finden. «In diesem Jahr konnten wir nach der ersten Auswahl der Bewerbungen je zwölf Männer und zwölf Frauen zum Casting begrüssen. Nach dem Casting wurde dann nochmals auf die Hälfte reduziert und nun stehen je sechs Männer und Frauen im Finale.» Auf die Gewinnerin und den Gewinner warten im Amtsjahr zahlreiche Projekte zur Integration von Menschen mit Behinderung, verschiedene Anlässe, Botschafterauftritte sowie Medientermine. Michelle Zimmermann und ihr Team sind mit Herzblut bei der Sache. «Ohne viel Idealismus und einem eisernen Willen wäre die Umsetzung nicht möglich. Alle unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten ehrenamtlich».

Durch KKL gesponsert
Der organisatorische Aufwand ist immens und beschränkt sich nicht auf die Wahlnacht, sondern auch auf viele Anlässe und Coachings im Vorfeld und während des Amtsjahrs der jeweiligen Botschafter. «Besonders Kopfschmerzen bereitet mir das Auftreiben finanzielle Mittel. Sponsoren und Spenden zu finden ist nicht leicht. Deshalb müssen wir schauen, dass wir mit den sehr knappen finanziellen Mitteln, die wir haben, möglichst viel herausholen.» Ein Glücksfall sei das Teilsponsoring des KKL Luzern. «In diesem Rahmen die Miss und Mister Handicap Wahl durchzuführen ist schon etwas Besonderes und trägt zum nötigen Glanz bei», so die Initiantin abschliessend.