Für die meisten Menschen sind Ferien normal. Nicht so für Familien mit behinderten Angehörigen. «Wir haben festgestellt, dass viele betroffene Familien gar nicht in die Ferien gehen, weil die Organisation mit einem behinderten Kind zu aufwändig ist», sagt Michael Harr, Geschäftsleiter der Stiftung Cerebral. «Zudem sind die Ferien dann oftmals für die anderen Familienmitglieder keine Ferien mehr .» Die Betreuung und Pflege des Betroffenen sind dermassen intensiv, dass der eigene Partner und oftmals auch das nicht behinderte Kind zu kurz kommen. Tatsächlich bedeutet mit einem behinderten Kind in die Ferien zu fahren, für die Eltern einen riesigen Aufwand. Die Erholung bleibt oft wegen der intensiven Pflegeleistung auf der Strecke. Denn fern von zuhause ist der Betreuungsaufwand eher grösser als sonst.

Pflegeleistungen für Behinderte
Hier setzt das Ferienangebot der Stiftung an. « Unser Angebot ist insofern einzigartig, dass wir nicht nur rollstuhlgängige Hotels anbieten, sondern auch in Zusammenarbeit mit Spitexdiensten Pflegeleistungen in die Hotels vermitteln, koordinieren und auch finanzieren», so Harr. Das bedeutet konkret, dass die Familie auch während den Ferien entlastet wird und das betroffene Kind für einige Stunden am Tag abgegeben werden kann. «In dieser Zeit kann dann auch etwas mit dem Partner, Geschwister oder alleine unternommen werden. Diese Zeit ist sehr wichtig für die Betroffenen, denn nur so kommen auch sie dazu sich zu erholen», so Michael Harr. Im Vorfeld gilt es, Abklärungen mit der Familie zur Art der Pflege und dem Schweregrad der Behinderung zu treffen. «Nur so können wir den geeigneten Ferienort finden und die Familien vor Ort mit der Spitex verlinken.»

Breites Hotelangebot
Die verschiedenen Angebote werden denn rege genutzt. So können die Familien neben einem breiten Hotelangebot auch Campingferien machen. Die Stiftung vermietet zwei rollstuhlgängige Camper für die individuelle Feriengestaltung. «Zudem haben wir an einem festen Standplatz am Vierwaldstättersee einen rollstuhlgängigen Wohnwagen platziert. Ebenso wurde durch uns je ein rollstuhlgängiger Bungalow am Brienzersee, in Bern, in Tenero und in Sempach bereitgestellt», so Harr. Weitere Ferienorte sollen hinzukommen. «Wir hätten gerne in zwei Jahren rund zehn Hotels, auf die wir zurückgreifen können», sagt Harr. Bisher unterstützt die Stiftung in der ganzen Schweiz über 8700 Familien und ihre cerebral gelähmten Angehörigen.

Fit machen für den Alltag
Damit können auch diejenigen Familien unbeschwert Ferien machen, die nicht auf hilfreiche Freunde oder Verwandte zurückgreifen können. Schon wenige Tage Entlastung können helfen, die Batterien wieder aufzutanken und sich fit zu machen für den Rest des Jahres. Und die Eltern können wieder ein paar Stunden miteinander verbringen. Das hilft auch später im Alltag, der sich direkt oder indirekt meist um die Pflege dreht. Für viele, die auf diese Weise entspannen können, ist es eine befreiende Erfahrung, dass sie die Welt jenseits der intensiven Pflege immer noch geniessen können. Um so mehr Kraft können sie danach wieder für die Pflege aufbringen.