Wenn für Jugendliche mit Behinderungen das Ende der Schulzeit naht, stellt sich unter anderem die Frage, ob sie eine Berufslehre antreten können. Genügte die Vorbereitung durch die Integration in die Regelklassen, unterstützt durch speziell ausgebildete Lehrpersonen und Heilpädagogen, oder der Besuch einer Sonderklasse? Mit solchen Fragen beschäftigt sich Dr. Claudia Schellenberg von der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik (HfH) in Zürich. Mit ihrer Kollegin Claudia Hofmann erarbeitete sie eine Studie über die Berufswahlvorbereitung dieser Jugendlichen an Schulen und leitet am 9. November dazu eine Tagung an der HfH. Der Forschungsbericht wird im November 2013 publiziert.

Wunsch nach Besserung
Lehrpersonen tun bereits sehr viel für behinderte Kinder und Jugendliche, lobt Claudia Schellenberg: «Sie helfen oft mit bei der Suche nach Schnupperlehren, Praktika und Lehrstellen.» Allerdings, so Schellenberg, wünschen sich Lehrpersonen ein besseres Ausbildungsangebot für sich selber, um Jugendliche mit besonderem Förderbedarf auf den Weg ins Berufsleben führen zu können.

Zwischen Traum und Realität
Die Aufgaben von Schule und Berufsberatung sind in der Romandie stärker aufgeteilt, zeigt die Studie. In der Deutschschweiz sind die Lehrpersonen bei den übergängen stärker involviert, indem in den Unterrichtskonzepten von zwei Drittel der Schulen die Berufswahlvorbereitung klar verankert ist. Obwohl der Lehrstoff auch für behinderte Jugendliche definiert wird, könnte hier noch mehr getan werden, sagt Claudia Schellenberg. Beispielsweise wäre es sinnvoll, in den Lehrplänen Verantwortlichkeiten und Zielsetzungen weiter zu konkretisieren. «Es wäre gut, wenn es schon vor dem 7. Schuljahr einen fächerübergreifenden Unterricht gäbe, um sich früh mit Traumberufen und den beruflichen Realitäten auseinanderzusetzen.» Unerlässlich ist die effiziente Zusammenarbeit zwischen Lehrpersonen, Eltern und Berufsberatern. Vor allem in den Sonderschulen arbeitet auch die IV eng mit.

Zusammenarbeit mit der Wirtschaft
Es werden immer mehr geeignete Ausbildungsplätze geschaffen, und es gibt eine Standardisierung von Berufsabschlüssen. Projekte, welche sich mit der Integration im ersten Arbeitsmarkt befassen («Supported Education»), erweisen sich als erfolgversprechend. Auch die ehemalige IV-Anlehre wurde neu konzipiert (Praktische Ausbildung nach INSOS), doch für besonders lernschwache Jugendliche gibt es noch zu wenige Angebote. Sensibilisierung und Motivierung der Betriebe sind wesentlich. «Unsere Studie zeigt, wie wichtig die Zusammenarbeit von Schulen und Wirtschaft ist», so Claudia Schellenberg.

 

Gisela Blau
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