Das Swiss Paralympic Team hat an der Leichtathletik WM diesen Sommer 14 Medaillen gewinnen können, im Winter an der Ski-WM deren sechs: Wie stufen Sie diese Leistungen ein?
Wir haben in einigen Sportarten immer noch eine sehr kompetitive Stellung. Als kleines Land, wie wir es sind, müssen wir uns auch in den nächsten Jahren auf einzelne Sportarten konzentrieren. Denn der Behindertensport hat sich international stark entwickelt und der Konkurrenzkampf wird immer härter.
 

 

Ein Roger Federer zieht viele Menschen auf den Tennisplatz – kann auch ein Marcel Hug Leute zum Behindertensport bewegen?
Wir haben im Behindertensport wahrscheinlich nicht die absoluten Idole wie dies im validen Sport der Fall ist. Ich denke aber schon, dass Spitzensportler wie Marcel Hug aufzeigen, was trotz der Behinderung möglich ist. Sie motivieren, machen Mut und geben anderen Kraft, über Schicksalsschläge hinwegzukommen.
 

 

In anderen Ländern sind die paralympischen Spitzenathleten vom Staat bezahlte Vollprofis. Warum in der Schweiz nicht?
In der Schweiz haben wir, anders als beispielsweise Deutschland, die Tradition, dass der Breitensport eher gefördert wird als der Spitzensport. Ich denke auch nicht, dass sich dies in der Zukunft ändern wird. Umso höher sind die Leistungen unserer Athletinnen und Athleten einzuschätzen, die den Spagat zwischen Beruf und Spitzensport meistern!
 

 

Wie sieht es denn mit dem Nachwuchs aus?
Ein Teil des Nachwuchses sind talentierte Sportlerinnen und Sportler, die nach einem Unfall mit einer bleibenden Behinderung zu uns wechseln. Andererseits müssen wir für Junge ein gutes Basisangebot im Breitensport bieten, aus dem sich ambitionierte Sporttreibende über die Nachwuchsförderung entwickeln können. PluSport tut dies beispielsweise mit seinen Sportcamps. Viele spätere Paralympics-Teilnehmer haben in einem PluSport-Lager das Skifahren erlernt oder ihre ersten spielerischen Versuche im Rollstuhl gemacht.
 

 

PluSport will sich für die Integration Behinderter einsetzen. Wie sehen diese Bemühungen denn konkret aus?
Wir wollen, dass Menschen mit Behinderung Sport treiben können nach ihren Wünschen und speziellen Voraussetzungen. Nebst der öffnung verschiedener Angebote für Nicht-Behinderte haben wir zahlreiche Partnerschaften in der Schweizer Sportlandschaft lanciert. So hatten unsere Mitglieder beispielsweise die Möglichkeit, am Eidgenössischen Turnfest teilzunehmen. Auch der Spitzensport ist ein gutes Beispiel. Die meisten unserer Athleten trainieren zusätzlich zu den PluSport-Trainings in ihren lokalen Vereinen gemeinsam mit Nicht-behinderten.
 

 

PluSport führt 2014 zum zweiten Mal einen Ski-Weltcup durch. Ist es ein Ziel, in Zukunft vermehrt solche Anlässe in der Schweiz zu organisieren?
Grossanlässe sind eine hervorragende öffentliche Plattform für den Behindertensport. Natürlich sind wir aber auf die Unterstützung durch Partner, lokale Organisationskomitees und Volunteers angewiesen, um solche Events durchführen zu können. Daher konzentrieren wir uns vorerst auf den PluSport-Tag, den Weltcup in St. Moritz und das nächste Projekt, die Präsentation unserer spannenden Sportangebote an der Swiss Handicap Messe.
 

 

Im März 2014 werden in Russland die Paralympischen Spiele ausgetragen. Was erwarten Sie von Sotschi?
Wir fiebern natürlich bereits mit grossen Erwartungen den Paralympics entgegen. Russland wird bestimmt alles unternehmen, eindrückliche und gut organisierte Spiele zu gewährleisten.

Beim Skifahren sind wir Schweizer ja traditionell stark – dies gilt im Behindertensport genauso. Wenn unsere alpinen Athleten die guten Leistungen der letzten Saison bestätigen können, darf die Schweizer Delegation mit Zuversicht und berechtigten Medaillenhoffnungen nach Sotschi reisen.


 

Marc Häsermann
redaktion.ch@mediaplanet.com
 
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